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Fahrradbeauftragter Lars Reineke über sein neues Amt, Pläne und das Abgasverbot

„Die meisten Autofahrten sind unsinnig“

HAMELN. Seit Januar ist Lars Reineke der neue Fahrradbeauftragte der Stadt Hameln. Der Posten scheint maßgeschneidert für den leidenschaftlichen Radfahrer. Reineke hat nicht nur eine neue Website auf der er regelmäßig über seine Tätigkeiten berichtet, sondern auch viele Ideen und konkrete Pläne für eine fahrradfreundliche Stadt.

veröffentlicht am 24.02.2018 um 14:13 Uhr
aktualisiert am 24.02.2018 um 15:00 Uhr

Wenn er mit dem Zug fährt, nimmt Lars Reineke sein Faltrad mit, das kostet nichts extra. Es ist nur eines von mehreren Fahrrädern. Foto: doro
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Lars Reineke ohne Fahrrad, das ist wie Frühling ohne Mai. Egal, ob zum Vergnügen, zur Arbeit oder zum Einkaufen – der Fahrradbeauftragte der Stadt Hameln ist fast immer mit dem Rad unterwegs. Seit Januar arbeitet er eine Art Liste mit 10 kleineren und größeren Projekten ab, und er hat Visionen. Umso mehr, seit das Fahrverbot für Städte mit zu hoher Abgasbelastung droht.

Das Verbot wäre für Reineke allerdings „Ultima Ratio“, obwohl autofreie Städte für ihn einen großen Reiz hätten. „Aber es trifft die Falschen“, sagt er. Besser sei es, Fahrverbote zu vermeiden. Zum Beispiel durch unsinnige Autofahrten. „Gerade mal acht Prozent der Autofahrer wollen durch Hameln durch, und nur 22 Prozent der Fahrten sind über fünf Kilometer“, sagt Reineke. „Andersrum gesagt: 78 Prozent sind nicht nötig.“ Die Angaben stammen zwar aus dem Rahmenplan Verkehr für die Stadt Hameln aus dem Jahr 2012 – aber im Kern dürfte sich am Verhältnis wenig geändert haben. Angesichts des überschaubaren Durchgangsverkehrs findet Reineke auch die Südumgehung für verzichtbar.

In der Deisterstraße, Hamelns Hotspot für dreckige Luft, hält er die Reduzierung auf eine Spur in jede Richtung für machbar, inklusive einer Radspur natürlich, „der Platz wäre da.“ Beim nächsten Treffen der Fahrradbegleitkommission im April werde die Abgasproblematik das Hauptthema sein. Es geht um den Fahrradanteil für den Masterplan, mit dem die Kommunen das drohende Fahrverbot vermeiden wollen. Neben anderen Stadt hat auch Hameln 190000 Euro vom Bundesverkehrsministerium erhalten, um mit Experten Vorschläge für bessere Luft zu erarbeiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Reineke ein Radwegenetz. Bisher gebe es zwar Schilder, aber keine Gesamtübersicht und oftmals auch keine radfahrtaugliche, legale Verbindung der Stadtteile. Ein Problem, das oft an ihn herangetragen werde. Das Feedback auf seinen Posten sei insgesamt recht groß, sagt der Fahrradbeauftragte. „In den ersten Tagen stand das Telefon nicht still. „Viele wollten einfach ihren Frust abladen – von beiden Seiten.“ Den Radfahrern gehe es oft um neuralgische Verkehrspunkte. Da wäre zum Beispiel der Grüne Reiter, um nur einen zu nennen. „Warum nicht Dauergrün für Radfahrer, die aus Richtung Kastanienwall kommen?“fragt Reineke. Das sei besser, als zwischen Bus und Lkw zu stehen.

Wünschenswert seien auch mehr Fahrrad-Abstellanlagen. „Dass der Bedarf da ist, zeigen die Anlagen am Bahnhof, die sind komplett überfüllt.“ Reineke würde gern eine Etage des Parkdecks für Fahrräder haben. Empörten Autofahrern würde er antworten: „Jahrzehntelang ist alles für‘s das Auto gemacht worden“, was sich anfühle wie Diskriminierung sei lediglich eine Verringerung des Missstands für Radfahrer.

Mit der Verkehrsplanungsabteilung der Stadt arbeite er sehr gut zusammen. „Die Leute dort machen viel“, sagt er, doch der Rückhalt aus der Politik fehle, so der persönliche Eindruck des Grünen-Politikers.

Und was hält er von der neuen Fahrradstraße zwischen Sandstraße und 164er Ring, für die die Stadt viel Häme einstecken musste? Er findet sie gut. Weil sie die geltende Rechtslage zementiere, nämlich, das Autofahrer einen Meter Abstand halten müssen beim Überholen. Sie helfe, zu sensibilisieren.

Was wünscht er sich noch? Dass die Zufahrten zur Fußgängerzone für den Radverkehr freigegeben werden. Oder dass der alte Bahndamm vom Guten Ort in Richtung Weser ein Radweg wird. Und natürlich, dass mehr Leute auf‘s Rad steigen. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran, kauft sogar mit Anhänger für‘s Wochenende ein. Wenn er in den Zug steigt, hat er sein Faltrad dabei, das kostet nämlich nicht extra, und im Winter fährt er ein Rad mit Spikes.

Einen Helm trägt übrigens nur, wenn er mit seiner Tochter unterwegs ist, die Straßenverhältnisse schlecht sind oder er vorhat, eine steile Abfahrt zu nehmen. Ansonsten findet er ihn lästig.

Einen ersten Erfolg kann Reineke schon verbuchen: Die Stadtwerke haben zugesagt, auf den Verkehrsinformationstafeln an den Ortseingängen Autofahrer vor typischen Fehlern zu warnen: „Beim Parken: Vor dem Türöffnen auf Radfahrer achten“, könnte darauf bald stehen.
Auf der Seite www.radverkehr-hameln.de berichtet Lars Reineke regelmäßig über seine Tätigkeiten.



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