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Wochenlang waren sie heiß begehrt – jetzt liegen die Impfdosen gegen Schweinegrippe auf Halde

Diesen Stoff will zurzeit kaum einer haben

Hameln. Der Run ist vorbei. Plötzlich und unerwartet. Das Angebot ist viel größer als die Nachfrage. Vor 14 Tagen war das noch ganz anders. Da wollten sich sehr viele Menschen gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Erstmals hat die Weser-Apotheke in Emmerthal, eine der fünf Pandemie-Impfstoff-Bezugsapotheken (Piba) im Landkreis Hameln-Pyrmont, mehr als genug Impfdosen auf Lager. „In dieser Woche haben wir noch gar keine Bestellung ’reinbekommen“, sagt Apothekerin Melanie Walther. Vorbei die Zeit, als die Piba-Apotheken den knappen Impfstoff gegen die Neue Grippe kontingentieren mussten. Die Arztpraxen erhielten nicht die Menge, die sie angefordert hatten. „Pro Woche haben wir einen Karton mit 500 Impfdosen erhalten – und das bei einer Nachfrage von 1000 bis 1100“, sagt die Apothekerin. Aber das ist, wie gesagt, zurzeit Geschichte.

veröffentlicht am 15.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 23:41 Uhr

Apothekerin Melanie Walther füllt eine Kühlbox. Fotos: Dana

Autor:

Ulrich Behmann
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Ärzte können sich nicht erklären, warum sich das Blatt gewendet hat. „Medizinisch hat sich nichts geändert an der Situation, nur psychologisch“, sagt der Vorsitzende des Ärztevereins Hameln, Dr. Ronald Lücke – und wagt einen Erklärungsversuch: „In der Vorweihnachtszeit, wo jeder an das Fest und an Geschenke denkt, ist das Thema Schweinegrippe womöglich aus den Köpfen verschwunden.“ Derzeit seien Magen- und Darmerkrankungen auf dem Vormarsch. Wer daran laboriert, will und kann sich nicht impfen lassen.

Auch andere Hausärzte melden: „Entspannung an der Front.“ In der Gemeinschaftspraxis von Dr. Ronald Lücke und Dr. Jana Meyer gibt es keine Warteliste mehr. „Wir haben jetzt ein ganz anderes Problem. Wenn jemand geimpft werden möchte, müssen wir versuchen, neun weitere Personen zu finden, die das auch wollen. Denn in der kleinsten Einheit befinden sich immer zehn Einzeldosen. Und die müssen sofort verimpft werden.“

Dass zu viel Impfstoff auf dem Markt ist, liegt wohl auch daran, dass – anders als zunächst erwartet – eine Impfung ausreicht. Zunächst waren die Experten von einer Zweifach-Impfung ausgegangen. „Auch das reduziert den Bedarf in den Praxen“, sagt Apotheker Peter Risel.

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Impfzubehör: Spritzen und Kanülen werden vorbereitet.

Fünf von 31 Apotheken im Landkreis versorgen alle Praxen mit Impfstoff. Landesweit gab es mehr Bewerber, als benötigt wurden. Das Los entschied. Am Geld kann es nicht liegen, dass sich die Apotheker um den Job rissen. Sie erhalten pro Impfung eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 48 Cent inklusive Mehrwertsteuer. Dafür müssen die Apotheker jede Menge Papierkram (Dokumentation) erledigen, die Ware kühl lagern, sortieren und von Boten verteilen lassen. Anfangs war der Beratungsbedarf zudem sehr groß. Die Piba-Apotheker mussten zahlreiche Anfragen von Impfärzten beantworten. „Für uns ist das eine Serviceleistung und keine Frage des Geldes“, sagt Apothekerin Birgit Köpps-Padberg, die für ihre Kollegen in Hameln und Umgebung spricht. „Wir haben gezeigt, dass man sich auch in Krisenzeiten auf die Apotheke in der Nachbarschaft verlassen kann.“

Die Zahl der Neuerkrankungen geht zurück: Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt hat bisher 17 794 Menschen registriert, die an der Neuen Influenza erkrankt sind. In der 49. Kalenderwoche wurden 689 Fälle gemeldet. Drei Wochen zuvor waren es mit 4538 Infektionen so viele wie noch nie. „Die Krankheitszahlen sinken kontinuierlich“, stellt Heinke Traeger vom Gesundheitsministerium in Hannover fest. Im Landkreis Hameln-Pyrmont wurden bislang 756 Fälle labor- und klinisch-epidemiologisch bestätigt. Doch die Dunkelziffer ist hoch.

Das Robert-Koch-Institut hat bundesweit bis zum 8. Dezember 94 Todesfälle registriert. Gefährdet seien besonders Menschen, die Risikofaktoren mitbringen. 88 Prozent der Verstorbenen galten als Risikopatienten, die im Falle einer Erkrankung eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen schwereren Verlauf hatten. In Niedersachsen hat es bislang 15 Todesfälle gegeben, die nachweislich im Zusammenhang mit dem H1N1-Virus standen.

Das Gesundheitsamt des Landkreises Hameln-Pyrmont rät den Bürgern nach wie vor, sich impfen zu lassen. Das sei „wichtig und nötig“, heißt es. Und: „Es ist zu befürchten, dass es im Verlauf dieses Winters zu einem erneuten Anstieg der Infektionen kommen wird.“

Der Impfstoff Pandemrix sei im allgemeinen „gut verträglich“, so Amtsarzt Dr. Rolf Fleischer.



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