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Die Sache mit den Knöllchen am Sonntag

veröffentlicht am 28.12.2009 um 20:59 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Von Birte Wulff

Hameln. Da fährt man fröhlich los, shoppt und schiebt sich so durch, freut sich über geschlagene Schnäppchen – und ärgert sich auf der Heimfahrt nur noch darüber, dass man der Stadt auch noch 35 Euro zahlen muss? „Keine gute Visitenkarte, die Hameln hinterlässt“, befindet Holger Wellner vom Einzelhandelsverband, nachdem die Stadt am verkaufsoffenen Sonntag Knöllchen verteilt hat. Das Ordnungsamt aber sieht sich in der Pflicht, genau das zu tun, um „eine Mindestordnung sicherzustellen“, heißt es.
 An Tagen wie diesen werde schon nur in abgespeckter Version verwarnt, und die Mitarbeiter seien angehalten, an etlichen Stellen beide Augen zuzudrücken, gibt der Abteilungsleiter für Ordnung und Straßenverkehr, Norbert Tegtmeyer, zu verstehen. Der normale Falschparker, wie er ihn nennt, sei bereits links liegen gelassen worden. Sprich: Im eingeschränkten Halteverbot hätten die Besucher ungestraft parken können, ebenso hätten sie keine Parkscheibe auslegen müssen. Doch die, die Feuerwehrzufahrten blockieren, Behinderten die Parkplätze weggenommen, im absoluten Halteverbot gestanden oder Radfahrer und Fußgänger dazu gebracht hätten, auf die Straße auszuweichen – die waren dran.
 77-mal haben vorgestern zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes Scheibenwischer angehoben und fordernde Zettelchen druntergeklemmt. „Sehr wenig“, beteuert Tegt-meyer, gemessen am jährlichen Knöllchenaufkommen. Zwischen 50 000 und 55 000 Stück würden Jahr für Jahr verteilt, im Tagesdurchschnitt also 136 bis 150. Welche Summe nun der Stadt nach dem verkaufsoffenen Sonntag zufließt, wusste Tegtmeyer gestern noch nicht. Legt man zugrunde, dass „mit Fingerspitzengefühl verwarnt wurde“ und nur die Härtefälle zur Kasse gebeten werden, könnten dabei unterm Strich 2695 Euro bei rauskommen. 35 Euro nämlich kostet das Falschparken an den oben genannten Plätzen. Dass dabei aber nicht das Geld die Rolle spielt, sondern die Wahrung der Sicherheit im fließenden Verkehr, ist Hauptargument der Kommunen für die Kontrollen auch an Sonntagen. „Ich kann nicht immer Rücksicht nehmen auf die Leute, die einkaufen wollen“, meint Tegtmeyer, „wir müssen alle Verkehrsarten gegeneinander abwägen.“ Die Feuerwehr muss durchkommen, die Busse müssen durchkommen – „das ist in der Papenstraße ein Problem“, nennt Tegtmeyer einen neuralgischen Punkt – andere Verkehrsteilnehmer dürften einfach nicht behindert werden. Die Öffis kennen das – deren Fahrer meldeten an die Polizei, wenn sie behindert werden. Vor allem an Bushaltestellen wie am Kastanienwall/Ecke Emmernstraße werde ganz gerne mal geparkt, sagt Sprecherin Astrid Reinbach, oder an der Haltestelle Friedhof/Deisterstraße. Viele Autofahrer wüssten gar nicht mehr, dass 15 Meter vor und hinter Haltestellen nicht geparkt werden dürfe.
 Doch was nützt da die Verwarnung? Wo kein Durchkommen ist, macht ein Strafzettel den Weg doch auch nicht frei … Er habe aber Signalwirkung, die letztlich sogar verhindere, dass abgeschleppt werden müsse, entgegnet der Ordnungshüter. Denn: Habe einer einen an der Scheibe kleben, würden sich andere hüten, sich noch dahinterzustellen. Und zum angeordneten Abschleppen, was jährlich „mehrere Dutzend Male passiert“, sei es am Sonntag nicht gekommen.
 Das angesichts des Andrangs an einigen Tagen – verkaufsoffene Sonntage oder der sogenannte „Lippertag“ zu Fronleichnam und Allerheiligen – wieder ein kundenfreundlicher und knöllchenfreier Park-and-Ride-Service, zum Beispiel vom BHW-Parkplatz ausgehend, eingerichtet wird, scheint unwahrscheinlich. Tegtmeyer blickt zurück: „Der Service der KVG wurde eingestellt, weil er von den Leuten kaum noch angenommen wurde.“
 Hameln ist übrigens nicht allein in der Rolle des Spielverderbers für falschparkende Kunden: Auch in Celle könnte man an verkaufsoffenen Sonntagen Strafzettel kassieren, sagt die dortige Stadtsprecherin Myriam Meißner.



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