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Das Salz wird jetzt plötzlich doch knapp – vorerst wird nur noch an Gefahrenpunkten gestreut

Die Stadt schränkt den Winterdienst ein

Hameln (wul). Gestern war die weiße Welt in Hameln aus Verwaltungssicht noch in Ordnung, jetzt müssen sich die Hamelner doch wärmer anziehen: Das Streusalz ist knapp. Mit dem Wetterbericht vor Augen, der für die kommenden Tage Schneemassen vorhersagt, fährt die Stadt den Winterdienst zurück. Ab sofort werde nur noch an Gefahrenpunkten gestreut, kündigt Sprecher Thomas Wahmes an.

veröffentlicht am 07.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 22:21 Uhr

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„Wir müssen alles tun, um auch am Wochenende über die Runden zu kommen“, so Wahmes. Noch ist das 400 Tonnen Streusalz fassende Lager des Betriebshofes zwar nicht leer, doch würde weiterhin die tägliche Fuhre von 20 bis 25 Tonnen gestreut, könnte es laut Wahmes zu eng werden. Zwar werde das gesamte Streckennetz von rund 170 Kilometern weiterhin geräumt, Salz aber komme nur noch an neuralgischen Punkten zum Einsatz, die jetzt zusammen mit den Öffis zusammen bestimmt worden seien. Ansonsten richtet die Stadt die Bitte an alle Verkehrsteilnehmer, sich auf die Situation einzustellen und gegebenenfalls das Auto stehen zu lassen.

Am Mittwoch noch hatte die Stadt frohlockt, dass alles in Ordnung sei in Sachen Salz, dass ausreichende Mengen bestellt worden seien: 150 Tonnen vor Weihnachten, und nochmal 150 Tonnen zwischen Weihnachten und Silvester. Schubweise sei geliefert worden, am Montag, Dienstag und Mittwoch, doch gestern ist nach Aussage des Großhändlers Herb in Peine, der die Ausschreibung für Streusalz gewonnen hatte, ein Lkw auf dem Weg in die Rattenfängerstadt mit Motorschaden liegen geblieben. Eine halbe Tagesfuhre – zwölfeinhalb Tonnen – ist damit auf der Strecke geblieben. Die Lieferungen aus dem Werk in Thüringen sind laut Stefan Herb so getaktet, dass Ersatz nicht ohne weiteres auf die Straßen geschickt werden könne. Aus diesem Grund rechnet Hameln auch nicht damit, dass vor Montag Nachschub eintrifft. Dass derzeit vorrangig Kommunen bedient werden, die in der Not vielleicht bereit sind, mehr zu zahlen als die durchschnittlich berechneten 75 Euro pro Tonne – das mache sein Betrieb nicht, beteuert Herb und nimmt seinen Auftraggeber ganz ungefragt in Schutz: „Hameln hat wirklich alles richtig gemacht und ausreichend bestellt.“ Andere Lieferanten seien ebenfalls angefragt worden, erklärt Wahmes auf Anfrage – ohne Erfolg.

Die Situation auf den Straßen schreit vor allem nach einem: Winterreifen. Einige Fahrer begegnen dem Schnee allerdings noch eiskalt mit Sommerreifen, während andere auf den allerletzten Drücker umrüsten lassen, wie Jens Lehmann von Reifen Danger erzählt. Auch beim Reifen-Center ist noch keine Wechselruhe eingekehrt, sondern die Fahrer standen in den vergangenen Tagen Schlange, um ihre Wagen noch schnell mit „saisongemäßer Bereifung“ auszustatten, wie es in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen einiger Versicherungen verlangt wird. „Viele Versicherungen verweigern die vollständige Haftung und Regulierung“, wenn die Schlappen eben nicht den Wetterverhältnissen entsprechen, weiß Versicherungsmakler Detlef Todte. Eine im Gesetz verankerte, explizite Winterreifenpflicht gibt es allerdings nicht. Lediglich ist in der Straßenverkehrsordnung festgelegt, dass die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen ist, wozu geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage gehören. Wer sich nicht dran hält, kann im Schadensfall zur Kasse gebeten werden, auch wenn er nicht der Unfallverursacher ist: In einem Urteil des Landgerichts Trier wurde diese sogenannte Mitverursacherquote im Jahr 2005 auf 20 Prozent beziffert, sprich: 20 Prozent des Gesamtschadens wurden dem Sommerreifenfahrer angelastet. Und auch ein Bußgeld kann fällig werden, wenn man ohne geeignete Bereifung unterwegs ist.

Wer übrigens in diesen Tagen auf einen Leihwagen angewiesen ist, muss mit einer Extra-Gebühr für die Winterbereifung rechnen. So verlangt beispielsweise die Autovermietung Dreyer 2,45 Euro „Servicegebühr“ mehr pro Tag als in der Sommerreifen-Saison; bei Europcar werden 14,79 Euro extra fällig. Ob mit Matsch-und-Schneereifen oder Winterreifen mit Schneeflocken-Symbol – eine Herausforderung sind die Straßenverhältnisse allemal, für die alten Hasen und umso mehr für Fahranfänger. „Es ist schwierig“, weiß Fahrlehrer Alfred Maier, der gerade gestern vier Fahrern gratulieren konnte, weil sie ihre Prüfung bei Eis und Schnee und somit eine Feuertaufe bestanden haben. Maier gibt Tipps, wie Fahrer mit den Verhältnissen besser zurecht kommen: „Abstand, Abstand, Abstand“ sei das Wichtigste und „der richtige Umgang mit der Kupplung“ ganz entscheidend. Sie müsse man noch langsamer kommen lassen als bei trockenen Straßenverhältnissen, und auch fürs Anfahren, besonders mit Autos ohne Anti-Schlupf-Regelung gelte: „gefühlvoll“, damit die Reifen nicht durchdrehen. Mit wem die Räder doch durchgehen, dem wird empfohlen, auf keinen Fall Vollgas, sondern langsam Gas zu geben. Wer den alten Trick mit der Fußmatte vor den Reifen anwendet, muss bedenken: Sie kann unkontrolliert nach hinten schießen. Vorausschauendes und langsames Fahren klingt zwar selbstverständlich, wird aber auch von Polizeisprecher Michael Rohde extra erwähnt. Autos sollten zudem komplett schnee- und eisfrei sein, inklusive aller Scheiben und Scheinwerfer. Letztere gehörten jetzt immer eingeschaltet, rät Rohde. Außerdem sollte sich jeder rechtzeitig auf den Weg machen.

Bis das zweite O der Faustregel „O bis O“ Saison hat. dauert es noch ein bisschen. Für den Zeitraum „von Oktober bis Ostern“ nämlich, empfiehlt Reifenfachverkäufer Lehmann, mit Winterreifen zu fahren, weil sie bei Temperaturen ab 7 Grad Celsius abwärts den besseren Grip auf der Straße haben. Wenn das Thermometer über die Marke steigt, sollte wieder umgesattelt werden. Doch wer weiß: Vielleicht gibt’s in diesem Jahr sogar noch weiße Ostern …

Zum Durchdrehen: Wer jetzt noch mit Sommerreifen unterwegs ist, gefährdet andere und riskiert, zur Kasse gebeten zu werden.

Schneller als erwartet, geht auch Hamelns Streusalz zur Neige. Betriebshofleiter Uwe Depping wartet auf Lieferungen.

Fotos: Wal



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