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Kommunen engagieren sich im Kampf gegen das Artensterben – und Hameln will dabei sein

Die Zukunft liegt in der Erhaltung der Vielfalt

Hameln (ni). Gegen die Abholzug des fernen Regenwaldes zu protestieren ist das eine; sich dem Schutz der Tier- und Pflanzenwelt vor der eigenen Haustür zu verpflichten, etwas ganz anderes. Die Stadt Hameln will sich trotzdem auf dieses Bekenntnis zum Erhalt der Artenvielfalt in Flora und Fauna in ihren kommunalen Grenzen einlassen und die Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“ unterzeichnen.

veröffentlicht am 07.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 13:41 Uhr

Schützenswert: das Ohrchenhabichtskraut, das am Weserhang bei Ha
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Das Jahr 2010 wurde durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt“ erklärt. Die Bedeutung der biologischen Vielfalt sowie die Folgen ihres Verlustes für das menschliche Wohlergehen und die globale wirtschaftliche Entwicklung sollen so stärker im öffentlichen Bewusstsein und in den Köpfen der Entscheidungsträger verankert werden. Warum Naturschutz kein Luxus, sondern überlebensnotwendig ist, hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen kürzlich mit wenigen Sätzen umschrieben: „Die Natur liefert uns Nahrung, sauberes Wasser oder Medikamente. Insekten sichern unsere Ernten, indem sie Obst- und Gemüsepflanzen bestäuben. Wälder schützen uns vor Überschwemmungen, speichern große Mengen Kohlendioxid und wirken damit gegen den Klimawandel. Zerstören wir die Natur weiter, bringen wir uns langfristig selbst um unsere Existenz- und Wirtschaftsgrundlage.“

Die Frage, wie Städte und Gemeinden mehr als bisher zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen können, haben Vertreter von 30 Kommunen, das Bundesamt für Naturschutz und die Deutsche Umwelthilfe im Februar in Bonn diskutiert. Ergebnis dieses Forums ist die Bonner Erklärung „Biologische Vielfalt in Kommunen“. Darin heißt es unter anderem, Städte und Gemeinden „spielen angesichts ihrer umfassenden Aufgagen in Planung, Verwaltung und Politik und der damit verbundenen Entscheidung über den Umgang mit Natur und Landschaft vor Ort eine wichtige Rolle beim Erhalt der biologischen Vielfalt“. Mit der Unterschrift unter die Deklaration verpflichten sie sich, Aspekte der Artenvielfalt als „eine“ Grundlage ihrer Stadt- und Gemeindeentwicklung zu berücksichtigen.

In Ansätzen verfahre Hameln heute schon nach den Kriterien, die laut Deklaration als Richtschnur für kommunales Handeln gegen das Artensterben dienen sollen, sagt Bernd Mros. Er ist im Rathaus zuständig für den Bereich Grünflächen und Naturschutz und zählt Beispiele auf: Grünzüge, die sich in bebautes Gebiet hineinziehen, würden nicht mehr zu „Zierrasen“ umgestaltet, sondern naturnah belassen: das Gras an den Wegrändern werde nicht mehr durch ständiges Mähen kurzgehalten, sondern darf zusammen mit Wildkräutern wachsen; die stillgelegte Trasse der Lager Bahn bleibe unangetastet, weil sich der Bahndamm zu einem naturnahen Grünstreifen in der Stadt entwickelt habe. Und Häuslebauern in Neubaugebieten gebe die Stadt eine Liste mit heimischen Pflanzen und Gehölzen an die Hand – als Empfehlung für die Gestaltung des eigenen Gartens.

Die Trasse der stillgelegten Lager Bahn bringt in Wangelist eine
  • Die Trasse der stillgelegten Lager Bahn bringt in Wangelist einen schmalen Streifen Natur ins Wohngebiet. Foto: Dana

Außerdem bemüht sich die Stadt laut Mros darum, die im Landschaftsrahmenplan enthaltenen Vorschläge für die Aufwertung von Natur und Landschaft Stück für Stück umzusetzen. Was allerdings schwierig sei, wenn die Grundeigentümer nicht mitspielten. So sei die Ausweisung eines Naturschutzgebietes an der Hamel bislang am Protest der Landwirtschaft gescheitert. Als kleinen Erfolg verbucht Mros in diesem Zusammenhang, dass Bauern bereit waren „wenigstens einen Randstreifen“ entlang von Hamel und Herksbach, der in Hilligsfeld in die Hamel mündet, an die Stadt zu verpachten. Brachflächen reaktivieren, statt Bauland auf der grünen Wiese auszuweisen, vorhandene Biotope miteinander vernetzen, ein kommunales Artenschutzprogramm entwickeln, ökologisch sensible Gebiete vor dem Einfluss gentechnisch veränderter Kulturpflanzen und schädlicher Einträge schützen, den kommunalen Wald naturnah bewirtschaften … in der Bonner Erklärung sind die Maßnahmen zusammengetragen, von denen schon lange bekannt ist, dass sie biologische Vielfalt erhalten helfen; und an deren konsequenter Umsetzung es schon genauso lange hapert. Ralf Hermes misst der Deklaration dennoch Bedeutung bei: „Sie wertet die Probleme auf, indem sie sie aufzeigt“, so der passionierte Umweltschützer und Vorsitzende des hiesigen BUND. Dass die Stadt Hameln die Erklärung unterzeichnen will, sieht er erst einmal positiv. Ob die Unterschrift das Papier wert ist, auf dem sie steht, werde sich aber erst im Ernstfall zeigen. Dann nämlich, wenn das Gebot des Artenschutzes mit anderen (wirtschaftlichen) Interessen kollidiert und die Stadt in einem solchen Konflikt Farbe bekennen muss. Unterschreibt die Stadt, „dann muss sie sich bei ihren Entscheidungen auch daran messen lassen“, so Hermes. Die Ausweisung eines Baugebiets wie das am Riesackweg – vom BUND heftig bekämpft, aber vom Hamelner Rat gegen die Stimmen von Grünen und Bürgerliste trotzdem beschlossen – „dürfte sich dann jedenfalls nicht wiederholen“.

Dass Belange des Naturschutzes bei städtischen Entscheidungen stärker als bisher ins Gewicht fallen – auch Mros verspricht sich diesen Effekt von einer Unterschrift unter die Deklaration: „Eine gewisse Verpflichtung geht man damit ja schon ein.“ Zum Nulltarif sei die Vielfalt allerdings nicht zu haben. So könnten sich kommunale Projekte dadurch verteuern, wenn man bei ihrer Umsetzung Rücksicht auf spezielle Arten nehme. In der Deklaration von Bonn fehlt darum auch nicht der Hinweis, dass die Kommunen für ihre Bemühungen um den Erhalt der biologischen Vielfalt finanzielle Unterstützung von Bund und Land erwarten.

Die niedersächsische Bingostiftung würde auch unter die Arme greifen. Ausgestattet mit Mitteln der Glücksspielabgabe, fördert die Stiftung Projekte im Bereich des Naturschutzes. Nicht nur Vereine, auch Städte und Gemeinden können diesen Topf anzapfen, erklärt Geschäftsführer Karsten Behr. Hameln sei als Antragsteller bislang allerdings kaum in Erscheinung getreten. Nach den Förderbedingungen der Stiftung ist selbst eine Förderung durch andere Programme kein Hindernis. Und in Einzelfällen hat die Stifung mit ihrem Zuschuss sogar den Kofinanzierungsanteil von Kommunen übernommen.



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