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Neue Musiker spielen in der Innenstadt – weil die Hamelner ein dankbares Publikum sind, sagen sie

Die Straßen klingen jünger

Hameln. Es wirkt fast wie abgesprochen: Seit einigen Monaten sind immer wieder jüngere Straßenmusiker in Hamelns Innenstadt zu sehen und zu hören. Neben den „Altbekannten“ ist es manchmal ein junger Mann am Klavier, immer wieder sind es aber auch junge Männer, die mit Gitarre dort stehen und singen. Einer von ihnen ist Bastian Baumgart. Der 16-Jährige ist ein wirklicher „Newcomer“ unter den Straßenmusikern, denn eigentlich stehe er erst seit dem Weihnachtsmarkt regelmäßig in der Innenstadt. Und auch Gitarre spielt er noch gar nicht lang, erst seit knapp zwei Jahren.

veröffentlicht am 08.02.2016 um 08:18 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Die Kälte mache ihm nicht viel aus, sagt er, während er auf dem Pferdemarkt steht – und hält die Finger beim Spielen warm. Ein paar Leute haben sich ganz nah zu ihm gestellt, hören zu, andere gehen vorbei. Bloß als das Glockenspiel einsetzt, schaut Bastian ein wenig genervt und unterbricht sein Spiel. Wie kommt man mit 16 Jahren überhaupt auf die Idee, sich vor wildfremde Leute zu stellen und zu singen? „Ein Kumpel von mir hat das gemacht“, sagt Baumgart, „außerdem ist es eine gute Taschengeld-Aufbesserung“. Die anfängliche Hemmschwelle hatte er schnell überwunden. Die meisten Reaktionen seien positiv. „Eine Frau wollte mich gleich für eine Feier mieten“, sagt Baumgart und lacht, „eine andere hat nach Gitarrenunterricht für ihren Sohn gefragt.“

Rund 15 Euro nimmt er jetzt im Schnitt pro Stunde ein – einmal habe sogar ein 20-Euro-Schein in seinem Gitarrenkoffer gelegen. Den habe er erst gar nicht annehmen wollen, erzählt der Hamelner Schüler, der – wenn das Wetter es zulässt – mehrmals die Woche mit seiner halbakustischen Westerngitarre in die Stadt kommt.

Baumgart singt vor allem deutschen Pop – Vorbilder sind Revolverheld und Max Giesinger, aber auch Ed Sheeran habe ihn geprägt. Auch eigene Songs hat er schon im Gepäck, auch mit gefühlsbetonten Texten. Das Gitarrenspielen habe er sich selber beigebracht – für den Gesang habe er sich Youtube-Videos zu Atemübungen und Einsingen angesehen. Allerdings soll es nicht bei der Autodidaktik bleiben: Baumgarts Traum ist es, nach seinem erweiterten Realschulabschluss an der Fachhochschule in Detmold Musik zu studieren.

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  • Live in der Fußgängerzone: der 16-jährige Bastian Baumgart in der Bäckerstraße. ant

Doch es sind mehrere junge Leute, die seit einigen Monaten abwechselnd zu sehen sind. Nein, abgesprochen habe man sich nicht, sagt Baumgart – aber manchmal kämen auch Freunde von ihm dazu. Auch mit einem alteingesessenen Akkordeonspieler habe er schon mal zusammengespielt, Konkurrenz untereinander gebe es bei den Straßenmusikern nicht.

In Hameln ist die Straßenmusik-Szene auch nicht so überlaufen wie in München zum Beispiel – dort müssen Musiker sogar zunächst vorsingen, bevor sie eine Erlaubnis bekommen. In Hameln gibt es keine Regulierung. Einzige Bedingung, welche die Stadt stellt: Spätestens nach einer Stunde muss der Platz gewechselt werden, aus Rücksichtnahme auf Händler und Anwohner. Schließlich hat nicht jeder den gleichen Geschmack.

„Mein Vater hat das vorgeschlagen –

wohl eher aus Spaß“

Ein „alter Hase“ in Sachen Straßenmusik ist Isaak Guderian, obwohl er alles andere als alt ist: Der 21-Jährige steht nämlich schon seit seinem zwölften Lebensjahr mit der Gitarre auf der Straße und singt. „Mein Vater hatte das in einem Urlaub, als mir langweilig war, vorgeschlagen – wohl eher aus Spaß“, sagt Guderian. Doch der Sohn fand die Idee prima – und macht es bis heute. Mittlerweile lebt der Sänger allerdings in erster Linie von Aufträgen wie Hochzeiten. Der Straßenmusik blieb er trotzdem treu.

Guderian, der jetzt in Bad Oeynhausen lebt, hat schon in vielen Städten gespielt: Hannover, Bielefeld, Osnabrück, Hildesheim, Berlin, Innsbruck – und seit vergangenem Herbst auch in Hameln. „Ich möchte mehr Städte gewinnen“, sagt er und sagt, er habe „noch nie eine bessere Stadt zum Musikmachen“ erlebt als Hameln. Hier bekomme er fast überhaupt kein negatives Feedback und die Leute geben gern Geld. „Auch Leute, von denen man es auf den ersten Blick gar nicht erwarten würde.“ Wenn er spielt, versucht Guderian auch auf das Publikum einzugehen: Bleiben bei Balladen viele stehen, spiele er mehr davon, zieht ein Rock ’n’ Roll-Stück die Leute in den Bann, bleibt er dabei. Dennoch wird er in Zukunft in Hameln seltener zu sehen sein – „es soll ja nicht langweilig werden für die Leute.“

Einen alternativen Beruf hat Guderian nicht – aber in der „Musiker-Mittelschicht“ lebe es sich ganz gut, sagt er. Auch er orientiert sich an dem erfolgreichen Sänger Ed Sheeran – sein Repertoire ist aber breit. Pop steht bei ihm im Vordergrund – dies spiegele sich auch in seinen eigenen Kompositionen wieder. Auch Guderian hat sich Gesang und Gitarre größtenteils selber beigebracht.

Hat vielleicht auch der 24-jährige Ex-Hamelner Nick March mit seiner Straßenmusik dazu beigetragen, dass sich mehr Jugendliche trauen, auf der Straße Musik zu machen? Mag sein, beide jungen Männer kennen March, der erst vor Kurzem ein Konzert auf der Task gab, jedenfalls. Jetzt tritt Guderian in die gleichen Fußstapfen: Am 14. Februar ist sein Konzert auf der Task.

Termin: Neuigkeiten zu Isaak Guderian gibt es auf seiner Fanpage bei Facebook und bei Youtube.

Ein Video von Bastian Baumgart gibt’s auf dewezet.de



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