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Treser-Club stellt automobile Schätzchen aus / Ex-Konstrukteur: Neuerungen brauchen Jahre, bis sie Standard sind

Diesen Sportwagen gibt es nur einmal auf der Welt

Von Matthias Rohde

veröffentlicht am 27.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 11:41 Uhr

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Hameln. „Da ist ja sogar ein Navi drin“, entfährt es Waltraut Brössmann. Just hat sie auf dem Fahrersitz eines Sportwagens Platz genommen. Dass sie in einem weltweit einmaligen Fahrzeug sitzt, ist ihr gar nicht bewusst. „Ja, so ein Sportwagen, der würde mir auch gefallen – wenn man ihn sich leisten könnte“, sagt sie und reibt beim Aussteigen Daumen und Zeigefinger aneinander. „So um die 35 000 Euro würde dieses Auto heute kosten“, schätzt Walter Treser. 1999 bereits habe er als Abteilungschef der Vorentwicklung bei Opel die noch bis zum 2. Mai im Erdgeschoss der Stadt-Galerie zu besichtigende Konzeptstudie entwickelt. Insgesamt fünf Fahrzeuge sind zu bestaunen. Vor allem die Älteren haben es der Emmerthalerin Waltraut Brössmann angetan. „Es ist schon erstaunlich, wie gut diese alten Autos noch in Schuss sind“, stellt sie fest.

Neben der Konzeptstudie stößt auch die zweite Leihgabe des Rüsselsheimer Automobilunternehmens bei den Besuchern auf besonderes Interesse. „So wie der Ascona hier steht, wurde er 1979 nach dem Gewinn der Rallye-Europameisterschaft abgestellt“, erklärt Treser. „Das waren noch Autos“, meint ein Besucher und bekennt: „Acht habe ich davon gehabt.“ Ein letzter, fast sehnsüchtiger Blick, dann eilt er weiter. Zusätzlich sind noch ein Treser TR1 da, ein BMW Alpina, von dem es nur noch rund 80 Stück in Deutschland gibt und ein Volvo 120, von dem Walter Treser sagt: „Wie in Deutschland der Käfer, war der Volvo 120 in Schweden ein Volksauto.“

Aufsehen erregt bei den Schaulustigen auch der G 100, der „ökologische Sportwagen“. Ziel sei es damals gewesen, erinnert sich Treser, entgegen der vorherrschenden Meinung, Sparsamkeit sei nur durch Verzicht zu erzielen, ein Auto zu entwickeln, das die klassischen sportlichen Eigenschaften aufweist und dabei nur 100 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer produziere: Der G 100 braucht rund vier Liter Sprit auf 100 Kilometer, hat 115 PS und fährt 210 Stundenkilometer schnell. Erzielt habe man diese Werte vor allem durch eine leichte und aerodynamische Bauweise. Gerd Buse nimmt an diesem Morgen den „Ökoflitzer“ in dem Einkaufszentrum genauer unter die Lupe. „Ich habe selbst bis vor Kurzem einen Audi Coupé gefahren, und mein Jetta war auch eher ein Sportwagen“, sagt er. Der Hamelner Rentner interessiert sich ganz besonders für Fahrzeuge, die neu auf den Markt kommen; deshalb sei er Stammgast des jährlichen Genfer Auto-Salons, aber: „Wenn hier quasi vor meiner Haustür ein solches Auto gezeigt wird, dann bin ich natürlich da.“ Erstaunt ist Buse, dass es schon 1999 Sportwagen mit einem derart geringen Verbrauch gab, heute aber immer noch nur ganz wenige Fahrzeuge ähnlich wenig Kohlendioxid ausstoßen. Treser wundert das hingegen nicht. „Bis ein Fahrzeug in die Serienproduktion geht, braucht es zwischen fünf und zehn Jahren Entwicklungszeit“, erläutert er. Und selbst, wenn ein Fahrzeug die Serienreife erlange, bedeute das nicht automatisch, dass ein solches Auto auch produziert werde. Denn entscheidend seien die Vorgaben des Marktes. So gebe es derzeit zum Beispiel Autos, die mit dem G 100 vergleichbar seien, aber für rund 25 000 Euro sehr viel günstiger zu haben seien. Auf die Frage, ob es ihm als Leiter einer Kreativabteilung nicht schwergefallen sei mitanzusehen, dass das von ihm und seinem Team entwickelte Fahrzeuge nicht gebaut wurde, antwortet Treser gelassen: „Nein. In der Vorentwicklungsphase geht es vor allem darum, Impulse zu setzen, den Markt zu sondieren und im eigenen Unternehmen Überzeugungsarbeit zu leisten.“

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Außerdem fänden sich einzelne Komponenten, die er entwickelt habe, auch an heutigen Fahrzeugen wieder. So zum Beispiel die „Schublade“ für Fahrräder beim Opel Meriva.

Treser ist sich sicher: Sparsame Autos, auch Sportwagen, sind keine bloße Vision, es wird sie geben, und das in absehbarer Zeit. Im Hinblick auf die Diskussion über Elektroautos meint der Fahrzeugentwickler: „Die Technologie ist noch nicht soweit. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis für alle den Elektroantrieb betreffenden Bereiche schlüssige Konzepte vorliegen.“

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