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Die Kultur muss sparen - und nun?

veröffentlicht am 23.10.2009 um 21:11 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

theater


 „Es muss für jeden die Möglichkeit geben, ins Theater zu gehen“, macht sich die Theaterdirektorin Starke vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung dafür stark, nicht erneut an den Eintrittspreisen zu drehen. In der vergangenen Spielsaison hatte es gerade eine Anhebung gegeben, sodass die teuerste Karte jetzt 26 und die günstigste 10 Euro kostet. Würden die Preise weiter angehoben, sänken auch die Einnahmen, weil mehr Besucher auf die günstigere Kategorie auswichen, so Starkes Rechnung. Ergo: Es müssen aus ihrer Sicht Stellschrauben gefunden werden, die die Besucherzahlen stabil halten (40 000 waren es in der vergangenen Spielsaison) und andererseits den Forderungen nach Einsparungen gerecht werden. „Das eine oder andere weglassen“, ist ein Ansatz. Dabei solle das Theater aber in seiner Grundkonzeption nicht beschnitten werden: Oper, Operette, Schauspiel und Tanztheater sowie Konzerte und Jugendtheater – die Bandbreite wolle sie beibehalten, so Starke. Sprich: eine Sparte zu streichen, kommt für sie nicht infrage. Auch nicht die personalkostenintensive Oper. „Ich versuche ja gerade, die Oper zu stützen“, sagt Starke über ihre Schwerpunkte. Der zweite Ansatz ist, günstigere Anbieter zu finden, ohne merklich an Qualität einzubüßen. Etwa 40 000 Euro gilt es, im nächsten Jahr am Theater einzusparen.
 Weniger Theater-Interessierte könnten die ketzerische Frage stellen, ob Hameln nicht auch ohne Theater auskäme und die Stadt damit auf Schlag 1,4 Millionen Euro an freiwilligen Leistungen einsparen könnte? Dorothee Starke stellt die Gegenfrage: „Kann Hameln es sich denn leisten, kein Theater zu haben?“ Das Theater sei immer noch ein fürs Gemeinwesen unerlässlicher Ort mit kulturellem Bildungsauftrag und eine Begegnungsstätte, deren Darbietungen in der Stadt für Diskussionen sorgen soll. Und die Landeshauptstadt Hannover mit ihren zahlreichen Theatern vor der Tür zu haben, wohin die Hamelner bei drastisch reduziertem Programm ausweichen könnten, sieht sie nicht als Alternative. „Eine Stunde Fahrtzeit ist viel“, so Starke. Protest gegen die Kürzungen erhebt sie nicht und zeigt auch nicht mit dem Finger auf andere. „Wenn alle jetzt einsparen müssen, dann auch wir.“
 Auch für die Jugendkunst- und die Jugendmusikschule gibt es nächstes Jahr kein „Weiter so“. Bernd Dormann beispielsweise, stellvertretender Leiter der Jugendmusikschule, die mit 15 000 Euro weniger auskommen soll, erklärt, dass „wir das ein Jahr lang durchhalten“, aber mittelfristig würde das nicht gehen. Verzicht auf die Anschaffung neuer Noten und neuer Instrumente sei angesagt, und auch notwendige Reparaturen der Instrumente müssten gegebenenfalls warten. Herrscht der Sparzwang länger als ein Jahr lang, könne es für die Schule schwierig werden, die Fortentwicklung der Schüler zu gewährleisten, wenn statt neuer Stücke immer nur bekannte Noten auf den Notenständer kämen. „Ob das funktioniert“, das mit den Einsparungen im beweglichen Vermögen, bleibt abzuwarten, macht Dormann deutlich. Es dürfe nichts dazwischen kommen. Und was eine mögliche Gebührenerhöhung anbetrifft: Da ist nach Dormanns Einschätzung die Schmerzgrenze der Eltern schon erreicht.
 Die Kürzungen in den Kommunen im Bereich Kultur hat unlängst der Deutsche Kulturrat kritisiert, nachdem bekannt geworden war, dass Köln 22 Prozent der kulturellen Mittel streichen will. Der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmer hatte daraufhin gefordert, öffentliche Gelder für Kultur zur Pflichtaufgabe zu machen.



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