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Schweinegrippe: Zahl der Erkrankten in der Region steigt rapide – Lieferung von Impfstoff stockt

„Die richtige Infektionswelle kommt noch“

Hameln. „Wir sind am Wochenende überrannt worden. So viele Patienten innerhalb von 48 Stunden hatten wir noch niemals zuvor. Das ist Rekord“, sagt der Koordinator der Ärztlichen Notfallpraxis in Hameln, Reinhold Klostermann, und belegt seine Aussage mit Zahlen: „Unter den 200 Patienten, die von unseren drei Ärzten untersucht und behandelt wurden, waren 160, die unter den typischen Influenza-Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten und Durchfall litten.“ Die Notfallpraxis musste vergrößert werden. „Wir haben rasch die Infusionsräume zu Sprechzimmern umfunktioniert und zur Verstärkung des Teams einen zusätzlichen Hausarzt eingesetzt“, sagt Klostermann.

veröffentlicht am 10.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Besteht der Verdacht, dass ein Patient an der Schweinegrippe erkrankt ist, führt der Arzt in der Regel einen Rachenabstrich durch. Dieser wird an das Hamelner Partnerschaftslabor für Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie geschickt. Innerhalb eines Tages liegt das Ergebnis vor.

In Hameln und in Göttingen gibt es nach Angaben von Dr. Ludwig Grüter die einzigen Labors, die die Proben aus den Praxen der niedergelassenen Ärzte analysieren. „Pro Tag erreichen uns zurzeit zwischen 300 und 500 Abstriche. Die Hälfte stammt aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont“, sagt der Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. 20 Prozent der Proben würden positiv getestet. Zum Vergleich: In der ersten Welle im August bearbeitete dasselbe Labor 50 Abstriche pro Tag, hatten nur 5 Prozent der Untersuchten die „neue Grippe“. Um die vielen Proben fristgerecht abarbeiten zu können, müssen die Hamelner bereits einen Teil der Abstriche per Kurier an ein Kooperationslabor in Dessau schicken.

Nicht nur der Impfstoff wird inzwischen knapp, auch Verbrauchsgüter wie Schutzkittel sind Mangelware. „Overalls haben wir anfangs getragen, können wir aber nicht mehr überziehen“, sagt der Koordinator der Notdienst-Praxis, Reinhold Klostermann. Die Industrie komme mit der Produktion nicht mehr nach.

Ähnlich sieht es offenbar beim Impfstoff-Hersteller aus. „Wir sollten bis zum heutigen Tag eigentlich 600 000 Impfdosen erhalten haben. Tatsächlich waren es landesweit nur 388 000“, sagt Dr. Uwe Köster von der Hauptgeschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) und merkt kritisch an: „Alle Impfwilligkeit nützt nichts, wenn es nicht genug Impfstoff gibt.“ 200 000 Impfdosen sollten laut Köster pro Woche nach Niedersachsen geliefert werden. Die Realität sieht anders aus. „Mal waren es 150 000, mal nur 82 000“, sagt Köster.

Die Anzahl der Todesfälle in Deutschland ist inzwischen auf neun gestiegen. „Weitere Todesfälle waren bei einem Anstieg der Fallzahlen der neuen Grippe A/H1N1 in Deutschland zu erwarten“, teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) mit – und prognostiziert: „Dabei muss auch davon ausgegangen werden, dass wie in anderen Ländern auch Todesfälle bei Patienten ohne relevante Vorerkrankungen auftreten werden. Mit zunehmenden Fallzahlen, die sich derzeit abzeichnen, wird auch die Anzahl von Fällen mit schwererem Verlauf zunehmen.“ Bis zum 5. November sind in Deutschland 40 271 Fälle von Schweinegrippe registriert worden. Auch in Hameln-Pyrmont stieg die Zahl an: Seit Beginn der Ausbreitung der neuen Influenza ist die Zahl der Erkrankten gestern kreisweit laut Gesundheitsamt auf 363 Fälle gestiegen. Am Vortag waren es noch 274. Der Hamelner Mikrobiologe und Infektionsepidemiologe Dr. Ludwig Grüter sagt voraus: „Die richtige Welle kommt noch – sie zieht von Bayern hoch.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen hat auf ihrer Homepage www.kvn.de eine Liste der impfwilligen Ärzte veröffentlicht. Sie werde zwar regelmäßig aktualisiert, dennoch sei sie nicht vollständig, sagt Dr. Köster. Grund: „Es gibt Ärzte, die wollen nicht draufstehen, andere haben wir schlichtweg nicht erfasst.“

Für Hameln listet die KVN folgende Praxen auf:

Dr. P. Schulte, Osterstraße 51, Tel. 05151/ 941270

M. Samai-Theine, Thiewall 9, Tel. 05151/ 22003 (Kinderarzt)

H. Hansel, Wettorstraße 11, Tel. 05151/22271

Annette Magdu / Dr. Trapp-Dammaschke, Wettorstraße 12, Tel. 05151/ 41694

Elke Steinmeyer, Sedan-straße 6, Tel. 05151/ 43870

Sabine Zeddies/Antje Winkelmann, Am Posthof 1, Tel. 05151/9255 00

Dr. Stefan Adolf, Osterstraße 51, Tel. 05151/7377

Dr. Peter Clajus, Breiter Weg 9, Tel. 05151/ 61015

Dr. Upmeier / Dr. Boragk, Klütstraße 4, Tel. 05151/ 66839

Dr. Hermann Niederhut, Quellenweg 1, Tel. 05151/ 57 170

Dr. F.-J. Haxter, Brückenstraße 22, Tel. 05151/ 963287

So sah es bis vor kurzem in der Praxis des Ärztlichen Notdienstes in Hameln aus: Der Hausarzt schützt sich mit Overall, Maske und Handschuhen. Inzwischen sind die weißen Anzüge ausverkauft. Patientin Michaela Nagel konnte nach der Untersuchung aufatmen – sie laborierte lediglich an einer Mandelentzündung.Foto: ube

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