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22 Patienten verlegt - ungewöhnliche Maßnahme am Sana-Klinikum

Die Zimmer der Station A 5 sind leer

veröffentlicht am 15.09.2016 um 17:26 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Die Zimmer der Station A 5 der Klinik für Hepato-Gastroenterologie (Leber-Magen-Darm), in der Menschen mit Erkrankungen der Speiseröhre, des Magens, des Darms, der Leber, der Gallenwege und der Bauchspeicheldrüse behandelt werden, sind seit einer Woche leer. Die Klinik-Betten von 22 Patienten wurden in Krankenzimmer der chirurgischen und der onkologischen Station geschoben. Das Sana-Klinikum in Hameln hat die ungewöhnliche Maßnahme bereits am vergangenen Freitag ergriffen. Grund: „Sechs von 14 Schwestern und Pflegern hatten sich krank gemeldet, zwei weitere Mitarbeiter waren im Urlaub“, teilte Krankenhaus-Sprecherin Natalie Arnold auf Anfrage der Dewezet mit. Zum Zeitpunkt der Entscheidung seien zwölf Zimmer belegt gewesen. Die übrigen werden laut Klinik gerade renoviert. Die Patienten der A 5 würden weiter von Fachärzten der Leber-Magen-Darm-Klinik betreut und behandelt. Aus der Sicht des Sana-Klinikums ist die Schließung einer ganzen Station und die Umverteilung der Patienten angeblich nichts Ungewöhnliches. Personal und Patienten sehen das anders. Ein Angestellter der Klinik glaubt zu wissen, warum der Krankenstand so hoch ist. „Es wird an allen Ecken und Enden gespart. Auch am Personal. Wir müssen das ausbaden und gehen dabei auf Dauer vor die Hunde.“ Die Klinik verfahre nach dem Motto: „Es wird schon irgendwie gehen“. Schwestern und Pfleger klagten über die hohe Arbeitsbelastung. „Wir können einfach nicht mehr“, behauptet der Insider. Auch das Krankenhaus dürfte nicht zufrieden sein mit der Notsituation, denn: Schon kommt es zu Irritationen. Die Angehörigen einer Seniorin, die zur Abklärung einer Blutung im Magen- oder Darmbereich mit einem Krankenwagen nach Hameln gebracht werden sollte, erhielten Anfang der Woche die Nachricht aus einem Pflegeheim: „ Wir können Ihre Mutter nicht zum Sana bringen. Die haben keine Gastroenterologie.“

Die Kompromisslösung sei suboptimal, sagt ein Pfleger. Erste Patienten seien unzufrieden und in Sorge. „Kein Wunder: Ein junger Mensch mit unklarem Befund, der über Schmerzen klagt, findet sich plötzlich zwischen schwerkranken Krebspatienten wieder. Das ist für ihn alles andere als gesundheitsfördernd. Ein Patient mit Durchfall ist auf der Chirurgie behandelt worden. Ein Unding. Dadurch steigt das Infektionsrisiko für frisch Operierte“, glaubt ein Pfleger zu wissen.

Das Sana-Klinikum wehrt sich gegen solche Vorwürfe, sieht keine Probleme. Einzelfälle müsse man prüfen, heißt es. Der Infektionsschutz sei ein hohes Gut und werde stets beachtet. Falls nötig, könnten Patienten isoliert werden.

Klinik-Sprecherin Natalie Arnold kann nicht nachvollziehen, warum die vorübergehende Maßnahme so viel Staub aufwirbelt. „Die Patienten würden auch auf den anderen Stationen gut behandelt.“ Eine Krankenschwester sagt: „Wir tun, was wir können. Aber: Wenn Patienten (in andere Zimmer, Anmerkung der Redaktion) eingeschoben werden, ist nicht unbedingt super. Aus Zweibettzimmern werden dann Dreibettzimmer, aus Dreibettzimmern Vierbettzimmer. Die eingeschobenen Kranken haben mitunter keine Notfall-Klingel und keinen eigenen Schrank. Bei einer solchen Kompromisslösung gibt es nicht genug Sauerstoff-Anschlüsse.“ Allerdings brauche auch nicht jeder Patient Sauerstoff, räumt sie ein.

Nach wie vor nimmt das Sana-Klinikum eigenen Angaben zufolge hepato-gastroenterologische Patienten auf. Die 22 Patienten der derzeit nicht belegten Station A 5 hätten ohne Probleme verteilt werden können, weil sowohl auf der Onkologie als auch in der Chirurgie Betten frei waren, sagt Krankenhaus-Sprecherin Natalie Arnold – und stellt klar: „Die Gastroenterologie ist nicht geschlossen worden. Die Station A 5 der Gastroenterologie wird derzeit nur nicht belegt.“ Durch die Umverteilung innerhalb des Hauses seien keine Kranken in andere Zimmer eingeschoben worden.

Das Personal macht sich dennoch so seine Gedanken: „Wo werden in Zukunft die neu aufgenommenen Gastro-Patienten untergebracht?“ In den beiden Abteilungen , die vor einer Woche zusätzlich 22 Patienten aufnehmen mussten, würden bereits Betten knapp. „Müssen wir schon bald chirurgische und onkologische Patienten abweisen?“



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