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Team aus Hameln in Haiti im Einsatz

Drei Wochen voller Gegensätze

HAMELN/BEAUMONT. „Traurig“, „aufbauend“, „erschreckend“, „erfolgreich“: Drei Wochen voller Gegensätze und teilweise harter Arbeit unter schwierigsten Bedingungen liegen hinter dem siebenköpfigen Team aus Ärzten, Sanitätern und Technikern.
Zum zweiten Mal innerhalb von nur zwölf Monaten war eine Gruppe Hamelner in das 8000 Kilometer entfernte Haiti aufgebrochen, um die von Naturkatastrophen und Misswirtschaft gebeutelten Menschen in Haiti zu unterstützen

veröffentlicht am 27.02.2017 um 19:54 Uhr
aktualisiert am 27.02.2017 um 20:43 Uhr

Das gesamte Hamelner Team mit Heimleiterin Mama Judith und Kindern des Heims der Stiftung Manmie Doune. Fotos: Manmie Doune – Help for Hait
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.„Das bereits im vergangenen Jahr von uns unterstützte Entwicklungskonzept trägt zwischenzeitlich Früchte“, beschreibt Bernhard Mandla, Leiter der Hamelner Hilfsorganisation „Manmie Doune – Help for Haiti“ den Einsatz und ergänzt: „Die Basis des Erfolges bei der Hilfe zur Selbsthilfe stellt allein das seriöse Miteinander und die zweckmäßige Vernetzung der verschiedenen Hilfsorganisationen dar.“ In Haiti kooperierte das deutsche Team deshalb gleich mit verschiedenen haitianischen Kooperationspartnern sowie befreundeten Organisationen an insgesamt vier verschiedenen Orten.

In Beaumont, einem im Oktober vom Hurrikan „Matthew“ weitestgehend zerstörten Bergdorf im Süden des Landes, arbeiteten die drei Techniker Jürgen Giesecke-Michelmann, Friedrich Kopmann und Klaus Brunotte an der Wiederherstellung von Schule und Waisenhaus. Währenddessen unterstützte Dr. Barbara Michelmann die seit vielen Jahren dort lebende deutsche Ärztin Dr. Anke Brügmann bei der kostenlosen Versorgung der dort lebenden Bevölkerung.

Dr. Angela Tilgner-Brunotte und Dr. Jens Tinnappel hatten zeitgleich mit der Stadt Milot ihren davon weit entfernten Einsatzort und arbeiteten dort eine Woche lang im „Hôpital Sacré-Cœur“, das mit 125 Betten auch gleichzeitig das größte Krankenhaus im Norden Haitis darstellt. Dort kooperierte das Team mit der Crudem Stiftung, und während die erfahrene Anästhesistin im Operationssaal die Beatmung und den Schmerzstatus schwer verletzter Patienten überwachte, untersuchte und behandelte der versierte Kardiologe die Herz-Kreislauf-Erkrankungen seiner haitianischen Patienten. Später wurden im südlich gelegenen Ort Rousseau neben dem kompletten Techniker-Team auch zeitgleich alle drei Mediziner im Krankenhaus „Centre de sante Rousseau Cesaire“ mehrere Tage lang eingesetzt.

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Der Kardiologe Jens Tinnappel legt beim Bau des Sanitätsraumes im Kinderheim selbst Hand an, unterstützt von zwei Heimkindern.

Nach der Rückkehr in die Hauptstadt Port-au-Prince arbeiteten die Ärzte im MedLAB, einem neu erbauten Ärzte- und Dialysezentrum, in dem auch die befreundete Organisation Her Client Rescue ihre Rettungswache unterhält.

Hier war der Lehrrettungsassistent Bernhard Mandla während des gesamten Einsatzes untergebracht und stand somit drei Wochen lang Tag und Nacht für eine ganze Reihe von Einsätzen mit boden- oder luftgebundenen Rettungsmitteln zur Verfügung.

Seine Aufgabe in der einsatzfreien Zeit bestand in der Aus- und Weiterbildung der nach amerikanischem Muster unterwiesenen, haitianischen Sanitäter. Hierbei handelte es sich nicht nur um heroeigenes Personal, sondern auch um die Feuerwehrleute des internationalen Flughafens sowie Personenschützer der Sicherungsgruppe des haitianischen Präsidenten.

Nutznießer des Hilfseinsatzes war aber auch das vom Hamelner Verein seit Jahren massiv unterstützte Kinderheim der „Manmie Doune Stiftung“, das durch die mitgereisten Techniker neben einem im Hause neu ausgebauten Sanitätsraum jetzt auch über eine neue, gasbetriebene Kochstelle verfügt. Diese ersetzt die völlig überteuerte Holzkohlebefeuerung, die man allerdings in Haiti zu 80 Prozent antrifft, weil Strom- und Energieprobleme unlösbar erscheinen und die Anschaffung einer Gaskochstelle in diesem Land nur mithilfe von Spendengeldern möglich ist. Der Sanitätsraum wird von zwei Krankenschwestern unterhalten und dient nicht nur der medizinischen Untersuchung der Heimkinder, sondern steht in dringenden Notfällen allen Stadtteilbewohnern von Delmas 19 kostenlos zur Verfügung. Das dazu notwendige medizinisches Gerät, Medikamente sowie Verbrauchsmaterial erreicht das Heim seit Jahren per Paket aus Deutschland und wird von Spendengeldern finanziert.

Besonderheiten des knapp dreiwöchigen Hilfseinsatzes waren die Verlegung schwerkranker Patienten mithilfe von Ambulanzflügen in Spezialkliniken, die Versorgung von schwerstverletzten Verbrechensopfern, der Sanitätsdienst für den haitianischen Präsidenten Jocelerme Privert während der Eröffnungsfeier des neuen Flugplatzes „Aerogare Guy Malary“ sowie die große Anzahl von Kindernotfällen, die leider nicht alle ein gutes Ende fanden. Vor allem der Kampf gegen den allgegenwärtigen Hungertod konnte trotz aller medizinischen Anstrengungen oftmals nicht mehr gewonnen werden.

Einen ganzen Tag unterstützte das Team auch einen kostenlosen Medizincheck in Delmas, an dem neben haitianischen Ärzten auch nahezu alle Medizinstudenten der Hauptstadt teilnahmen. Hunderte von Patienten wurden gesichtet, der richtigen, medizinischen Fachrichtung zugeführt und kostenlos behandelt. Sogar kleine operative Eingriffe konnten dank der Hamelner Chirurgin Dr. Barbara Michelmann gleich vor Ort durchgeführt werden. „Leider konnten wir nicht allen helfen“, sagte Dr. Angela Tilgner-Brunotte am Ende des kräftezehrenden Einsatzes. „Denn wir müssen unter den vor Ort herrschenden, hygienischen Bedingungen möglichst risikoarm arbeiten. Uns sind somit enge Grenzen gesetzt.“

Übrigens haben alle sieben Teammitglieder sämtliche Kosten dieses Einsatzes aus der eigenen Tasche bezahlt, sodass die Spendengelder ausschließlich für Medizinprodukte und Baumaterial verwendet werden konnten.


Info: Wer weitere Einsätze des Vereins oder deren Engagement für das haitianische Kinderheim unterstützen möchte: Spendenkonto von „Manmie Doune – Help for Haiti e.V.“ bei der Sparkasse Hameln-Weserbergland, DE24 2545 0110 0170 0774 81.



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