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Er lebte Nächstenliebe

Dr. Gerhard Bulczak im Alter von 85 Jahren gestorben

HAMELN. „Was Ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt Ihr mir getan.“ Diese Worte aus dem Matthäus-Evangelium hätten das Lebensmotto von Dr. Gerhard Bulczak sein können. Geprägt von einer zutiefst christlichen Überzeugung, glaubte der langjährige Leiter der Jugendanstalt Hameln (JA) fest daran, dass im Kern eines jeden Menschen etwas Gutes enthalten sei, das man nur zum Leben erwecken müsse. Und so war sein Handeln immer auch bestimmt von Nächstenliebe, die ganz besonders denen galt, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Nach langer Krankheit ist Dr. Gerhard Bulczak nun, einen Monat vor seinem 86. Geburtstag, im Kreise seiner Familie verstorben.

veröffentlicht am 15.02.2017 um 20:46 Uhr

Dr. Gerhard Bulczak ( ) war der erste Leiter der Jugendanstalt Hameln. Foto: Archiv
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Autor

Christa Koch Reporterin
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Der aus Greifswald stammende Jurist hatte dort 1950 sein Studium aufgenommen; weil er aber als Vertrauensstudent der katholischen Studentengemeinde einen illegalen Zirkel gegründet hatte, musste er nach West-Berlin fliehen. Anschließend führte ihn das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften nach Göttingen, wo er sich intensiv mit dem Jugendstrafvollzug und der Heimerziehung auseinandersetzte.

Im niedersächsischen Justizdienst war er unter anderem als Jugendstaatsanwalt und als Richter tätig, leitete die Strafvollzugsschule Wolfenbüttel und war von 1965 bis 1970 Referent beim Generalstaatsanwalt in Oldenburg. Bis ihn der Ruf nach Hameln ereilte.

Zunächst war der Jurist noch Leiter des alten „Knasts“ am Weserufer, wo seinerzeit nur „weggeschlossen“ wurde. 1980 dann wurde die neue JA in der Gemarkung Tündern eingeweiht, ein Meilenstein in Bulczaks beruflichem Werdegang, galt es doch für ihn, ein völlig neues Konzept für einen modernen Jugendstrafvollzug zu entwickeln, das bis heute als wegweisend in Deutschland gilt. Gefangene – das war ein Wort, das der Verstorbene nicht schätzte. Es waren „seine Jungs“, denen sein Engagement galt, auch die sogenannten „schweren“. Sie alle wurden mit ihren Schwächen und Stärken in erster Linie als Mensch angenommen. Nicht zuletzt deshalb galt Gerhard Bulczak immer auch als das soziale Gewissen der Stadt.

Neben seinen Bemühungen, den Jugendstrafvollzug human zu gestalten, engagierte sich der Verstorbene nach seinem Eintritt in den Ruhestand darüber hinaus beim Runden Tisch für Obdachlose, unterstützte seine Gattin Frauke beim Kinderhilfsverein „Akki“, betreute die Pensionäre der JA, war Vorsitzender des Stadtkatholikenausschusses und des Seniorenbeirats. 1993 wurde dieser Dienst am Nächsten mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt.

Um den passionierten Bergsteiger, zu dessen weiteren Hobbys auch Segeln und Kartenspielen gehörten, trauern seine Ehefrau, seine drei Kinder und seine drei Enkel. Die Trauerfeier findet am kommenden Mittwoch um 12.45 Uhr in St. Augustinus statt. Anschließend wird Bulczak auf dem Friedhof an der Deisterstraße beigesetzt.



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