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Wie die „Möblierung“ der Fußgängerzone Stadtplanerin Michaela Klank vor Probleme stellt

Die permanente Suche nach Kompromissen

Hameln (ni). „Wie schön“, haben sich die einen gefreut – und andere sich mit Grausen abgewendet von den mit roten Geranien bepflanzten Terrakotta-Imitaten aus Plastik, die da plötzlich auf den Stufen der Hamelner Hochzeitshaus-Terrasse standen. Still und leise hatte sich ein Stück Balkonidylle in den öffentlichen Raum eingeschlichen, der gerade erst von allem möglichen Klimbim entrümpelt worden war. Hamelns Stadtplanerin Michaela Klank gefiel dieser Rückfall in alte Zeiten ganz und gar nicht. Sie ließ die popelige Blumendeko wieder verschwinden und verteidigte mit dem Abräumen der Kästen nicht nur die Ästhetik der freien Fläche, sondern auch das Konzept für Hamelns neue Fußgängerzone. „Weniger ist mehr“ heißt das Credo, mit dem den schönen Fassaden der alten Häuser Respekt gezollt wird. Die Straßen müssen zurücktreten, damit sie ihnen nicht die Schau stehlen.

veröffentlicht am 25.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 03:21 Uhr

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Dass das neue Pflaster ein Gewinn ist, bestreiten inzwischen selbst eingefleischte Gegner der Sanierung nicht mehr. Und an der strengen, sparsamen „Möblierung“ der Straßen und Plätze nimmt mittlerweile auch kaum noch jemand Anstoß. Hin und wider eine Klage, die Bänke seien ein bisschen unbequem; hier und da ein Meckern, weil sich‘s mit den neuen Pumps auf dem Granit nicht so gut gehen lässt wie auf Parkett. Aber ganz überwiegend die schlichte Feststellung: „Es ist schön geworden.“

Doch trotz der allgemeinen Zustimmung angesichts der bereits fertiggestellten Abschnitte: Ein Selbstläufer ist der weitere Prozess der Erneuerung deshalb noch lange nicht. Für die verantwortlichen Planer gehen die Probleme weiter, wenn das Pflaster liegt und obwohl auf dem Papier längst festgelegt ist, wo ein Baum gepflanzt, ein Bank aufgestellt oder ein Papierkorb platziert werden soll. Dieser Plan mit allen Details zur Ausstattung der Fußgängerzone „verändert sich laufend“, sagt Klank und erklärt, warum es oft nicht gelingt, den Entwurf eins zu eins umzusetzen. Die Vitrine des Museums zum Beispiel sollte ursprünglich einen anderen Standort haben, nämlich „viel dichter am Gebäude“, Dort passte sie aber wegen ihres ausgreifenden Betonsockels nicht hin und musste darum weiter Richtung Straßenmitte wandern. Auch für einen Baum musste ein neuer Standort gesucht werden. Da, wo er eigentlich stehen sollte, „war er nicht zu pflanzen, weil er dann direkt auf einer Gasleitung gestanden hätte. „So etwas weiß man bei der Planung einfach noch nicht. Das sieht man erst, wenn der Boden aufgemacht ist“, erläutert Klank.

Auch der Baum musste an einen anderen Platz rücken, was aber nicht einfach zu bewerkstelligen war. Denn erstens galt es eine Stelle zu finden, an der es keinen Konflikt mit irgendwelchen Leitungen gab. Und zweitens sollten auch die Anlieger mit dem Baum vor ihrem Haus einverstanden sein.

„Wir versuchen, auf die Wünsche der Anwohner zu reagieren“, umschreibt die Stadtplanerin das schwierige Geschäft der permanenten Suche nach Kompromissen. Manchmal stehe aber auch am Ende intensiver Gespräche mit Hausbesitzern und Geschäftsinhabern nur ein Ergebnis mit Abstrichen. Selbst aus scheinbar so einfach zu beantwortenden Fragen wie die der „richtigen“ Platzierung der unauffälligen Abfallbehälter könnten sich da schon mal längere Verhandlungen entwickeln. Denn obwohl niemand die Papierkörbe überflüssig finde, „möchte sie keiner vor seinem Haus haben“.

Genau so problematisch: geeignete Standorte für die Fahrradständer zu finden, die nach Klanks Überzeugung „eigentlich nichts in der Fußgängerzone zu suchen haben, die wir auf ausdrücklichen Auftrag der Politik aber unterbringen müssen“. Und zwar in der gleichen Anzahl, wie vor der Sanierung. Klanks Erfahrung aus den vergangenen Monaten: Da, wo die Planer die Ständer gern hätten, sind sie nur selten willkommen. Da, wo sie aus stadtplanerischer Sicht weniger gut aufgehoben sind, wären sie gern gesehen.

Was die Bepflanzung der Blumenbeete angeht, die in der Osterstraße bislang nur an ihrer steinernen Einfassung zu erkennen sind, will sich die Verwaltung gar nicht erst auf ausufernde Diskussionen einlassen. Die Entscheidung ist gegen die bisher übliche kunterbunte Sommermischung aus Fleißigen Lieschen, Petunien und Calla ausgefallen und für eine farblich harmonische Dauerbepflanzung mit Lavendel, weiß blühendem Storchschnabel, Kanadischem Hartriegel und weißen Tulpen als Frühblüher.

Auch über das Aufstellen der Papierkörbe muss verhandelt werden.

Foto: Wal



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