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Der Stadt sind die Hände gebunden – auch, weil ein Denkmalschützer fehlt

Domeierhaus: Durchlöchert und abrissreif

HAMELN. Ein nur wenige Zentimeter breites Lochband aus Blech sichert Teile der Fassade ab, das Hinterhaus ist abrissreif: Das Domeierhaus, einst eines der prächtigsten Häuser in der Hamelner Altstadt, verfällt immer mehr. Doch der Stadt sind die Hände gebunden, weil sich das Haus in Privatbesitz befindet.

veröffentlicht am 25.02.2018 um 12:00 Uhr
aktualisiert am 25.02.2018 um 18:50 Uhr

Gibt ein trauriges Bild an der Ecke Neue Marktstraße/Kleine Straße ab: das Domeierhaus. Foto: ww
Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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In der Kleinen Straße in Hameln tut sich was: Das Fachwerkhaus mit der Nummer 7, in dem früher einmal das „Blumen Land“ zu Hause war, wird inzwischen bereits seit sechs Jahren in liebevoller Kleinarbeit von Familie Danielsen restauriert. Vergangenen Sommer entdeckten die Danielsens unter dem Haus einen Hohlraum, begannen im Herbst, erst einen, schließlich im Januar einen zweiten Keller auszuheben und nach und nach freizulegen. Auch wenn die Arbeiten mühsam sind und nur langsam vorangehen: In den nächsten ein bis zwei Jahren will die Familie das Haus teilweise bewohnbar machen (wir berichteten). Ein Stück weiter die Straße hinauf wird auch das Fachwerkhaus mit der Nummer 17 umgebaut: Nachdem der „Altstadt Juwelier“ sein Geschäft geschlossen hat, arbeiten derzeit jeden Tag Handwerker im Haus, haben anstelle des Schaufensters zwei normale Fenster eingebaut, auch der Innenausbau geht voran.

Ernüchterung dann am Ende der Straße. Im Domeierhaus, direkt an der Ecke Neue Marktstraße, tut sich seit vielen Jahren: nichts. Das Haus verfällt immer mehr, obwohl es in der Vergangenheit immer mal wieder Lichtblicke gab: 2011 kaufte ein junger Mann für „einen Preis zwischen 25 000 und 50 000 Euro“ das baufällige Gebäude, wollte „bis Weihnachten 2011 hier eingezogen sein“, auch für den alten Laden im Erdgeschoss hatte er bereits Pläne – aus denen dann allerdings nichts wurde. „Seitdem hat sich an den Eigentumsverhältnissen nach unseren Kenntnissen nichts verändert“, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. 2014 gab es dann neue Hoffnung: Der Rat beschloss damals einstimmig, die Stadt sollte mit den Eigentümern des Gebäudes Gespräche führen und dabei auf Fördermöglichkeiten bei der Sanierung hinweisen.

Die Stadt Hameln nämlich hatte die Aufnahme in das vom Land initiierte Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ beantragt. Doch die Eigentümer zeigten kein Interesse, lehnten einen Zuschuss ab – und zwingen kann man sie zu Erhaltungsmaßnahmen nicht, wenn diese wirtschaftlich unzumutbar sind, so steht es im Gesetz.

Durch zahlreiche Löcher in der Fassade kann man problemlos in das Innere des Hauses blicken. Foto: ww
  • Durch zahlreiche Löcher in der Fassade kann man problemlos in das Innere des Hauses blicken. Foto: ww
Ein nur wenige Zentimeter breites Lochband aus Blech sichert Teile der Fassade vor dem Herabstürzen auf den Gehweg. Foto: ww
  • Ein nur wenige Zentimeter breites Lochband aus Blech sichert Teile der Fassade vor dem Herabstürzen auf den Gehweg. Foto: ww

Der Stadt Hameln als Untere Dankmalschutzbehörde sind beim Domeierhaus also – auch weiterhin – die Hände gebunden. Denn: „Das Haus befindet sich in Privatbesitz, sodass der Eigentümer für das Objekt verantwortlich ist“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Hamelns damaliger Denkmalpfleger Michael Voss habe das Gebäude in den vergangenen Jahren aber mehrfach besichtigen und sich von der Bausubstanz ein Bild machen können. Bislang sei die tragende Konstruktion des Hauses noch „ganz ordentlich“, sagte Voss im letzten Sommer – obwohl zahlreiche Löcher in der Fassade, durch die man problemlos in das Innere des Hauses blicken kann, sowie eine eigenwillige Konstruktion mit nur wenige Zentimeter breitem Lochband aus Blech, das Teile der Fassade vor dem Herabstürzen auf den Gehweg sichern soll, anderes vermuten lassen.

2012 sei nach Aufforderung durch die Bauaufsicht eine statische Sicherung der Rückseite des Domeierhauses erfolgt. auch vermutete Voss noch im letzten Sommer, das inzwischen mit einem Gerüst versehene Hinterhaus sei abrissreif. „2015 wurden weitere Sicherungsmaßnahmen der Fassade angeordnet und auch durchgeführt“, heißt es aus dem Rathaus. Zuletzt habe ein Dachdecker 2016 das Dach überprüft. Auch hier sei anschließend eine nicht näher erläuterte „Sicherungsmaßnahme durchgeführt“ worden, so die Stadt Hameln.

Um eine Gefährdung von Fußgängern auszuschließen, kontrolliere die Stadt das Gebäude regelmäßig – in ihre Zuständigkeit fällt es, darauf zu achten hat, dass von dem Haus keine Gefahren für die Öffentlichkeit ausgehen. Erst bei drohender Gefahr aber kann sie wirklich einschreiten und zum Beispiel Sicherungsmaßnahmen anordnen – oder diese selbst durchführen und dem Eigentümer anschließend die Rechnung präsentieren. Aber: Seit Dezember ist die zuständige Stelle bei der Stadt Hameln vakant, bislang konnte kein neuer Denkmalschützer gefunden werden. Die Stelle wurde erneut ausgeschrieben. Solange der Stadt also ein Experte fehlt, wird sie durch den Landkreis Hameln-Pyrmont unterstützt. „Vor diesem Hintergrund können nicht alle Themen in der bisherigen Intensität verfolgt werden“, teilt das Rathaus auf Anfrage mit.



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