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Herzinfarkt oder Schlaganfall – oft weisen erst Folgeerkrankungen auf Arteriosklerose hin

Die schleichende Gefahr: Wenn Arterien verkalken

Gustav M. (68) aus Hameln fragt: Was hat es eigentlich mit der Arterienverkalkung auf sich? Was für Ursachen gibt es für diese Erkrankung und wie macht sie sich eigentlich bemerkbar? Kann man anhand von Blutwerten erkennen, ob man an einer Arterienverkalkung leidet?

veröffentlicht am 06.02.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 16:41 Uhr

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Dr. Werner G. Gehring antwortet: Die Arteriosklerose – umgangssprachlich Arterienverkalkung genannt – bezeichnet einen chronisch fortschreitenden Prozess, der zu charakteristischen Veränderungen der Innenschicht (Intima) und der inneren Schicht (Intima media) der Arterienwand führt. Es kommt dort zu einer Verhärtung durch Bindegewebswucherungen, die zu degenerativ-nekrotisierenden (mit einem lokalen Gewebstod einhergehenden) Veränderungen der Innenschicht führen, wobei sich dort Cholesterin, Fettsäuren und Kalk ablagern. Der Beginn einer Arteriosklerose ist bis zum Auftreten der Folgeerkrankungen wie koronare Herzkrankheit oder Durchblutungsstörungen des Gehirns symptomlos. Erst die Folgeerkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt und Schlaganfall weisen auf die vorliegende Arteriosklerose hin. Der Schlaganfall kündigt sich oft als sogenannte ischämische Attacke (TIA) an. Symptome einer ischämischen Attacke sind Schwindelattacken, häufige Kopfschmerzen, unerklärliche Stürze, flüchtige Lähmungen, zeitweilige Seh- und Sprachstörungen.

Kleine Läsionen, die bereits im jugendlichen Alter in der Arterienwand vorliegen können, bilden den symptomfreien Anfang der Arteriosklerose. Zuerst kommt es zu Entzündungen, dann zur Einwanderung von Blutzellen, anschließend von Lipiden und LDL-Cholesterin. Bei Fortschreiten des Prozesses kommt es dann zur Bildung von arteriosklerotischen Plaques (Gefäßwandverdickungen und -auflagerungen), die die Blutbahn zunehmend einengen.

Zu den biografischen Ursachen gehören das Alter, das Geschlecht (Männer erkranken bis zu fünfmal häufiger an Verschlusskrankheiten), die Familiengeschichte (Koronare Herzkrankheit/KHK) oder Myokardinfarkt (Herzinfarkt) in enger Verwandtschaftsbeziehung (1. Grades) insbesondere bei Erkrankung der Männer vor dem 55. Lebensjahr beziehungsweise bei Frauen vor dem 65. Lebensjahr.

Zu den verhaltensbedingten Ursachen zählen die Ernährung (Fehl- und Überernährung, zum Beispiel zu hohe Kalorienzufuhr und fettreiche Ernährung), ein Mikronährstoffmangel (erhöhtes Homocystein durch Mangel an Vitamin B6, B12 und Folsäure), ein zu hoher Genussmittelkonsum, Alkohol, Tabak, Bewegungsmangel, eine unausgeglichene psychosoziale Situation sowie psychische Belastung und Stress, Übergewicht und eine ungesunde Körperfettverteilung.

Zu den krankheitsbedingten Ursachen gehören: Diabetes mellitus (Insulinresistenz), Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – diese geht im Regelfall mit einem erhöhten Cholesterin-Serumspiegel einher, auch die latente Hypothyreose ist ein Risikofaktor für die Arteriosklerose; Osteoporose – signifikanter Risikofaktor für eine koronare Herzkrankheit (KHK), dieses erklärt sich durch die Tatsache, dass die sogenannten Osteoklasten (knochen-abbauende Zellen) auch die Verkalkung der Arterien stimulieren; Depression; Parodontitis; Metabolisches Syndrom; Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck); Hyperlipidämie/Dyslipidämie – Hypercholesterinämie; Hypertriglyzeridämie.

Zu den Laborparametern, die als unabhängige Risikofaktoren/Ursachen gelten, zählen das Homocystein, das Lipoprotein (a), das Apolipoprotein E in seinem Genotyp 4 (ApoE4), das Fibrinogen sowie das sogenannte CRP.

Weitere Ursachen können mögliche Infektionen mit Chlamydien oder chronische Infektionen, beispielsweise im Urogenitaltrakt oder Respirationstrakt, sein. Das gleichzeitige Vorhandensein mehrerer Risiken oder Ursachen potenziert das Arteriosklerose-Risiko.

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