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Erst brannte die Wohnung, dann starb der Mann / Frau aus dem Kongo hat drei Kinder mit Leukämie

Dieses Schicksal reicht für mehr als ein Leben

Von Christa Koch

veröffentlicht am 03.02.2009 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 13:41 Uhr

Teilen ein schweres Schicksal: Stephi, Patricia, Mike, Mutter Su
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Afferde. Wenn es stimmt, dass Gott den prüft, den er liebt, dann muss er Susi Mbokolanzi wohl ganz besonders lieb haben. Denn was die Kongolesin, die seit zwölf Jahren in Deutschland lebt, bisher erdulden und ertragen musste, das reicht ganz sicher für mehr als ein Leben. Und Susi Mbokolanzi braucht dringend Hilfe. Braucht für sich und ihre sechs Kinder – drei von ihnen sind leukämiekrank – vor allem eine andere Wohnung.

Eine Tochter scheint

schwer traumatisiert

Mit Patrick (23), Patricia (17), Stephi (12), Mathy (15), Steve (10) und Mike (8) wohnt die 43-jährige Witwe derzeit noch relativ beengt in der Hildesheimer Straße in Afferde. In genau der Wohnung, in der erst vor kurzer Zeit ihr Mann starb, ein Kleingewerbetreibender. Die 15-jährige Tochter Mathy hat das genauso miterlebt wie ihre Geschwister. Und hat das ebenso wenig verkraftet wie die Brandstiftung, durch die vor vier Jahren die alte Wohnung der Familie – damals noch in der Deisterstraße in Hameln – vernichtet wurde. Das Mädchen war als letzte aus der Familie noch im lichterloh brennenden Gebäude und ist augenscheinlich schwer traumatisiert. „Meine Noten gehen den Bach runter durch den ganzen Stress“, klagt das krebskranke, verschüchtert wirkende Kind.

Die kleinen Brüder Steve und Mike – beide besuchen in Afferde die Grundschule – gehen etwas lockerer mit der Krankheit um. Beide leiden wie die größere Schwester unter einer sogenannten Sichelzellenanämie, einer Erbkrankheit, die vor allem in Afrika und bei der afrikanischstämmigen Bevölkerung der USA vorkommt. Meist haben solche Patienten nur eine relativ geringe Lebenserwartung; ihre Ärztin bezeichnet die Kinder als „todkrank“.

Im Alltag müssen alle mit anpacken, der älteste Sohn Patrick (li
  • Im Alltag müssen alle mit anpacken, der älteste Sohn Patrick (li.) hat nach dem plötzlichen Tod des Vaters die Rolle des Familienoberhaupts übernommen.

An der Medizinischen Hochschule in Hannover haben alle drei bereits eine Knochenmarktransplantation bekommen, gewonnen aus Spenden innerhalb der Familie. Eine weitere, für die noch Spender gesucht werden, wird in ein bis zwei Jahren auf jeden Fall bei Mike nötig sein. Und dafür wird möglicherweise ein Fremdspender gebraucht – typisieren lassen kann man sich übrigens auch bei entsprechenden Aktionen im Kreiskrankenhaus an der Weser in Hameln.

Derzeit bekommen Mathy und Mike eine Chemotherapie an der MHH, vorerst drei Mal pro Woche. „Es geht so“, antworten sie, nach ihrem Befinden befragt. Weitere Medikamente verabreicht Mutter Susi ihren Kindern selbst. „Sie ist eine außerordentlich gute Mutter und sehr verlässlich“, bescheinigt ihr Detlef Klein, ein Mitarbeiter der Hildesheimer EFES gGmbH, ein freier Träger, der im Auftrag des Jugendamtes des Landkreises Hameln-Pyrmont der Familie zur Seite steht.

Aber das Leben mit drei krebskranken Kindern zerrt an Susis Nerven. Hinzu kam lange Zeit auch eine drängende finanzielle Not. „Zunächst galt es, den Nachlass des verstorbenen Ehemannes zu regeln, etwaige Gläubiger zu befriedigen. Und weil die Frau trotz Aufenthaltserlaubnis nicht arbeitet, wurde ihr das Kindergeld gestrichen. Da hatte die Familie plötzlich rund 800 Euro weniger zum Leben im Monat“, sagt Klein. Doch Susi Mbokolanzi kann nicht arbeiten – die psychische Belastung scheint ihr langsam über den Kopf zu wachsen. Bei jedem Satz kämpft sie mit den Tränen, auch wenn sie wegen der Kinder versucht, das Weinen tapfer zu unterdrücken.

Christengemeinde

stärkt die Witwe

Nachdem Klein sich durch den Behördendschungel gekämpft hatte, konnte immerhin erreicht werden, dass jetzt das Job-Center die fehlende Summe Kindergeld übernimmt. Die evangelische Christengemeinde in der Sandstraße in Hameln, in der sich die junge Witwe engagiert, lässt ihr Unterstützung zuteilwerden, stärkt sie, wenn sie die Kraft zu verlassen droht und der schwierige Alltag ohne Mann sie überwältigt. Auch mit den Mitschülern gibt’s offenbar keine Probleme, wie vor allem die Mädchen – Stephi besucht die Sertürner-Realschule, Patricia und Mathy gehen zur Pestalozzischule in Hameln – bestätigen.

Ältester Sohn zog

wieder zu Hause ein

Besonders der 23-jährige Patrick – er heißt genauso wie sein verstorbener Vater und war bereits zu Hause ausgezogen – hilft, wo er kann, hat quasi die Stelle eines Familienoberhaupts eingenommen. Seine Deutschkenntnisse kommen ihm dabei zugute; er dolmetscht, wenn der Mutter mal ein Wort fehlt oder die kleinen Geschwister sich nicht trauen, obwohl Deutsch inzwischen ebenfalls ihre Muttersprache ist.

Aber eine neue Wohnung, die den Rest der Familie die dramatischen Geschehnisse der Vergangenheit vergessen lässt und das Zusammenleben mit drei krebskranken Kindern erleichtert – die können weder Patrick noch Detlef Klein aus dem Ärmel schütteln. Wer der Familie Mbokolanzi helfen und entsprechenden Wohnraum zur Verfügung stellen möchte, kann sich unter Telefon 05151/ 9629001 melden.



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