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Vor 50 Jahren gaben die Beatles ihr letztes Konzert / Das sagen Hamelner über die Fab Four

Die vier vom Dach

HAMELN/LONDON. Am 30. Januar vor genau 50 Jahren stiegen vier recht langhaarige Herren in ihren späten Zwanzigern auf ein Dach an der Londoner Savile Row. „Get Back“, hieß das erste Stück, das sie spielten. Gitarrenlärm und Verkehrschaos riefen die Polizei auf den Plan. Das letzte Konzert der Beatles – auf dem Dach ihres Apple-Hauptquartiers – dauerte nur eine knappe Dreiviertelstunde. Dennoch lieferte es über ein Jahr vor der offiziellen Trennung bereits eine Art Schlussbild zur Karriere der wohl noch immer größten Rockband aller Zeiten. Wir haben den Jahrestag zum Anlass genommen, um uns mit Hamelner Musikern und Musikexperten über die Beatles zu unterhalten.

veröffentlicht am 29.01.2019 um 16:20 Uhr
aktualisiert am 04.02.2019 um 16:30 Uhr

Frank Henke

Autor

Reporter zur Autorenseite

Gestellt haben wir ihnen diese fünf Fragen:


  • 1. Was ist das beste Stück der Beatles, das kein großer Hit war?
    2. Wer ist Ihr Lieblingsbeatle – und wo landen die übrigen auf den Plätzen zwei bis vier?
    3. War Yoko Ono schuld an der Trennung?
    4. Was wäre aus den Beatles geworden, hätten sie noch für Jahrzehnte weitermachen können?
    5. Welches Beatles-Stück sollte man besser vergessen?

Jürgen Schoormann (83), Jazzexperte:
1. Ein George-Harrison-Stück: „While My Guitar gently Weeps“ vom „White Album“ (1968).
2. Nummer eins: John Lennon („wegen seiner Kreativität“), gefolgt von Paul McCartney und George Harrison. Schlusslicht ist Schlagzeuger Ringo Starr: „Der hatte wohl eher Schwierigkeiten, mit der musikalischen Qualität mitzuhalten.“
3. „Das kann ich nicht beurteilen.“
4. Das wage er sich gar nicht vorzustellen, sagt Schoormann, „so rund und abgeschlossen ist das Werk“. Vermutlich wären sie irgendwann doch von anderen Entwicklungen überrollt worden. „Aber vielleicht hätte Georg Büchner auch ganz fürchterliche Sachen geschrieben, wäre er nicht so jung gestorben. Manchmal ist es gut, früh aufzuhören.“
5. „Ich würde keins vergessen, das hat alles seinen Stellenwert gehabt.“


Nick March (28), Singer-Songwriter:
1. „Michelle“ – „aus ihrer jüngeren Phase, und noch nicht ganz so von Innenschau geprägt“.
2. Sein Favorit: Paul McCartney. „Lennon war vielleicht musikalisch besser, aber menschlich überzeugt McCartney.“ So landet bei dem Hamelner Sänger Lennon dann auch erst nach George Harrison und Ringo Starr auf Platz vier.
3. „Lennon hat es sehr versaut mit der ganzen Entwicklung mit Yoko Ono“, meint der Hamelner Sänger. Aber: „Zu einer Trennung gehören immer mehrere – fünf in diesem Fall.“
4. „Vielleicht hätte es später mit der großen Reunion geklappt. Sie hätten sicherlich größer werden können als heute die Rolling Stones.“
5. „Vergessen? Einige! Aber deren Titel habe ich vergessen.“ Auch die frühen deutschen Versionen einiger Songs seien heute „eher witzig“, hätten aber nicht sein müssen.


Stefan Gliwitzki (58), Folkmusiker:
1. „I don‘t want to spoil the party“, zu finden auf dem Album „Beatles For Sale“ (1964).
2. Auch bei dem Tonefish-Sänger hat Paul die Nase vorn. Gefolgt von John, George und Ringo.
3. Und war Yoko Ono an allem schuld? Diplomatische Antwort: „Nö. Aber auch.“
4. In den Folgejahrzehnten wäre aus den Beatles wohl „eine Rentnerband“ geworden, meint Gliwitzki. „Die Jungs hätten schlau einen passenden Abgang gefunden und ihre eigenen Ideen in anderen Projekte ausgelebt. In denen steckt(e) mehr Stoff als nur für eine Band.“
5. Ein Stück zum Vergessen findet Gliwitzki ebenfalls auf „Beatles For Sale“: „Honey, don‘t.“


Bob Dulas (67), Rock- und Bluesgitarrist:
1. Spontan: „Strawberry Fields Forever“ und „Across The Universe“, aber: „Es gibt so viele tolle Sachen.“
2. John Lennon liegt auf Platz eins, gefolgt von Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr. „Paul McCartney galt damals eher als schöner Bubi für die Mädchen, John Lennon als der zynische Rocker.“ Ein künstlich aufgebautes Image, klar. Zudem gelte: „Das funktionierte alles nur mit diesen vier Leuten.“
3. Getrennt hätten sie sich wohl auch ohne Yoko Onos Einfluss, meint das Hamelner Musikurgestein. „Das wäre anders auch passiert, da war vielleicht ein bisschen die Luft raus.“
4. Gleichwohl: Das Zeug, noch länger „ziemlich weit oben“ mitzuspielen, hätten die Beatles auch nach der Trennung 1970 gehabt, glaubt Dulas. „Schließlich haben sie viele Stilrichtungen erfunden oder gepusht.“ Vielleicht wären sie aber auch wieder zur „ganz normalen Rockband“ geworden. Auch beim Dachkonzert vor 50 Jahren hätten sie sich schließlich stilistisch – Devise: „Get Back“ – ihrer rockigeren Anfänge besonnen.
5. Zum Vergessen findet Dulas „Yellow Submarine“ und „Ob-La-Di, Ob-La-Da“. „Gute-Laune-Stücke“, aber: „zu albern“. Allerdings läge die Messlatte bei den Beatles natürlich auch sehr hoch.



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