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Gerda und Albert Niehus feiern heute Gnadenhochzeit / Ihr Tipp für andere Paare: „Durchhalten“

Dieses Hamelner Paar ist 70 Jahre verheiratet

HAMELN. „Da müssen wir jetzt durch“, sagt Albert Niehus. Er und seine Frau Gerda feiern heute ihre „Gnadenhochzeit“. Seit 70 Jahren sind die beiden verheiratet. Und sie wollen sich auch für den Rest ihres Lebens nie mehr trennen. Das haben sie einander erneut versprochen, als Gerda Niehus mit zwei gebrochenen Halswirbeln im Krankenhaus lag und eine lange Reha folgte. Die Ärzte hatten sie nach einem Sturz schon aufgegeben, doch sie berappelte sich.

veröffentlicht am 08.08.2017 um 06:30 Uhr
aktualisiert am 08.08.2017 um 10:10 Uhr

Gerda und Albert Niehus feiern heute Gnadenhochzeit. Foto: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Als seine Frau nach Hause kam, verkaufte Albert Niehus das Haus in Groß Berkel ohne lang zu überlegen und suchte eine altersgerechte Wohnung in Wangelist. Seine Frau braucht immer noch sehr viel Hilfe. Was er selbst leisten kann, erledigt Albert. Er kocht und fährt sogar noch selbst mit dem Auto zum Einkaufen. Früher hatte er einen verantwortungsvollen Posten bei der Hamelner Firma Sinram und Wendt, die er nach dem Krieg mit aufgebaut hat.

„Meine Frau war eine perfekte Hausfrau – und wirtschaften konnte sie.“ Dafür habe er sie immer am meisten bewundert, sagt Albert. „Er hat mich immer gut versorgt“, sagt Gerda.

Das Praktische spielt eine nicht ganz unbedeutende Rolle in der langen Geschichte ihrer Liebe. „Wir waren 20 bis 25 junge Leute und haben uns immer am Bahnhof in Groß Berkel getroffen, wir hatten keinen anderen Ort,“ erzählt Albert. Dort traf er Gerda. Irgendwann hatte jemand die Idee, zur allgemeinen Unterhaltung Theaterstücke einzuüben. Ein Glanzstück war „Das Lorle vom Schwarzwald“ – mit Gerda und Albert in den Hauptrollen. Sie rührten das Publikum zu Tränen. „Das hat uns näher gebracht“, sagt Albert Niehus. Doch verliebt waren sie nicht. Es funkte erst, nachdem sich die beiden spontan verlobten – alles nur, um eine Party im Jahr 1946 zu retten. Damals waren Tanzabende nämlich verboten, nur angemeldete Familienfeiern erlaubte die britische Besatzungsmacht. Dem Tanzabend der Theatergruppe im Gasthaus Römer drohte also der Garaus, als der Bürgermeister mit der Militärpolizei vor der Tür stand. Gerda und Albert überlegten nicht lange, zogen geliehene Ringe auf die Finger und behaupteten, sie würden ihre Verlobung feiern.

Vor 70 Jahren feierten Albert und Gerda Niehus Hochzeit. Trennung kam für die beiden nie infrage. Foto: pr
  • Vor 70 Jahren feierten Albert und Gerda Niehus Hochzeit. Trennung kam für die beiden nie infrage. Foto: pr

Abgenommen hat es der Bürgermeister den beiden nicht. Sie mussten am nächsten Morgen erneut Rede und Antwort stehen. Drei volle Din-A-4-Seiten ergab die Befragung. Warum Eltern und Geschwister nicht eingeladen waren, wollte die Obrigkeit wissen. „Die Familienfeier wird nachgeholt“, antwortete Albert Niehus schlagfertig. Die beiden blieben dabei, verlobt zu sein. Ein paar Wochen wollten sie das Spiel eigentlich nur spielen. Zum Beweis kauften sie billige Aluminiumringe.

Aus Wochen wurden 70 Jahre. „Die Liebe kam später“, sagt Albert Niehus. Mit ihr zwei Söhne, später drei Enkel und vier Urenkel. „Wir hatten eine Verflechtung, wie sie heute selten ist“, sagt Niehus. Klar, die Ehe habe Höhen und Tiefen gehabt. „Davon blieben wir nicht verschont, sagt der 92-Jährige, „aber wir haben durchgehalten.“

Danach gefragt, was er jungen Paaren heute mitgeben würde, rät er genau das: Durchhalten. Die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen, wenn es mal schwierig wird. Für Gerda und Albert Niehus kam eine Trennung nie infrage. „Wir hatten Verantwortung füreinander und für unsere Kinder“, sagt er.

Heute wird das Paar einen ausgefüllten Tag haben. Um 11 Uhr kommen Bürgermeister Thomas Meyer-Hermann und der Pastor zum offiziellen Sektfrühstück. Insgesamt 17 Gnadenhochzeiten gab es von 2012 bis heute in Hameln.

Abends feiert Familie Niehus in Egge im Gasthaus Specht mit Freunden weiter. „Da müssen wir durch“, sagt Albert Niehus wieder. Dass es so viel Aufregung um das Gnadenhochzeitspaar gibt, hätte er nicht gedacht. Sogar der Bundespräsident habe geschrieben, sagt er und schüttelt den Kopf.

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