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Wespen sind lebensgefährlich für Allergiker und jetzt im Spätsommer besonders lästig / Wie man sich schützen kann und was der Notarzt rät

Die schwarzgelbe Gefahr: Auf Kriegsfuß mit fiesen Viechern

Hameln-Pyrmont. Ein Pieks – und die Sache ist gelaufen. Im besten Fall war’s das. Im schlimmsten Fall aber wird es lebensgefährlich: Dann kommt es aufgrund einer allergischen Reaktion zum anaphylaktischen Schock, der den gesamten Körper treffen und zu Kreislaufversagen und Tod führen kann. Wenn eine Wespe zusticht, ist oft schnelles Handeln angesagt. Zwar kann Dr. Bernd Miele, Leiter der Zentralen Notfallaufnahme des Sana-Klinikums, nicht bestätigen, dass es in letzter Zeit hochdramatische Fälle gegeben hat, aber: „Statistisch gesehen sterben durchschnittlich 10 Menschen im Jahr in Deutschland an Wespenstichen.“

veröffentlicht am 03.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 06:21 Uhr

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Gerade jetzt, im Spätsommer, sind Wespen besonders aufdringlich. Sie müssen sich nun nicht mehr um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern und haben viel Zeit für die Suche nach süßer Nahrung für sich selbst. „Die Wespen sind dabei nicht aggressiver als sonst, sie bleiben nur einfach besonders hartnäckig, wenn sie ihre Lieblingsspeise vor sich haben und hungrig sind“, erklärt Nabu-Kreisvorsitzender Hans Arend. Vermeintliche Tricks, um Wespen dauerhaft fernzuhalten, wie beispielsweise etwa Kupfermünzen auf den Tisch zu legen, seien nutzlos. Ein Picknick im Freien – so verlockend es bei spätsommerlichen Temperaturen auch erscheinen mag – kann jetzt nicht nur unangenehm, sondern für Allergiker auch lebensgefährlich werden. Ihr Körper reagiert auf Wespenstiche, indem er zunächst verstärkt Histamin ausschüttet, das eine Kettenreaktion bewirkt: Die Blutgefäße weiten sich, der Blutdruck sinkt rapide ab, lebenswichtige Organe werden nicht mehr oder schlechter durchblutet. Der Kreislaufzusammenbruch droht. Im schlimmsten Fall stirbt der Betroffene.

Die Begegnung mit den ungebetenen gelb-schwarzen Gästen sei aber noch kein Grund zur Panik, heißt es seitens des Nabu Hameln-Pyrmont, der Tipps gibt, wie man sich schützen kann und was nach einem Stich zu beachten ist. „Zunächst einmal: „Ruhe bewahren, nicht um sich schlagen und auf keinen Fall die Wespen anpusten“, rät Arend. Das Kohlendioxid in der Atemluft sei ein Alarmsignal für die Tiere und versetze sie in Angriffshaltung. Normalerweise würden Wespen bei ihrer Nahrungssuche nicht aggressiv reagieren: „Sie wehren sich erst, wenn sie um ihr Leben bangen. Hektische oder panische Bewegungen sollte man deshalb vermeiden“, erklärte Arend.

Wer trotz der gelbschwarzen Tiefflieger im Freien tafeln möchte, sollte Lebensmittel und Getränke unter Verschluss halten, alle Reste nach einer Grillparty sofort wieder wegräumen, Kinder nur mit Strohhalm trinken lassen und ihnen nach dem Essen Gesicht und Hände abwischen, um Wespen nicht anzulocken. Auch Gerüche wie duftende Parfüms, Cremes und Holzmöbelpolitur, bunt geblümte Kleidung und nicht abgedeckte Mülleimer oder Kompost ziehen Wespen an.

Auch wer von einer Wespe gestochen wird, sollte zunächst Ruhe bewahren, empfiehlt der Nabu. „Bei normalgesunden Menschen – vom Kleinkind bis zum Greis – kommt es zwar zu einer etwa zwei Tage lang druckempfindlichen Hautschwellung an der Einstichstelle und einem anfangs ziehenden Schmerz, aber zu keinen weiteren Gesundheitsschäden“, so der Nabu. Die Naturschützer raten in diesen Fällen, Salmiakgeist auf die Stichstelle zu massieren oder mit Zitronensaft oder einer halben Zwiebel die Beschwerden zu lindern. Auch Coolpacks können Wunder wirken.

Anders sieht es bei allergischen Reaktionen aus. Bei drei bis fünf Prozent der Bevölkerung bleibt es nicht bei einer lokalen Schwellung: Bei Symptomen wie Ohnmacht, Schwindel, Übelkeit oder bei Stichen im Mund sollte umgehend ärztliche Hilfe geholt werden: „Personen mit bekanntermaßen allergischen Reaktionen gegenüber Wespenstichen erhalten Erste-Hilfe-Ausrüstungen und Medikamente von ihrem Arzt“, so der Nabu. Und: Eine Wespenallergie lasse sich erfolgreich behandeln.

Das bestätigt auch Dr. Miele: Für den Hamelner Notarzt ist die Hyposensibilisierung das A und O für Wespen-Allergiker: „Diese Behandlungsmethode hat eine hohe Erfolgsrate und dauert im Minimum zwei Jahre.“ Allergien hätten in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Sie können jederzeit neu auftreten und sich dramatisch verstärken. Auch die Schwellung nach einem Stich sollte man im Auge behalten, rät Dr. Miele: „Bis 10 Zentimeter sind normal. Wenn es weitergeht, ist das eine schwere Reaktion, allerdings noch keine allergische Reaktion.“

Übrigens: Bis Ende Oktober sind die Wespen wieder verschwunden. Alte Nester können dann problemlos beseitigt werden.kar



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