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Die einen zahlen ohne Kleingeld, andere schon mit dem Smartphone – Hameln schaut erst mal zu

Die Zukunft des Zahlens

Hameln. Die nordrhein-westfälische Stadt Kleve versucht seit einigen Tagen, gegenzusteuern. Die Händler werden nun Händler aufgefordert, die Preise auf 5-Cent-Beträge auf- oder abzurunden. Auch elektronische Bezahlmodelle werden immer populärer.

veröffentlicht am 04.02.2016 um 17:43 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:41 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Hameln. Was kann man heute noch für einen oder zwei Cent kaufen? Fast nichts. Warum also das ganze bronzefarbene Kleingeld mit sich herumschleppen? Meistens bekommt man es ja im Laden zugesteckt, als Rückgeld. 12,99 Euro, zweimal 9,99 Euro – die krummen Preise bescheren manchem Kunden ein dickes Portemonnaie, ohne wirklich reich zu sein. Die nordrhein-westfälische Stadt Kleve versucht seit einigen Tagen, gegenzusteuern. In den Niederlanden verzichten die Geschäfte landesweit schon seit 2004 auf das Kleinstgeld – in Kleve werden nun Händler aufgefordert, die Preise auf 5-Cent-Beträge auf- oder abzurunden. Der erste deutsche Feldversuch läuft allerdings auf freiwilliger Basis. Hintergrund ist aber nicht etwa in erster Linie Kundenfreundlichkeit, sondern schlicht ein wirtschaftlicher Gedanke der Händler: Denn die Gebühren, die bei Kauf der Münzrollen und der Einzahlung des eingenommenen Geldes bei der Bank fällig werden, steigen. Und der Wert der Münzen steht zu diesem monetären Aufwand nicht im Verhältnis.

In manchen Geschäften

zahlt nur noch jeder Fünfte mit Bargeld

„Die Kosten werden immer höher“, bestätigt auch Holger Wellner, Vorsitzender des heimischen Einzelhandelsverbandes. Manche Banken ließen sich das Ein- und Auszahlen von Bargeld gut bezahlen – manch Händler komme daher auf Gebühren von bis zu 200 Euro pro Monat. Um den Wechselgeldbestand konstant zu halten, müssen Händler Einnahmen einzahlen und fehlende Münzrollen mitnehmen – manche täglich, bei anderen reicht es einmal pro Woche.

„Spannend“ findet Wellner daher auch das, was Kleve gerade ausprobiert, ist aber auch froh, den Versuch und die entsprechende „Lernkurve“ erstmal aus der Ferne beobachten zu können. „Für Hameln würde ich das derzeit nicht vorantreiben wollen“, sagt er. Ohnehin sei das Modell ja vor allem nur für Branchen interessant, die mit Bargeld hantieren. Im Modebereich, bei Schuhen, Technik und Parfümerie zum Beispiel spiele Bargeld mittlerweile ohnehin eine untergeordnete Rolle. Diejenigen, die noch Scheine auf den Kassentisch legen, schätzt Wellner auf etwa 20, maximal 40 Prozent. Dennoch: Von einer Gesellschaft – wie etwa in manchen skandinavischen Ländern – in denen auch das Brötchen beim Bäcker mit EC-Karte bezahlt wird, sei man in Hameln heute noch weit entfernt, glaubt Wellner. Allerdings könnten neu eingeführte EU-Regelungen dazu führen, dass bald noch mehr Händler bargeldloses Zahlen anbieten, die zuvor vor hohen Gebühren der Banken für die Abbuchungen zurückschreckten. Nach Berechnungen der EU-Kommission zahlen Europas Einzelhändler derzeit nämlich jedes Jahr etwa zehn Milliarden Euro an Extrakosten bei Kartenzahlungen. Diese Summe soll um sechs Milliarden Euro sinken, indem die Gebühren gedeckelt werden. Auch dem Bezahlen per Smartphone, wie es zum Beispiel in der Londoner U-Bahn möglich ist, prophezeit Wellner eine glänzende Zukunft – schließlich haben viele das Gerät ja fast immer dabei. Derzeit sei ihm zwar noch kein Händler im Hameln bekannt, der diese Bezahlart regulär anbiete, später aber könnte das Smartphone „komplett das Portemonnaie ersetzen“. Den Einwand, dass diese Art des Bezahlens durch Hackerangriffe risikobehafteter sein könnte, greift laut Wellner nicht. „Wo ist der Unterschied dazu, wenn Ihnen jemand die Geldbörse stiehlt?“, fragt er.

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Der aufwendige Weg allerdings, den die 50 000-Einwohner-Stadt Kleve gerade geht, um die kleinen Münzen langsam aussterben zu lassen, ist spätestens in Zeiten der Smartphone-Bezahl-Kultur überholt. Dann können die Beträge auch wieder ordentlich krumm sein.

Bargeld, EC-Karte, Smartphone: Die Kultur des Bezahlens ändert sich und soll immer kundenfreundlicher werden.Dana/dpa



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