weather-image
Für diese Hamelner ist es kein Weihnachten wie jedes andere

Diese Schicksale haben uns 2015 bewegt

Familie Könecke verliert ihr Haus durch die Flammen, Waltraut Wessolek und ihr Lebensgefährte liegen tagelang hilflos in der eigenen Wohnung, Marc S. rettet den Sohn seiner Freundin vor den Flammen, Familie Schaper muss ansehen, wie alles verbrennt was sie besitzen: Die Schicksale dieser Menschen haben uns 2015 berührt. Wir haben sie zum Fest besucht und mit ihnen über Wünsche und Hoffnungen gesprochen.

veröffentlicht am 23.12.2015 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 00:41 Uhr

270_008_7813411_hm103_ube_2412.jpg

Autor:

Ulrich Behmann und Frank Neitz
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.


Köneckes haben endlich wieder ein Dach über dem Kopf

Sven Könecke ist „einfach nur froh und glücklich“. Ehefrau Nicole nickt, ihre Augen strahlen. „Wir sind dankbar dafür, dass wir wieder ein eigenes Dach über dem Kopf haben und mit den Kindern so richtig schön und unbeschwert Weihnachten feiern können“, sagt die 35-Jährige. Im Mai ist die vierköpfige Familie eingezogen. Mehr als ein Jahr haben die Köneckes in Übergangswohnungen gelebt. Ihr Fachwerkhaus war am 21. Januar 2014 in Flammen aufgegangen. „Es war nicht nur das älteste Wohnhaus in Hilligsfeld, sondern auch mein Elternhaus“, sagt der Familienvater. An dem Tag, als der verheerende Brand ausbrach, verloren die Köneckes ihr gesamtes Hab und Gut. Es war eine schwere Zeit. Geholfen haben Nachbarn, die Dorfgemeinschaft. „Wir sind den vielen Menschen, die uns auf vielfältige Weise unterstützt haben, ja so dankbar“, sagt der 43-Jährige. Auf Facebook gründete Sascha Hartmann die Gruppe „Hameln hilft nach dem Großfeuer in Hilligsfeld“, Interhelp sammelte Spenden und suchte gemeinsam mit dem THW im Schutt nach Wertsachen und Erinnerungsstücken. Die vielfältige Hilfe hat den Köneckes Mut gemacht, Hoffnung gegeben. Die zehnjährige Jennifer hat unter dem Unglück sehr gelitten, Brüderchen Milan, damals erst vier Monate alt, hat nichts mitbekommen. „Für den Kleinen ist es das erste Weihnachtsfest, das er richtig mitbekommt“, sagt Mutter Nicole Könecke.

270_008_7813414_hm104_ube_2412.jpg
  • Der Rohbau ihres neuen Hauses steht. Familie Schaper will endlich wieder zusammen unter einem Dach wohnen. Foto: ube
270_008_7813261_poli101_fn_2412.jpg
  • Waltraud Wessolek kann wieder lachen. Foto: fn
270_008_7813409_hm102_ube_2412.jpg
  • Sven und Nicole Könecke, nach dem verheerden Brand haben sie ein neues Zuhause gefunden. Foto: ube

 

Waltraud Wessolek wurde das Leben gerettet

Heute wird Waltraud Wessolek im Altenpflegeheim St. Monika in Hameln an der Weihnachtsfeier teilnehmen, singen und bestimmt auch ein Weihnachtspräsent auspacken. Das wertvollste Geschenk hat die 86-Jährige jedoch Ende September erhalten. Damals haben Nachbarn ihr Leben und das ihres Lebensgefährten gerettet. Die beiden Senioren waren gestürzt und lagen tagelang hilflos im Flur ihrer Wohnung am Laaker Weg, hatten die ganze Zeit über nichts getrunken und konnten sich nicht bemerkbar machen. „Ich bin auf dem Weg der Besserung. Auch mein Lebensgefährte hat sich erholt. Hätte Herr Dungs uns nicht gefunden, säße ich jetzt nicht hier“, ist Wessolek ihrem Nachbarn dankbar. Auf dem Weg zur Toilette sei sie nachts gestürzt, sagt die Pensionärin. Auch ihr Lebensgefährte, der derzeit nicht erreichbar ist, kam zu Fall. Wohl, als er der Frau zur Hilfe eilte. Erinnern kann sich die Seniorin nur daran, dass sie auf dem Boden liegend fror, bevor Rettungskräfte das Paar am 29. September fanden.

 

Marc S. rettet zweijährigen Sohn vor den Flammen

Marc S. laboriert immer noch an den Verletzungen, die er sich am frühen Morgen des 28. November auf der Flucht vor fauchenden Flammen und giftigem Rauch zugezogen hat. Der 28-jährige Hamelner ist aus dem Fenster eines Hauses am Schifferweg gesprungen. Sein Sprunggelenk ist zerfetzt, sein Schienbein gebrochen. Obwohl schwer verletzt, hat Marc S. den zweijährigen Sohn seiner Partnerin in seine Arme geschlossen und gerettet. Erst danach ist auch Charlotte (24) gesprungen. Auch sie hat sich verletzt. Marc S. ist operiert worden. Zwei weitere Eingriffe stehen ihm noch bevor. Marc S. muss aber noch mindestens zwei Monate lang eine Schiene tragen. Das Mehrfamilienhaus ist immer noch unbewohnbar. Der junge Mann ist über Nacht obdachlos geworden. Mal schläft er bei seiner Mutter, mal bei seiner Lebensgefährtin, mal bei Freunden. Weihnachten fällt aus. Marc S. hat dennoch einen Weihnachtswunsch: Eine neue Wohnung finden, rasch gesund werden. Der Geruch des Feuers geht Marc S. nicht aus der Nase – der Gestank hat ihn an ein Feuer an der Fischbecker Straße erinnert. Vor ein paar Jahren hat er dort gewohnt und eine ähnliche Situation erlebt. „Ich hoffe, dass das kommende Jahr besser wird“, sagt der junge Mann. Die Pechsträhne müsse ja mal ein Ende haben.

 

Schapers geben die Hoffnung nicht auf

Am 25. November 2014 brannte das Haus am Grasbrink in Klein Berkel, in dem Familie Schaper wohnte, komplett aus. Es musste abgerissen werden. Inzwischen steht dort wieder ein Rohbau. Ein Jahr nach dem Feuer wurde Richtfest gefeiert. Manuela Schaper hofft, dass sich im Jahr 2016 ihre beiden größten Wünsche erfüllen werden: Ihr Mann Karl-Jürgen der schwer erkrankt ist, soll schnell wieder gesund werden. Im späten Frühjahr möchte sie endlich wieder mit der ganzen Familie unter einem Dach wohnen. Von Spenden hat die 41-Jährige einen Weihnachtsbaum gekauft – „auch wegen der Kinder“. Im vergangenen Jahr fiel das Fest aus. Den 1. Feiertag wollen die Schapers im Kreise der Menschen verbringen, die ihnen geholfen haben. „Wir haben sie eingeladen, wollen uns bei ihnen auf diese Weise bedanken“, sagt die Hamelnerin.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt