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Das Warten könnte Anfang 2018 ein Ende haben

Die Odyssee der Bücher-Zelle

Anfangs waren die Grauschnäpper schuld: Als Ersatz für den morschen Bücherschrank der Pfadfinder will die Stadt seit Anfang 2015 eine englische Telefonzelle aufstellen. Das Vorhaben klang ziemlich einfach – schon am Anfang gab es aber ein Problem: Ein Vogelpärchen hatte sie für seine Familienplanung auserkoren und angefangen darin zu brüten.

veröffentlicht am 07.12.2017 um 17:30 Uhr

Die Bücher-Telefonzelle – hier ein Archivbild – ist immer noch nicht ganz fertig. Foto: dana
Jens Spickermann

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Deshalb hieß es erst einmal: warten, bis der Nachwuchs flügge ist. Inzwischen dürften die Grauschnäpper längst Großeltern sein, doch die Hamelner warten noch immer auf die Bücher-Zelle. Immer wieder erreichten die Dewezet Anfragen, wann es denn endlich so weit sei. Wo bleibt die Zelle denn nun? Es ist eine endlose Geschichte: Die Pfadfinder hatten ursprünglich einen Holzschrank vor der Marktkirche aufgestellt, der zum Tauschen von Büchern diente. Wer ausgelesene Bücher loswerden wollte, konnte sie dort hineinstellen, wer auf der Suche nach neuem Lesestoff war, konnte sich dort bedienen.

Leider war der Schrank nicht besonders witterungsbeständig, wurde 2014 für den Weihnachtsmarkt abgebaut und wegen seiner Schäden nicht wieder aufgestellt. Eine Alternative schien schnell gefunden: Die englische Stadt Torbay hatte Hameln die charakteristisch-britische Telefonzelle geschenkt, die lange Zeit in der Innenstadt stand und als geeigneter, weil witterungsbeständiger, Aufstellort für die Bücher erschien. Nach dem Auszug der Grauschnäpper sollte die Telefonzelle deshalb aufgehübscht und umgebaut werden – ein Großprojekt, das natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen kann: Wie beim Berliner Flughafen hat sich die Fertigstellung immer weiter verzögert. Die Generalüberholung der Telefonzelle übernahmen Jugendliche vom Kulturzentrum Regenbogen, zusammen mit Betriebshof-Mitarbeitern. Das Problem: Die Jugendlichen hatten nicht immer Lust, die Mitarbeiter des Betriebshofes nicht immer Zeit. Erneuern mussten die Projektteilnehmer vieles: die Glasscheiben, den Boden, den Anstrich und natürlich die Regale mussten sie einbauen.

Zwar ist sie noch immer nicht fertig, dafür aber schon weit herumgekommen: Aus England stammend, in der Hamelner Fußgängerzone verrostet, auf dem Regenbogen-Grundstück aufbereitet, zog die Telefonzelle auf den Betriebshof der Stadt um, wo sie zurzeit ihr Dasein fristet.

Der finale Aufstellort – offenbar ein Politikum. Mehrere Abteilungen der Verwaltung seien an dem Projekt beteiligt, heißt es aus dem Rathaus. Deshalb habe die Standortsuche etwas länger gedauert. Der Pferdemarkt kam nicht mehr in Frage – wegen der häufigen Veranstaltungen in der Innenstadt. Vor dem FiZ solle die Telefonzelle aufgestellt werden, so die Überlegung. Nach umfangreicher Prüfung mehrerer Standorte steht der Zielort der Bücher-Zellen-Odyssee nun fest: die Stirnseite des Rathauses am Kastanienwall. Dort könne die Zelle auch gut kontrolliert werden, schreibt die Stadt.

Die gute Nachricht: Im ersten Quartal 2018 könnte sie tatsächlich fertig sein. Es müsse noch eine Bodenplatte gegossen werden, das gehe nur, wenn es längere Zeit keinen Frost gibt, heißt es. Nun gilt also erst einmal: warten auf besseres Wetter und hoffen, dass kein Grauschnäpper einzieht.

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