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Lob, Zweisamkeit, Geschenke: Wie sich zärtliche Gefühle ausdrücken – und was die Körperhaltung verrät

Die Sprache der Liebe

Sie haben sich in den hintersten Winkel des kleinen Lokals zurückgezogen, sitzen an einem Tisch gegenüber, die Körper einander zugeneigt, er hält ihre Hände: Beide schauen sich tief in die Augen, innig und zärtlich, lächeln – ein Liebespaar. Jedem Außenstehenden, der die zwei beobachtet, ist die Situation auch ohne Worte klar: die Körpersprache des Paares – ein einziger Ausdruck der Liebe.

veröffentlicht am 08.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Es gibt sie, die ganz spezielle Sprache der Liebe. Liebe will sich ausdrücken, will dem anderen zeigen, wie kostbar er ist, will den Partner versichern, aber auch rückversichert werden. Zu diesem Liebeskreislauf aus Geben und Nehmen gehören die Ausdrucksformen der Liebe. Die können allerdings von Mensch zu Mensch verschieden sein. Nicht von ungefähr spricht der amerikanische Paar- und Beziehungsberater Gary Demonte Chapman von fünf verschiedenen „Sprachen der Liebe“, in denen Menschen ihre Gefühle ausdrücken:

Lob und Anerkennung – in Form von ermutigenden, positiven Worten und Komplimenten.

Zweisamkeit: Zeit, die man ganz allein mit dem Partner verbringt.

Geschenke: Aufmerksamkeiten, die von Herzen kommen und oft Symbolcharakter besitzen.

Hilfe: Unterstützung in kleinen und großen Dingen, die man dem Partner gibt.

Zärtlichkeit: Zuwendung durch häufiges Berühren, Streicheln, Küssen, Umarmen.

Am Anfang einer Liebesbeziehung, stellt Chapman in seinen Studien fest, wendet man meist alle fünf Sprachen gleichzeitig an. Doch im Alltag sei es auf Dauer kaum möglich, alle in gleicher Intensität zu sprechen. Der Liebende falle in die für ihn individuelle „Muttersprache der Liebe“ zurück, in der er instinktiv seine Liebe ausdrückt. Diese „Muttersprache“ ist von Typ zu Typ verschieden und muss daher nicht zwingend von dem Partner verstanden werden. Die Folge: Die Liebesbezeugungen des anderen kommen nicht mehr an. Enttäuschungen sind vorprogrammiert, werden zunehmend problematisiert und führen schließlich zu so sattsam bekannten Sätzen wie „Mein Mann (oder meine Frau) versteht mich nicht mehr.“ Spätestens dann empfiehlt der amerikanische Paarberater, die Liebessprache des anderen zu identifizieren und zu lernen. Beispiel: Seine Sprache ist „Hilfe“, ihre „Zärtlichkeit“ – er fühlt sich geliebt, wenn sie ihn bei seinen Aufgaben unterstützt und ihm zur Seite steht, sie fühlt sich angenommen und geliebt, wenn er sie mitten im Alltag in den Arm nimmt, küsst oder streichelt. Klingt einfach, scheitert aber oft an der Realität, weil der eine die Wünsche, Bedürfnisse und tief verankerten Sehnsüchte des anderen nicht nachvollziehen kann, seine Sprache ihm fremd ist. Sie zu erlernen, kostet Mühe und Überwindung: „Aber es lohnt sich“, weiß Chapman aus Erfahrung.

Was im fortgeschrittenen Stadium der Liebe zu Irritationen führen kann, scheint am Anfang noch ganz einfach. Es macht „Peng!“ – ein Blitz: „Verlieben ist Sekundensache“, sagt der Hamelner Psychologe Dr. Michael Heilemann. Schwingen zwei Herzen im Gleichtakt, hapert es zunächst auch nicht mit der Kommunikation und den Liebesbeweisen: Es wird alles gegeben. Und Chapmans fünf Sprachen der Liebe kommen ohne Wenn und Aber zum Zug. Auf Wolke 7 ist die Welt noch in Ordnung.

