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Viele Wörter aus fast vergessener Mundart

Dieses Abc kennen nur Hamelner

HAMELN. Focken, Trecke, pimpern … Das sind Wörter, die es mit ihren jeweiligen besonderen Bedeutungen so wohl nur in Hameln gibt. Unsere Suche nach Hamelner Begriffen und Redewendungen hatte bereits einiges zutagegefördert. Doch die Suche ging weiter. Auf unseren Aufruf an die Hamelner, uns mit weiteren ureigenen Hamelner Wörtern zu versorgen, haben zahlreiche Leser reagiert. Sie riefen uns an oder schrieben uns, um ihr Wissen dankenswerterweise mit uns zu teilen. Ein kleines Hamelnsches Abc.

veröffentlicht am 14.03.2019 um 18:46 Uhr
aktualisiert am 14.03.2019 um 20:40 Uhr

Bei der Suche nach Hamelner Wörtern kommt was zusammen. Grafik: Wordeart/N. Trodler
Philipp Killmann

Autor

Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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  • Antrecken: anziehen
  • auf: Redewendung im Sinne von „auf’m BHW arbeiten“ oder „auf der Stadt arbeiten“ statt „bei“.
  • Braken: langes dünnes Geäst, um die Erbsen im Garten daran hochranken zu lassen
  • von butten rinn: von draußen rein.
  • Capi: Kino
  • Donnerbalken: Plumpsklo
  • Enkel: kein Mensch, sondern Knöchel am Fuß.
  • Flötjepiepen!: „Na ja, das denkst aber nur du!“
  • Gammelbank:einstigen Bänke vor Hochzeitshausterrasse.
  • Gatze: Feuergatzen, Gassen, damit Feuer gelöscht werden kann, damals noch mit Ledereimern; schmaler Zwischenraum zwischen zwei Häusern.
  • getze: jetzt
  • Gleisdreieck: Spielplatz zwischen Dr.-Winter-Straße und Ellerbrook.
  • Gotenschieter: Gossenscheißer
  • Grepe: Mistgabel
  • Günsche: Ausgussform oben an der Kaffeekanne
  • Haahnejökelaie: Dummes Zeug reden; Lass die Haahnjökelaie!
  • Husche: kleiner Regenschauer
  • Jümmers: immer
  • Kitern: verschütten?
  • Klamottenmeile: Osterstraße
  • Klumperquatsch: etwas Wertloses; auch: Klumpatsch
  • knickern: Tonkugeln
  • zum Kösters Kampe kommen!: Beerdigung
  • Lichtefittjen: Bruder Leichtfuß
  • Lakktralittchen: Damenlackschuhe
  • lusten: Lust haben
  • Meke: Regenwürmer, „Der hört die Meke bölken“ – Der hört die Regenwürmer schreien (Der hört ja das Gras wachsen!).
  • Nachtjackenviertel: Luisenstraße
  • Pimpern: Spiel mit Geldmünzen; auch: Murmelspiel – und: „pimpern“.
  • pinkern: Murmelspiel
  • plörren: verschütten, von Plörre
  • Proppentrekker: Korkenzieher
  • Ölf: elf
  • Ritten-ratten: Die Ritten-ratten reiten auf den Fensterlatten; auch: Rippen-Rappen.
  • Rejellität, rejell: Aufrichtigkeit, aufrecht, reel – aus „Dat Hamelnsche ABC“.
  • Säckeln: murmeln
  • Schapp: Schrank
  • Schleif: großer Holzkochlöffel, mit dem es auch schon mal den Hintern verrömert gab, wenn man etwas ausgefressen hatte.
  • Frau Schlumsenmeier: Bezeichnung für Frau, deren Namen man vergessen hat.
  • Smökeprüül: Kettenraucher
  • Spricker: dünnes Holz zum Feuer anmachen.
  • stippen: angeln; unter Anglern eine bestimmte Angelart.
  • Tebe: Name für Hund, wenn man ihn ausschimpfte.
  • Teewe: Hund
  • Tekebock: wenn der Hund Flöhe hat; auch: Zecken.
  • Tommyberge: Britengelände oberhalb des Reimerdeskamps.
  • Trecke: Schublade im Schrank
  • Überhohpt: überhaupt
  • Utlucht: Vorsprung seitlich der Häuser
  • Verrömern: verhauen
  • wimsen: prügeln; auch: verwimsen, wemsen.

Ein paar der Wörter, die unsere Leser an uns herangetragen haben, finden sich in einem kleinen Büchlein mit dem Titel „Dat Hamelnsche Abc“ wieder, erschienen 1984 im Verlag CW Niemeyer – aber längst nicht alle. Schließlich haben sich seitdem mit Wörtern wie etwa „Promme“ (Promenade) ja sogar neue Wörter gebildet. In dem Buch haben die beiden Autoren Friedrich Heinrich Lampe und Fiffi Voß ihr Augenmerk vor allem auf das Hamelner Platt gerichtet. Es stellt gewissermaßen ein offizielles Hamelnsches ABC dar. Für das schöne Wort „Rejellität“ haben wir uns an diesem Buch bedient. Ferner ist aus dem Buch zu erfahren, dass die Hamelner das „A“ aussprechen, wie niemand sonst. Seine eigentümliche Aussprache sei angeboren und könne nicht erlernt werden. „Phonetisch“ sei es „nicht fixierbar“, aber ein richtiger Hamelner sei eben gerade an diesem „A“ in der ganzen Welt erkennbar, heißt es in dem Buch.

Damals, Anfang der 80er Jahre, wurde von manchem noch die Hoffnung gehegt, das Hamelner Platt vor dem Aussterben zu bewahren. Einer davon war Dr. Walter-Dieter Kock, seinerzeit Oberbürgermeister der Stadt Hameln. „Das Verdienst der Autoren liegt vor allem in der glücklichen Verbindung ihres Anliegens, die Mundart unserer Stadt Hameln lebendig zu erhalten“, schrieb Kock – der sich selbst im Übrigen als „alten Hamelner“ sah und die umstrittene Bezeichnung Hamelenser weder mochte noch zur alten Mundart zählte – hoffnungsvoll im Vorwort des Buchs, das er als „die erste schriftliche Fixierung des Hamelner ,Gotenschieterplatt‘ samt Wörterverzeichnis und Grammatik“ bezeichnet.

„Gotenschieterplatt“ also. Was das nun wieder heißt? Denn in dem Buch über „dat Hamelnsche Platt“ findet sich ausgerechnet darüber keine Auskunft. „Wir wollten das damals nicht schreiben“, sagt Fiffi Voß auf Anfrage der Dewezet. Heute nennt er das Kind beim Namen. „Gotenschieter heißt Gossenscheißer“, sagt Voß und lacht.

Als Gotenschieter, klärt der langjährige Plattdeutsch-Kolumnist der Dewezet auf, wurden früher die Straßenreiniger bezeichnet, die kein hohes Ansehen genossen. Und da das Platt von der Hamelner Oberschicht belächelt worden sei, habe sich daraus die Bezeichnung Gotenschieterplatt ergeben.



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