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Johannas Schicksal bewegt heute noch

Die Päpstin – ein Skandal und seine Geschichte

Hameln. Dass Frauen Karriere machen, in Führungsetagen aufsteigen, Chefin werden – heutzutage alles ganz normal, wenn auch noch immer nicht alltäglich und selbstverständlich. Aber Päpstin? Undenkbar. Selbst im 21. Jahrhundert. Noch unglaublicher, dass vor über 1000 Jahren ausgerechnet eine Frau den Heiligen Stuhl bestiegen haben soll und in Männerkleidung den Vatikan eroberte. Der Stoff, aus dem man spannende Geschichten webt. Und Filme macht. Oder ein Musical.

veröffentlicht am 13.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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„Die Päpstin“, 2011 in Fulda uraufgeführt, zieht seither als Musical das Publikum in den Bann. Grundlage bildet der historische Roman der US-Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross aus dem Jahr 1996. Im Fokus: die legendäre Päpstin Johanna. Vom 18. August bis 16. September ist das Musical Highlight des Münsterjubiläums in Hameln. Zuvor aber will das ZDF am Ostermontag um 19.30 Uhr in einer aufwendigen Dokumentation „Das Geheimnis der Päpstin“ lüften und einen Skandal und seine Geschichte unter die Lupe nehmen.

Eine Frau regiert im Vatikan und ist Herrscherin über einen großen Teil der Christenheit. Sie meistert alle Hindernisse einer Männergesellschaft. Ein Stoff, der ganz heutig und modern ist, findet Dr. Reinold Hartmann, Leiter der Redaktion Kirche und Leben beim ZDF: „Er ist noch immer so ungewöhnlich, dass das Rechtschreibprogramm meines Computers das Wort Päpstin ständig unterstreicht: Nicht vorgesehen und deshalb nicht akzeptiert.“

Doch es gab die Päpstin über Jahrhunderte weg, stellt Hartmann fest und verweist unter anderem auf die Aufzeichnungen des Dominikaner-Mönches Martin von Troppau aus dem 13. Jahrhundert und auf die Papstbüste in einer römischen Kirche. „So märchenhaft und so monströs ist der Aufstieg des jungen Mädchens zur Päpstin, so glühend die Bewunderung und so heftig die Ablehnung, dass die Frau historische Gestalt annimmt. Sie wird tatsächlich zur Projektionsfläche von Sehnsucht und Abscheu.“ Ob als anmaßende Grenzüberschreiterin oder weibliche Identifikationsfigur – im Spiegel der historischen Quellen würde sie historische Wirklichkeit bekommen: „Gerade auch, wenn die Existenz der Päpstin Johanna geleugnet wird“, spinnt Hartmann den Faden weiter, fragt: „Gab es die Päpstin also wirklich?“ und gibt gleich selbst die Antwort: „Natürlich gab es sie.“ Seine Erklärung: „Die Kategorie des Historischen im Sinn des rein faktischen Vorhandenseins greift zu kurz, denn nicht allein das, was tatsächlich da ist, zählt, sondern was unsere Sehnsucht wünscht und wovor wir Angst haben, das bestimmt den Lauf der Geschichte.“ Diese Kräfte, dieses Drehmoment der Geschichte, wolle die ZDF-Dokumentation sichtbar machen. Eine Suche nach Spuren, nach Indizien, Beweisen und Belegen. Aber auch eine Suche nach den Antriebskräften und Beweggründen, die aus einer Frau die Heldin auf dem Heiligen Stuhl machen oder die anrüchige Skandalfrau. „Heute suchen wir das Emanzipationsdrama und streben nach Gerechtigkeit und Gleichberechtigung in Gesellschaft und Kirche“, sagt Hartmann: „Deshalb sehen wir in Johanna ein so modernes und bewegendes Schicksal.“

Dem Geheimnis der Päpstin auf der Spur ist eine ZDF-Dokumentation, die nach Indizien, Beweisen und Belegen sucht. Sie wird Ostermontag ausgestrahlt. Am 18. August hat dann das Musical „Die Päpstin“ in Hameln Premiere.

Foto: ZDF/ Roland Breitschuh



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