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Schlichter Charme: Siedlungshäuser haben viel Potenzial / Auszeichnung für Modernisierung

Die Unterschätzten

HAMELN. Sie sind klein, selten allein und sehen so unscheinbar aus wie ihre Nachbarn zur Rechten und Linken: Siedlungshäuser aus den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Auch in Hameln gibt es einige Straßenzüge. Statt sattem Komfort spiegeln die eilig hochgezogen Nachkriegsbauten die Härte der Aufbaujahre, erzählen von Enge und Sparsamkeit.

veröffentlicht am 24.09.2018 um 18:06 Uhr
aktualisiert am 26.09.2018 um 15:00 Uhr

Schlichter Chic: Das Siedlungshaus aus den 1950er Jahren in neuem Gewand. Foto: www.bullahuth.de
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Doch der Häuslemarkt ist in Bewegung. Und auch in Siedlungsbauten steckt Potenzial, wie das Haus von Ulrike Mai im Klütviertel zeigt. Das schlichte graue Heim wirkt wie aus einem Guss. Architektin Anne Menke hat sich den Charme des Reduzierten, den die Siedlungshäuser inzwischen für nicht wenige Projektentwickler mitbringen, zunutze gemacht hat.

Menke ist die Tochter einer Freundin, die das Haus der Eltern in Hameln in ähnlicher Art gestaltet hat. Für Ulrike Mais Haus hat die in Berlin lebende Architektin, die ihren beruflichen Horizont in Delft und New York sehr erfolgreich erweitert hat, im Bauherren- und Architekten Wettbewerb „Das goldene Haus“ den ersten Preis bekommen. Ausgeschrieben wird der Preis vom Burda-Verlag und den Landesbausparkassen (LBS).

„Wie ein Körper, den ein Kind zeichnen würde“, beschreibt Menke die neue Form des Hauses. Um die klare Grundform zu betonen, wurde der Dachüberstand entfernt, ebenso die Gauben und ein schmaler Balkon auf der Stirnseite. Das macht es auch für die energetische Sanierung – die Achillesferse der Siedlungshäuser – einfacher. Um eine wärmedämmende Gebäudehülle kommt man bei den Bauten, die nach dem Krieg mit einfachen Mitteln aus dem Wiederaufbauprogramm errichtet wurden, in der Regel nicht herum. Die Hilfe eines Experten, der ausrechnet, welche Maßnahmen und Förderungen sinnvoll sind, ist hier eine lohnende Investition.

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Ein Detail, das belassen wurde: der abgerundete Eingang. Foto: doro

Auch das Haus von Ulrike Mai wurde energetisch saniert und auf den aktuellen Stand der Energieeinsparverordnung gebracht. Es hat neue Fenster, ist gedämmt und hat eine effiziente Gasbrennwerttherme mit Fußbodenheizung.

Die in Hameln geborene und in Berlin lebende Architektin hat aus dem Objekt der Problemhaus-Generation einen Hingucker gezaubert, der sich durch seinen zurückgenommenen Stil von der Umgebung abhebt. „Es sollte modern und neu sein, sagt Menke, aber nicht zu auffällig. Damit es neben den anderen nicht „wie ein Ufo“ wirkt, haben sich Architektin und Eigentümerin für die graue Farbe entschieden. Ein bisschen ungewöhnlich war das für die Nachbarschaft schon: „Einige haben sich gefragt, wann denn der richtige Anstrich kommt“, erzählt Menke.

Wer vor oder hinter dem Haus steht, blickt in einen Gang, der sich durch das ganze Erdgeschoss zieht und die Terrassen an der Vorder- und Rückseite miteinander verbindet, sodass die Sonne durch das ganze Haus strahlen kann. Im Inneren wurde aus kleinen dunklen Zimmern und einem engen Flur ein großzügiger Wohnraum. Wände wurden entfernt, der Zuschnitt geändert. Neben der Küche und dem Wohnraum gibt es unten noch ein Gäste-WC mit Dusche. Wenn Ulrike Mai wollte, könnte sie später komplett im 64 Quadratmeter großen Erdgeschoss wohnen.

Die Architektin hat das 126 Quadratmeter große Haus – einst für zwei Familien ausgelegt – in den Rohbauzustand versetzt und voll auf die Bedürfnisse der Eigentümerin zugeschnitten. Ein großer Vorteil war, dass es sich quasi im Originalzustand befand: keine Anbauten, traditionelle Baustoffe wie Ziegel oder Tonsteine aus den 1950ern und – nicht selbstverständlich – ein trockener Keller.

Dazu kam einiges, was die Siedlungshäuser oftmals attraktiv macht: die Lage. Ulrike Mais Haus liegt im zentrumsnahen, aber ruhigen Klütviertel. Mit eingespielten Strukturen und einem über Jahrzehnte gewachsenen Gartenbestand, in dem kaum etwas getan werden musste. Das Grün drumherum war für Mais Entscheidung maßgeblich, in allem anderen habe sie sich auf die Architektin verlassen.

Natürlich hat, was schön ist, seinen Preis. Für die Kosten der Sanierung hätte Ulrike Mai neu bauen können – ohne Grundstück und Haus. Ein gewachsenes Umfeld und ein so prächtiger Garten würden dann aber immer noch fehlen.



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