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Privatvermögen für den guten Zweck – ein Überblick

Diese Stiftungen verwaltet die Stadt

HAMELN. „Wer reich stirbt, stirbt in Schande“, schrieb der amerikanische Stahlunternehmer und Wohltäter Andrew Carnegie 1889. Er war seinerzeit einer der reichsten Männer der Welt und brachte noch vor seinem Tod einen beträchtlichen Teil seines gewaltigen Vermögens für Bibliotheken, Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, Friedensaktivisten oder Helden des Alltags unters Volk. Wer keine Erben hat, aber sein Vermögen sinnvoll angelegt wissen möchte, kann sich wie Carnegie mit Stiftungen selbst ein Denkmal setzen. Die Stadt Hameln betreut elf Stiftungen: Eine Übersicht.

veröffentlicht am 06.06.2017 um 08:31 Uhr
aktualisiert am 06.06.2017 um 12:00 Uhr

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Michael Zimmermann

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Das dort eingesetzte Vermögen dient jeweils einem ganz bestimmten Zweck. Tausende Stiftungen werden jährlich in Deutschland gegründet – ob aus Streben nach Anerkennung, Nächstenliebe oder dem Wunsch, die Gesellschaft mitzugestalten.

Die Stadt Hameln betreut elf Stiftungen, neun davon sind sogenannte „unselbstständige Stiftungen“, die im städtischen Haushalt als „Sondervermögen“ ausgewiesen werden. Die in der folgenden Übersicht angegebenen Vermögenswerte spiegeln den Stand der bisher geprüften Jahresabschlüsse zum 31. Dezember 2010 wider. Die erwarteten Ergebnisse – also das, was die Stiftungen ausschütten können – stammen aus dem Haushaltsentwurf für 2017:

+++ Stiftung +++

STIFTUNG JAKOBINENGROSCHEN:
Nachdem seine Frau Jakobine verstorben war, gründete der Lehrer Wilhelm Homeyer die Stiftung, sammelte bei Veranstaltungen Geldspenden und gab diese bei der Stadt ab. Die Einkünfte aus dem Vermögen sollen seit 1991 den Schülern der Jugendmusikschule zugutekommen, die entweder wegen guter Leistungen oder aus finanziellen Gründen förderbedürftig sind. Jedes Jahr sollen mehrere Schüler mit mindestens 50 Euro unterstützt werden.
Vermögensstand 2010: 62 059,46 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 0,00 Euro


ST. SPIRITUS und BEGUINENHOF:
Beide Stiftungen stammen aus der Zeit des Mittelalters. Der Beg(u)inenhof entstand aus einer Genossenschaft geistlicher Frauen, die Kranke versorgten. Nach der Reformation entstand ein Heim für verarmte Frauen. Die Stiftung St. Spiritus war ein Armenhaus, das Bedürftigen Unterkunft und Betreuung gewährte. Heutiger Stiftungszweck ist es, älteren, alleinstehenden und bedürftigen Personen in Hameln eine günstige Wohnung anzubieten. Außerdem werden bedürftige Personen allgemein unterstützt.
Vermögensstand 2010: 131 993,28 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 7 180,00 Euro


STIFTUNG FÜR HAMELNER BÜRGER
Die Stiftung fördert gezielt Projekte für sozial benachteiligte Hamelner im Bereich der Jugend-, Familien- und Altenhilfe. Besonders Hilfsbedürftige können auch einzeln Unterstützung bekommen.
Vermögensstand 2010: 179 882,96 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 0,00 Euro


STIFTUNG WANGELIST:
Ursprünglich im Mittelalter als Heim für Leprakranke gegründet, wurde das Stift später zum Armenhaus und schließlich zum Altenheim für Bäcker und Schuhmacher. Diese werden auch heute bei der Vergabe der freigewordenen Altenwohnungen des Stifts bevorzugt berücksichtigt.
Vermögensstand 2010: 829 796,45 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 28 290,00 Euro


HERMANN-LINDNER-STIFTUNG:
Die Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule und der Sertürner-Schule mit dem besten Abgangszeugnis und diejenigen mit den besten Leistungen im Turnen sollen zu je einem Achtel mit den jährlichen Einkünften prämiert werden.
Vermögensstand 2010: 8 481,05 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 30,00 Euro


LEHRMITTELSTIFTUNG SCHILLER-GYMNASIUM:
Die jährlichen Einkünfte werden dem Schiller-Gymnasium für Lehrmittel und Fachbücher bereitgestellt. Was genau angeschafft wird, kann die Schule allein entscheiden.
Vermögensstand 2010: 13 262,09 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 0,00 Euro


STIFTUNG WOHNUNGSHILFE HAMELN:
Viele verschiedene Einzelstiftungen, die teilweise mehr als 120 Jahre alt sind, wurden Anfang der 80er Jahre unter dem Dach der „Stiftung Wohnungshilfe“ zusammengefasst. Alle hatten den gleichen Zweck: Versorgung bedürftiger Menschen mit angemessenem Wohnraum. Familien mit vielen Kindern oder Schwerbehinderte können Darlehen und Zuschüsse zum Hausbau bekommen. Im Jahr 2005 wurde der Stiftungszweck leicht verändert. Seitdem fördert die Stiftung auch soziale Projekte in „Wohngebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf“. Durch die hohen Erlöse aus Mieten, Erbbauzinsen und Kapitalerträgen konnten seitdem mehr als 30 Projekte mit insgesamt mehreren 100 000 Euro gefördert werden.
Vermögensstand 2010: 8 271 789,32 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 2 240,00 Euro


