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Aus Anlass des Jubiläums: 30 Cent Bonus auf jede Kilowattstunde / Kampagne gegen Energiekonzept

Die Stadtwerke beschenken ihre Kunden

Hameln. In einem Punkt tanzen die Hamelner Stadtwerke aus der Reihe. Während 130 Anbieter pünktlich zu Beginn der Heizperiode in diesem Herbst ihre Preise für Erdgas erhöhten, hält der heimische Energieversorger seine Preise nicht nur stabil, sondern legt für seine Kunden sogar noch ein Bonbon obendrauf. Bei einem anderen Thema übt die GWS den Schulterschluss mit über 100 anderen Stadtwerken und protestiert mit einer bundesweiten Anzeigenkampagne gegen das Energiekonzept der Bundesregierung.

veröffentlicht am 04.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Brigitte Niemeyer
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Das Geschenk für die Kunden kommt nicht von ungefähr. Nächstes Jahr feiern die Stadtwerke 150 Jahre Gasversorgung in Hameln. Und wollen sich aus diesem Anlass jetzt schon bei ihren Gas-Kunden für deren „Verbundenheit und Vertrauen“ bedanken, so Geschäftsführerin Susanne Treptow. Für jede Kilowattstunde, die sie zwischen dem 1. Oktober dieses Jahres und bis zum 31. März 2011 verbrauchen, erhalten sie einen Bonus von 0,30 Cent brutto. Der Treuebonus rechnet sich, zumal die Stadtwerke ihn für die Monate gewähren, in denen der Gasverbrauch besonders hoch ist. Rund 70 Prozent des gesamten Erdgasbedarfs eines Haushaltes entfallen auf die Heiz-Hauptsaison. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 25 000 kWh ergibt sich dank des 30-Cent-Bonus eine Ersparnis von 53 Euro. Für den Zeitraum von Oktober bis Dezember wird der Treuebonus auf der Jahresabrechnung 2010 ausgewiesen, für die Monate Januar bis einschließlich März auf der für 2011.

Laut Treptow haben sich die Stadtwerke Hameln als Energieversorger auch nach der Liberalisierung des Gas-Marktes behauptet. Mehr als 6000 Kunden konnten sie von 2008 bis heute dem Rivalen e.on im Landkreis abnehmen. „Deutlich weniger“ GWS-Kunden hätten von den Stadtwerken zu einem anderen Anbieter gewechselt – 160 beispielsweise zu Teldafax. Der Billiganbieter locke mit günstigen Tarifen, verlange im Gegenzug von seinen Neukunden Vorauskasse – und habe jetzt offensichtlich mit großen Problemen zu kämpfen. Die Stadtwerke Hameln bekämen das hautnah zu spüren: Teldafax nutze das GWS-Gasnetz, bleibe den Stadtwerken seit geraumer Zeit aber das dafür fällige Nutzungsentgelt schuldig, so Treptow. Die Geschäftsführerin steht wegen des Falles in engem Kontakt mit der Bundesnetzagentur und kündigt an: „Wenn Teldafax unseren Zahlungsaufforderungen weiterhin nicht nachkommt, werden wir den Zugang sperren.“

Auch an „Goldgas“ haben die Stadtwerke Kunden verloren. Das Unternehmen, so Treptow, „ist im Frühjahr mit Kampfpreisen auf den Markt gegangen und jetzt teuer als wir“. Inzwischen seien etliche Kunden, die sich mit Wechsel-Prämien und scheinbar günstigen Tarifen weglocken ließen, wieder zu den Stadtwerken zurückgekehrt.

Dass die Bundesregierung mit ihrem Ausstieg aus dem Atomausstieg den Stadtwerken das Leben schwermacht, ärgert Treptow gewaltig. Denn das von der Bundesregierung beschlossene Energiekonzept greife massiv in den Wettbewerb ein. Es schanze den vier Atomkonzernen 100 Milliarden Euro zu, „zementiert so die Oligopolstellung von e.on, RWE, Vattenfall und EnBW auf lange Sicht und schwächt damit massiv den Wettbewerb auf dem Energiemarkt. Leidtragende seien die kleinen und mittelständischen kommunalen Energieunternehmen. Bundesweit versorgten die Stadtwerke zwar 40 Millionen Bürger mit Strom, so Treptow, die vier Großkonzerne allerdings erzeugten rund 80 Prozent der Kapazitäten. So könnten sie den Preis bestimmen und durchsetzen, den der Bürger zahlen müsse. Mit ihrer Energiepolitik schwäche die Regierung nicht nur die Stadtwerke und damit die Kommunen und die regionale Wirtschaft, sondern auch die Innovationskraft und alle Akteure, die vor Ort die Energiewende umsetzen wollten.

„Es macht mich wütend, dass die Chefs der Energiekonzerne der Bundesregierung drohen, obwohl sie den Atomausstieg unterschrieben haben – und dass Bundeskanzlerin Merkel dann auch noch einknickt“, kritisiert Treptow die „Klientelpolitik“ der Regierung. Die Verabschiedung eines Energiekonzeptes sei überflüssig gewesen, denn „wir sind auf einem guten Weg, für Deutschland einen nachhaltigen Energiemix mit den erneuerbaren Energien sowie hocheffizienten Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken zum Schutz des Klimals und damit unseres Planeten Erde sicherzustellen“, sagt Treptow.

Ein Bild aus der Zeit, als alles begann: eine der ersten Gaslaternen in Hameln.



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