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Behörde bescheinigt zwar „keine Giftstoffe“ – Eigner wird Areal aber trotzdem nicht los

Die ungeliebte Deponie am Düth

AFFERDE. Heinz Nonnewitz würde die ehemalige Bauschuttdeponie am Düth bei Afferde lieber heute als morgen loswerden. Für einen „Gütepreis“ von 60 000 Euro hat der Unternehmer eines Abbruch- und Containerdienstes dem Landkreis das 14 800 Quadratmeter große Areal offeriert. Es ist bereits das dritte Angebot, dass er der Behörde unterbreitet. Dort hatte man aber weder im Jahr 2014 noch 2015 Interesse. Und auch diesmal heißt es: „Es besteht kein „sachhaltiger Grund.“

veröffentlicht am 17.04.2017 um 17:04 Uhr

„Mit Beginn der Rekultivierung wird frühestens im Jahr 2018 zu rechnen sein“, heißt es aus dem Kreishaus im Hinblick auf die ehemalige Bauschuttdeponie am Düth. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Das sieht Hans-Jürgen Herwig als Bevollmächtigter von Heinz Nonnewitz anders: Seit Jahren kann dieser mit seinem eigenen Grund überhaupt nichts anfangen. Er würde ihn gern als landwirtschaftliche Fläche verpachten, doch das geht nicht, weil der Landkreis die erforderliche Rekultivierung, für welche die Behörde als Genehmigungsinhaber der Deponie verantwortlich ist, seit Jahren verschiebe. Dass ein Grundstück vereinnahmt wird, ohne das ein Ausgleich dafür gezahlt wird, hält Herwig für rechtswidrig.

Neue Hoffnung hegten Nonnewitz und Herwig nun aufgrund einer Nachricht vom Gewerbeaufsichtsamt Hannover (GAA): Sie besagt, dass die Ablagerung von verbotenen Stoffen sich nach Befragung von Zeugen nicht bestätigt habe. Einzige Einschränkung: Asbest. Diesbezüglich geht das GAA „von einem möglicherweise erhöhten Aufwand bei Rekultivierungsmaßnahmen“ aus.

Hans-Jürgen Herwig hatte vermutet, dass Landkreis und Politik schlicht Angst vor möglichen Altlasten haben. Verwunderlich wäre es aus seiner Sicht nicht, immerhin hätten das auch Nachbarn, Einwohner, Anlieger, Düth-Besucher sowie der Geländeeigentümer Nonnewitz jahrelang vermutet. Gemäß diverser Kontrollberichte von Umweltaufsichtsämtern habe der damalige Subbetreiber der ehemaligen B+B-Deponie Giftstoffe und verbotene Abfälle verklappt.

Doch beim Landkreis winkt man ab. „Neben der aufsichtsbehördlichen Überwachung findet regelmäßig ein Grundwassermonitoring statt. Diese weisen seit Jahren keine Auffälligkeiten auf“, heißt es. 16 Jahre ist es inzwischen her, dass die ehemalige Deponie Insolvenz anmelden musste.

Also muss Nonnewitz weiter der Rekultivierung harren. Um diese voranzutreiben, hatte der Landkreis 2014 angekündigt, die beteiligten Behörden an einen Tisch zu bringen und ein Konzept zu erstellen, das die Belange des Artenschutzes einbezieht. Denn seit der Stilllegung im Jahr 2001 haben sich auf dem ehemaligen Deponiegebiet streng geschützte Reptilien angesiedelt.

Im August 2015 erklärte Andreas Manz, Dezernent im Kreishaus: „Der Plan wird gerade erarbeitet. Im nächsten Jahr soll es losgehen.“ Also 2016. Nun wird abermals verschoben: „Mit Beginn der Rekultivierung wird frühestens im Jahr 2018 zu rechnen sein“, hieß es am Donnerstag. Als Grund werden wieder Belange des Artenschutzes genannt. Die streng geschützten Zauneidechsen müssten inventarisiert und ihr Vorkommen kartiert werden. Davon, die Echsen zu zählen, war aber bereits 2015 die Rede. Kann das alles so lange dauern? Ja, lautet die Antwort aus dem Kreishaus. Wichtig für die Kartierung seien unter anderem die Lebenszyklen der Tiere. Mit den Ergebnissen werde dann der Rekultivierungsplan aufgestellt, der genehmigt werden muss. Wären die Echsen nicht, würde der gesamte Bereich mit Erde abgedeckt.

Die Stadt Hameln, die das Gelände zunächst in das geplante Naturschutzgebiet Düthberg aufnehmen wollte, sieht inzwischen davon ab, „da für diese Flächen noch längerfristige Rekultivierungsmaßnahmen zu erwarten sind.“ Über eine Hinzunahme werde erst mit der „parzellenscharfen Abgrenzung zur Trasse der Südumgehung neu beraten“, heißt es. Dass die geplante Südumgehung, für die 4400 Quadratmeter der Nonnewitz-Fläche benötigt werden, etwas mit der verzögerten Rekultivierung zu tun haben könnte, verneint man beim Landkreis. KAW-Leiterin Sabine Thimm hingegen äußerte 2014, dass es sinnvoll sei, Straßenbau und die Rekultivierung in einem Zug zu erledigen. Dann würde die Deponie nicht erst mit Mutterboden aufgefüllt und bepflanzt, um sie kurz darauf für die Anlage der Straße wieder aufzureißen. So hätten es die frühere Bezirksregierung und das Gewerbeaufsichtsamt empfohlen.

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