LUISE UND WILHELM HAUN STIFTUNG:
Das Hamelner Ehepaar Haun vererbte der Stadt Hameln 1997 ihr Privatvermögen. Nach dem Willen der Stifter sollen die Erträge daraus vor allem Maßnahmen auf dem Gebiet der Kinderkrebserkrankungen zugutekommen. Zweck der Stiftung ist sowohl die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens in den Krankenhäusern des Landkreises Hameln-Pyrmont, als auch die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen. So übernimmt die Stiftung zum Beispiel Kosten für die Behandlung und Nachbehandlung einzelner krebskranker Kinder sowie Reisekosten zu auswärtigen Behandlungen.
Vermögensstand 2010: 682 634,82 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: -100,00 Euro


C.A. BREKELBAUM-STIFTUNG:
Hamelner Einwohner, die aus Alters- oder Krankheitsgründen beeinträchtigt sind, sollen von der Stiftung unterstützt werden. Vor allem Maurer und Bauhandwerker erhalten in den Wohnungen der Stiftung ein lebenslanges Wohnrecht.
Vermögensstand 2010: 212 253,13 Euro
Erwartetes Ergebnis 2017: 6 570,00 Euro




„Sondervermögen“, das bedeutet, der Stadt wird Vermögen anvertraut, oft als Erbschaften von Privatpersonen, das diese treuhänderisch betreuen soll. Das muss nicht immer Geld sein, es kann sich auch um Grundstücke, Häuser, Wertpapiere oder Forderungen handeln. Im Gegensatz zur Spende, die einmalig fließt, sollen aber nur die Erträge, die das Vermögen abwirft, für den Stiftungszweck ausgeschüttet werden. So bleibt das Stiftungskapital dauerhaft für die Erfüllung der Stiftungszwecke erhalten. Stiftungen lohnen sich auch deshalb, weil gemeinnützige Zwecke steuerlich begünstigt werden – es bleibt also mehr Geld zum Ausschütten übrig.

Hauptaufgabe der Stadt sei, das Vermögen „grundstock- und mündelsicher“ anzulegen, erklärt Dieter Mau, der in der Hamelner Finanzabteilung für die Stiftungen zuständig ist. Es dürfe auf keinen Fall aufs Spiel gesetzt werden. Im Zweifel müsse auch die Stadt als Treuhänder finanziell einspringen, wenn sich die Stiftung zum Beispiel Reparaturen von Gebäuden nicht leisten kann.

Bei der „Wohnungshilfe Hameln“ besteht das Vermögen hauptsächlich aus Erbbaugrundstücken. Auch die Brekelbaumstiftung hat Immobilien in den Grundstock eingebracht – diese müssen Miete einbringen, denn schließlich verlieren die Stiftungen sonst jedes Jahr durch Abschreibungen an Wert. Und verdient die Stiftung kein Geld, dann kann auch nichts ausgeschüttet werden.

Bei der Hermann-Lindner-Stiftung etwa ist das Vermögen in Investment-Fonds angelegt, so wurde es bei der Gründung explizit festgehalten. Diese werfen aber nach Abzug der Verwaltungskosten lange nicht mehr so viel ab wie früher. Statt also jedem Schüler 3,75 Euro auszuzahlen, spart die Stiftung lieber ein wenig Geld für eine sinnvolle Summe an. Gleichzeitig müssen höhere Erträge aber auch zeitnah wieder ausgegeben werden – sonst ist der Status der Gemeinnützigkeit in Gefahr.

Vor allem durch die derzeit niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt kämen gerade die kleineren Stiftungen in Schwierigkeiten. Seien die Erträge dauerhaft zu gering, könne es sogar passieren, dass die Stiftung aufgelöst wird, erklärt Mau. Dann werde das gesamte Vermögen für den jeweiligen Zweck aufgebraucht, bevor es Jahr für Jahr wirkungslos abschmilzt. Eine andere Möglichkeit sei die Zusammenlegung von Stiftungen, die den gleichen Zweck haben. Mit einem größeren Grundvermögen und geteilten Verwaltungskosten könnten sie so überleben. Das sei beispielsweise auch mit der „Wohnungshilfe“ passiert. Die vielen alten Stiftungen seien irgendwann allein nicht mehr lebensfähig gewesen.

Die Stadt fungiert nicht nur als Verwalter, sondern auch als erster Ansprechpartner. Im Rathaus landen zum Beispiel die Anträge zur Förderung. Dieter Mau und seine Kollegen beraten aber auch, wenn jemand über eine Neugründung nachdenkt. Bei kleineren Summen lohne sich allerdings eher eine Zustiftung, das heißt, das Vermögen wird einer bereits bestehenden Stiftung gespendet, die den gleichen Zweck verfolgt. Am wichtigsten dafür, dass eine Stiftung langfristig arbeiten könne, sei, dass der Stiftungszweck nicht zu eng gefasst werde, empfiehlt Mau. „Sonst fragt man sich nach zehn Jahren, was da noch der Sinn ist.“

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