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Hamelnerin findet aufgerissene Briefe im Abfalleimer / Dieb lässt „Visitenkarte“ am Tatort zurück

DPD-Zusteller lässt Post verschwinden

Hameln. Wenn das Thema nicht so ein ernstes wäre, könnte man glatt platzen vor Lachen, denn: In Afferde hat ein Post-Dieb quasi seine Visitenkarte am Tatort zurückgelassen. Er dürfte damit Anwärter auf den Titel des dümmsten Täters Deutschlands sein.

veröffentlicht am 23.06.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:26 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Reihe nach: Die Hamelnerin Carmen Eichhorst hatte einen Kollegen zur Bushaltestelle an der Breslauer Straße begleitet und im Wartehäuschen einen überquellenden Abfalleimer entdeckt. Darin lagen ein aufgerissener Briefumschlag mit einer Rechnung vom Finanzamt, eine Mitteilung eines Telefondienstleisters mitsamt einer freigeschalteten SIM-Karte, sechs Sendungen mit Katalogen und eine Tour-Liste, auf der der Name des DPD-Zustellers vermerkt war. Carmen Eichhorst traute ihren Augen kaum. Sie holte die weggeworfene Post aus dem Müll, nahm sie mit nach Hause und suchte sich die Telefonnummern derjenigen heraus, an die die Briefe adressiert worden waren. „Alle Personen, für die die Post bestimmt war, wohnen in Klein Berkel“, berichtet die 46-Jährige, die bei der Hamelner Bahnhofsmission arbeitet. Auch das Depot des DPD (Dynamic Parcel Distribution) in Lehrte rief sie an. Zwei Sendungen wurden kurz darauf von den Empfängern selbst, die übrigen sechs von einem DPD-Mitarbeiter abgeholt. Carmen Eichhorst ist empört: „Als ich die Post im Mülleimer gefunden habe, dachte ich: Das kann doch nicht wahr sein.“

Gehört hat sie nichts mehr vom DPD, „einem der „führenden Paket- und Express-Dienstleister“, der „Zuverlässigkeit und Effizienz garantiert“ – so die Eigenwerbung.

Eine Dewezet-Nachfrage bei dem Unternehmen ergab: Der Mann, der die Post lieber verschwinden ließ, als sie auszutragen, hat die Tat gestanden. Der 28-Jährige ist zwar ein offizieller DPD-Bote mit Uniform und Firmenfahrzeug, allerdings bei einem Vertragspartner angestellt. Er habe keinen plausiblen Grund für sein Handeln nennen können, sagt Peter Rey, PR-Referent beim DPD. „Das Verhalten des Mannes lässt sich nicht entschuldigen. So was darf nicht vorkommen. Der Vorfall ist absolut peinlich“, meint Rey. „Wir werden uns bei den betroffenen Kunden in aller Form entschuldigen und ihnen ein Präsent zukommen lassen.“ Auch bei der Finderin will sich das Unternehmen bedanken und erkenntlich zeigen. „Die Frau hat vorbildlich gehandelt.“

Unklar ist derzeit noch, wie viel Post im Abfall gelandet ist. Der DPD spricht von drei Sendungen, steht aber noch am Anfang seiner Nachforschungen. Fakt ist: Es muss mehr verschwunden sein, denn: Carmen Eichhorst hat ja schon acht Briefe und Kataloge aus dem Müll gefischt. Möglich, dass der Auslieferungsfahrer auch an anderen Stellen Post weggeworfen hat. „Die Tour-Liste stand auf einem DIN-A4-Blatt mit ziemlich vielen Adressen. Aber nur etwa fünf waren mit einem roten Stift abgehakt worden“, erinnert sich die Hamelnerin.

Auch das Motiv des jungen Zustellers ist noch unbekannt: Hatte er einfach keine Lust, die Post auszutragen? Oder hat er nach Geld gesucht? Der in Afferde gefundene Brief vom Finanzamt war jedenfalls aufgerissen, und das Schreiben mit der SIM-Karte steckte nicht mehr in einem Umschlag. Nach Angaben von Carmen Eichhorst lag in dem Abfalleimer definitiv kein leeres Kuvert. Es könnte natürlich sein, dass jemand anderes die fortgeworfene Post gefunden und geöffnet hat.

DPD-Sprecher Rey ist um Schadensbegrenzung bemüht: „Weit mehr als 90 Prozent der Fracht an Bord unserer Fahrzeuge machen Pakete aus. Die kann man nicht beiseiteschaffen. Nur ein kleiner Anteil der Sendungen sind Briefe.“

Für den Post-Dieb werde der Fall Konsequenzen haben, sagt Rey. Welche das sind, konnte der Sprecher noch nicht sagen. Ob die Polizei eingeschaltet wurde, ist der Redaktion nicht bekannt.

Eine 62-Jährige aus Klein Berkel wartet bereits seit einer Woche auf ihren Reisekatalog. Auch er war von dem Zusteller in den Müll geworfen und später einem DPD-Mitarbeiter aus Lehrte übergeben worden. „Ich frage mich, warum diese Sendung nicht erneut ausgetragen wird“, sagt die Frau gestern. „Vermutlich haben die den Katalog einfach in einem anderen Abfalleimer entsorgt.“

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