Das Schenken gilt im Beziehungsleben als elementare Ausdrucksform der Liebe und spielt in allen Kulturen der Welt eine wichtige Rolle. Oft kommt dabei materiellen Symbolen, wie zum Beispiel dem Ring, eine besondere Bedeutung zu. „Im Geschenk kann man Liebe anfassen“, sagt Chapman: „Es ist mehr als ein flüchtiger Gedanke.“

Auch Lob gehört zu den Ausdrucksformen der Liebe: „Du siehst toll aus“, „Wie gut du gekocht hast“, „Ich bewundere deine Energie“ sind Komplimente, die Liebenden leicht über die Lippen gehen. Die gegenseitige Anerkennung grenzt oft schon an Admiration: „Alles, was der andere macht, ist doppelt so gut und doppelt so schön“, stellt Heilemann fest: „In der Liebe genießt der Partner einen Bewertungs-Bonus.“

In puncto Zweisamkeit zeigen sich bei Paaren nach der ersten Verliebtheit am häufigsten unterschiedliche Bedürfnisse: Sind für den einen gemeinsam verbrachte Stunden das A und O in der Beziehung, reicht dem anderen vielleicht schon das intensive Zwiegespräch, bei dem er die ungeteilte Aufmerksamkeit des Partners genießt.

Dem Partner Gefälligkeiten und Dienste zu erweisen, sind Ausdrucksformen der Liebessprache „Hilfe“: Eigene Projekte zurückzustellen, um dem anderen etwas abzunehmen, signalisieren eine große Dosis Liebe, meint Chapman, solange diese Hilfe nicht an Ausnutzung grenze.

Zärtlichkeit ist die unmissverständlichste Art, Liebe zu zeigen – ganz direkt über Hautkontakt, durch Blicke, oder auch durch Worte. Im Hinblick auf die Gesichtszüge spielen die Augen für Heilemann die größte Rolle: „Nicht der Mund, sondern die Augen drücken die Liebe aus.“ Tiefe Blicke, der lange, intensive Augenkontakt und geweitete Pupillen sprechen Bände. Streicheleinheiten, die auch ohne Körperkontakt ankommen.

Auch die Häufigkeit und Tiefe des Nickens unterstreiche die Nähe zu einer Person: Der Hamelner Psychologe spricht hier von „Zustimmungsgesten“, die bei Liebenden häufiger und tiefer ausfallen: „Ich beuge mich vor, wende mich zu dem anderen hin, nicke, lächele…“

Berührungen sind dagegen eine sehr handfeste Ausdrucksform der Liebe, da sie über die Haut, unser größtes Sinnesorgan und eines der sensibelsten, transportiert werden. Verliebte sitzen gern ganz dicht beieinander, rücken sich förmlich auf den Leib, können die Finger nicht voneinander lassen. „Die fehlende Körperdistanz ist ein Maß der Innigkeit“, stellt Heilemann fest.

Die Sprache der Liebe – sie hat viele Facetten und unterschiedliche Ausprägungen: „Grundsätzlich muss man zwischen Mutterliebe, Partnerliebe, Menschenliebe und Liebe zur Sache oder zu einer Idee unterscheiden“, listet der Psychologe auf. Platon, der große griechische Philosoph der Antike, kennt drei Formen der Liebe – die körperliche, die platonische und die göttliche. Alle haben ihre speziellen Ausdrucksformen, die auch dem Wandel der Zeit unterliegen können. So gibt es heute kaum noch jemanden, der Liebesbriefe schreibt. „Die Liebesschwingungen, die auf diese Weise früher über die Handschrift transportiert wurden, sind heute nicht so abbildbar“, meint Heilemann. Stattdessen würden SMS-Botschaften mit Smileys versehen: „Bei fünf Smileys liebe ich dich mehr als mit drei.“ Und mit den Kreuzchen „x“ verschickt man Küsse. Die in der Realität mehr und mehr zu einem „technischen Akt“ verkommen, findet Heilemann: „Der naive, spontane Kuss wäre dagegen ein sehr gültiges Maß von Liebe.“ Das gilt im besten Sinne auch für den Geschlechtsakt als höchste Form des sich Sich-Auslieferns – wenn er denn nicht auf die reine Sexnummer reduziert wird.

Ich seh’ dir in die Augen, Kleines“, sagt Humphrey Bogart zu Ingrid Bergman in der deutschen Synchron-Fassung des Films „Casablanca“: Der intensive Augenkontakt ist in der Sprache der Liebe unmissverständlich.Warner Bros.



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