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Tonnenweise Kupfer und Werkzeuge gestohlen / Hamelner gibt Polizei entscheidenden Tipp

Diebe tarnen sich als Camper

Hameln. Buntmetall-Diebe haben auf dem Campingplatz „Zum Fährhaus“ an der Hamelner Uferstraße gestohlene Kupferkabel mit Trennjägern zerteilt und mit Cutter-Messern abisoliert. In den Fahrzeugen der Täter fanden Polizisten große Rollen mit dicken Stromkabeln. Auch gestohlenes Werkzeug wurde entdeckt. Die Beute wiegt fünf bis sechs Tonnen. Offenbar haben die Kriminellen die Elektrokabel bei Peine von einer Baustelle entwendet und in Hameln damit begonnen, die Beute zu zerteilen. Vermutlich sollte das Kupfer an Schrotthändler verkauft werden.

veröffentlicht am 15.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.05.2017 um 13:08 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Campingplatz-Betreiber Michael Giannakos sagt, er habe nicht mitbekommen, dass die Täter mit zwei Lieferwagen aus Großbritannien auf den hinteren Teil seines Geländes gefahren sind. „Sie waren keine Gäste.“ Giannakos vermutet, dass die Männer britische Wanderarbeiter besucht haben, die in der Zeit von Mittwoch bis Sonntag mit fünf Wohnwagen auf seinem Platz übernachtet haben. Die Arbeiter der Asphalt-Kolonne hätten ihm versichert, nichts mit illegalen Geschäften zu tun zu haben, erzählt Giannakos. Er stellt klar: „Ich dulde solche kriminellen Machenschaften nicht. Ich bin schockiert.“

Ein aufmerksamer Mann, der anonym bleiben möchte, hatte Verdacht geschöpft – auf dem Breiten Weg stoppte er am Samstag gegen 14.30 Uhr einen Streifenwagen und informierte die Beamten über das, was er kurz zuvor gesehen hatte.

Die Polizisten stießen auf zwei Transporter, die so platziert worden waren, dass diese als Sichtschutz zu den Campingwagen fungierten. Die Täter hatten bereits das Weite gesucht. In den Fahrzeugen und davor lagen große Mengen Starkstromkabel. „Einige waren schon in handliche Stücke zerteilt worden“, sagt Oberkommissar Jens Petersen. Vermutlich sollte die Herkunft verschleiert werden. „Die Kollegen haben zudem Trenn- und Hebelwerkzeuge gefunden – unter anderem Cutter-Messer mit dem Schriftzug eines heimischen Baumarktes.“

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  • Blick in einen Lieferwagen: Die Diebe haben acht Kabelrollen von einer Kraftwerksbaustelle im Landkreis Peine nach Hameln transportiert.

Wie sich später herausstellte, waren die scharfen Messer um 11.45 Uhr an der Stegerwaldstraße in Klein Berkel gestohlen worden. Von diesem Tatort seien drei Personen geflüchtet. Bei einem der Männer soll es sich um einen 26-Jährigen gehandelt haben, der Halter eines der auf dem Campingplatz entdeckten Lieferwagen ist.

Nachforschungen der Hamelner Polizei ergaben, dass die Kupferkabel-Rollen und die Werkzeuge von einer Kraftwerksbaustelle bei Hohenhameln-Mehrum im Landkreis Peine entwendet wurden. Die Tat sei in der Zeit von Freitagmittag bis Samstagnachmittag verübt worden, sagt der Bauleiter der Siemens AG, Andreas Rost. „Wir hatten sie noch gar nicht entdeckt.“ Die Einbrecher hatten einen Zaun aufgetrennt, einen Container aufgebrochen und daraus Akkuschrauber, Winkelschleifer und Brechstangen gestohlen. Vom Gelände seien zudem acht Kabelrollen entwendet worden.

Bunt- und Edelmetalle sind bei Dieben sehr beliebt. Je höher der Weltmarktpreis, desto mehr Metall wird gestohlen. Seit Ende vergangenen Jahres gehen die Fallzahlen nach Angaben des Landeskriminalamts Niedersachsen allerdings zurück. Während es im Oktober 2013 noch annähernd 200 Taten waren, wurden im vergangenen Monat lediglich zirka 90 Fälle registriert. „Derzeit bildet dieses Kriminalitätsphänomen keinen Schwerpunkt“, sagt Uwe Schwellnus vom LKA. Grund dafür könnten die Rohstoffpreise sein. „Andererseits wurden Firmen von der Polizei sensibilisiert.“ In vielen Fällen hätten Unternehmen das Beratungsangebot der Polizei zur Sicherung ihrer Firmengrundstücke angenommen und die Vorschläge umgesetzt. Nach Informationen der Dewezet werden Metalle heutzutage sogar mit künstlicher DNA markiert.

Das Landeskriminalamt unterscheidet zwei Tätergruppen: Da sei zum einen der Gelegenheitstäter, „der seine Chance erkennt“, sagt Schwellnus. Zum anderen habe es die Polizei mit organisierten Banden zu tun, die bereits im Vorfeld Tatorte ausspionieren und dann zuschlagen. „Wir gehen davon aus, dass eine aufgebaute Logistik dahintersteckt, wo der komplette Tatvorgang, also das Ausspionieren, das Eindringen, das Abbauen, das Verarbeiten, der Transport etc. professionell festgelegt worden ist“, erklärt der LKA-Beamte.



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