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Sturm Friederike und der Borkenkäfer setzen den Bäumen massiv zu

„Die Situation ist hochbrisant“

Forstamtsleiter Ottmar Heise macht sich Sorgen um den Wald. Erst die Schäden durch Sturm Friederike, die massiver sind, als angenommen, und dann die Trockenheit, die der Ausbreitung des Borkenkäfers massiv Vorschub geleistet hat. „Es ist viel schlimmer, als die größten Pessimisten erwartet haben“, erklärt Heise.

veröffentlicht am 16.08.2018 um 21:00 Uhr

Die Schäden durch Sturm Friederike sind massiver als gedacht. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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HAMELN.Derzeit frisst sich die zweite Generation durchs Fichtenholz. Heise rechnet sogar mit einer dritten in diesem Jahr. Das alles hinterlässt Spuren im Stadtforst. Den Südhang des Riepen hält er für verloren. Schaut man vom Multimarkt aus, sehe man die rötlichen Flecken, welche die vom Borkenkäfer befallenen Bäume bilden. „Die großen Ausfälle werden erst im Frühjahr sichtbar werden“, prophezeit er. Aus Heises Sicht hat das mit dem Klima zu tun. Wenn nur die Hälfte der Prognosen der Klimaforscher zutrifft, werde die Schutzfunktion in Zukunft wichtiger. Vielleicht so wichtig, dass die klimaausgleichende Wirkung des Waldes über dem Holzertrag steht.

Angesichts des eindringlichen Vortrages verblasste der Antrag der CDU-DU-UFB-Fraktion im Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, den Hiebsatz im Stadtforst zu erhöhen – also mehr Holz einzuschlagen, zu verkaufen und entsprechend mehr Geld einzunehmen –, zusehends.

Zuvor hatte Heise dem Ausschuss vorgerechnet, dass man mit der von der Fraktion angepeilten Erhöhung des Hiebsatzes von 7,3 auf 8,6 Erntefestmeter pro Hektar über dem derzeit jährlichen Zuwachs liegen und nicht mehr nachhaltig sein würde.

Die von den Antragstellern errechneten Mehreinnahmen von 100 000 Euro bezeichnete Heise zudem als nicht realistisch. Ein erntekostenfreier Erlös von 67 Euro sei nicht einmal bei bester Konjunktur durch die ertragstärkste Baumart Fichte zu erwarten. Derzeit seien die Preise im Keller – sie lägen je nach Bestandsalter, Sortimentsverteilung und Erntekosten zwischen 50 und 55 Euro, so Heise. Das Holz zu diesem Preis zu verkaufen, tut dem Forstamtleiter weh.

Schuld ist der Sturm. Es gab viel aufzuarbeiten und das Holz kommt auf einen „übersättigten, nicht funktionierenden Markt“. „Es liegt mehr Holz an den Wegen, als verarbeitet werden kann, es fließt nicht ab.“

4000 Festmeter wurden im Stadtforst aufgearbeitet, rund 90 Prozent der Hauptmasse. Bei alledem profitiert die Stadt aus dem hohen Anteil noch zuwachsender Nadelholzbestände der Nachkriegsaufforstungen. „Aber die Situation ist dramatisch, die Bestände lösen sich auf“, sagt Heise. Selbst das Holzrücken werde durch die nassen, frostlosen Wintermonate zunehmend schwieriger und der Einschlag des Laubholzes in den Sommermonaten im Stadtwald sei kaum zu vermitteln.

Der Supergau sei jedoch der trockene Sommer gewesen, der zur Massenvermehrung des Borkenkäfers geführt habe, der wiederum auf geschwächte Bäume traf. „Wir werden uns umstellen und Bäume pflanzen müssen, die mit hohen Temperaturen klarkommen“, sagt der Forstamtsleiter. Das bedeute, mehr Eiche als Fichte. Natürlich nicht überall, aber vorzugsweise an sehr trockenen Standorten. Wie die Bäume derzeit dort aussehen, könne man auf dem Weg zur Riepenburg sehen: Auf der Hälfte der Strecke stehen 40 Fichten, die absterben.

Nach den ausführlichen Erklärungen von Ottmar Heise zog die Gruppe ihren Antrag schlicht zurück.



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