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Seit 1934 bekommen die Schulen Unterrichtsfilme / Schritt gehalten mit technischer Entwicklung

Die Kreisbildstelle und ihre Medien-Schätze

Von Ernst August Wolf

veröffentlicht am 06.02.2009 um 19:24 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 13:21 Uhr

In der „Schatzkammer“ der Kreisbildstelle: Detlef Sc
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Hameln. Nicht nur erfahrene Pädagogen und versierte Werbefachleute wissen: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Bilder haften länger im Gedächtnis als Gelesenes oder Gehörtes. Seit nunmehr einem Dreivierteljahrhundert versorgt die Kreisbildstelle Hameln-Pyrmont ihre Kunden deshalb mit bewegten Bildern. Zu ihren Nutzern gehören Kindergärten, Schulen, aber auch Bildungsträger wie Volkshochschulen, Kirchen, Feuerwehren, Behörden und eingetragene Vereine.

„Alles fing im Dezember 1934 in einem Privathaus in Aerzen mit 400 Filmen an“, erklärt Detlef Schmalisch. Der 52-Jährige bildet zusammen mit Karolin Markmann und Renate Morawsky das „Team der Kreisbildstelle“. Nach Zwischenstationen in Emmerthal, im Wilhelm-Busch-Haus in der Hamelner Fischpfortenstraße und am Berliner Platz residiert die Kreisbildstelle nach der Fusion mit der Stadtbildstelle seit 1994 auf knapp 480 Quadratmetern im kreiseigenen Gebäude am Stockhof.

Die „Drei von der Bildstelle“ verwalten mehr als dreieinhalbtausend Filmspulen, insgesamt 14 160 Medien, von Tonband und Dia-Reihe bis zur DVD, stellen die Versorgung der Schulen mit Medien sowie den dazugehörigen Gerätschaften sicher. Ein Blick in den „Regie“- und Geräteraum fördert wahre Schätzchen zutage, etwa den Projektor-Klassiker, den grünen, Anfang der 60er Jahre von Siemens & Halske konstruierten „Siemens 2000“-Lichttonprojektor, bei dessen Knattern sich schon viele Schülergenerationen an 16-Millimeter-Tonfilmen erfreuten. Aber auch museumsreife, jedoch penibel gepflegte alte Philips-Tonbandgeräte stehen im Regal. Sogar mit 700 heute kaum noch verwendbaren Super-8-Filmen kann die Bildstelle aufwarten.

Daneben aber ist der Gerätepark auch mit Medien-Hightech bestens ausgestattet: DVD-Player, VHS-DVD-Kombigeräte, Lautsprecher, Beamer und Leinwände unterschiedlichster Formate stehen zur Verfügung. Auch modernste Schnitttechnik kann von Schülern und Lehrern zur Bearbeitung eigener Filmproduktionen nach Absprache eingesetzt werden. Die Vor-Ort-Recherche der Nutzungsberechtigten ist ebenso EDV-gestützt wie die Sichtung einzelner Medien und die Online-Recherche via Internet. Dort ist die Kreisbildstelle über das Portal des Landkreises zu erreichen.

„VHS-Kassetten sind derzeit der Renner“, so Schmalisch. Rund die Hälfte der 7000 Ausleihvorgänge pro Jahr entfallen auf dieses Format, 70 Prozent werden im Bereich der „Sekundarstufe I“ genutzt. Doch auch Uraltmaterial wie der 16-Millimeter-Film „Pamphi an der Druckknopfampel“ wird noch angeboten. „Seit acht Jahren haben wir aber keine 16-Millimeter-Filme mehr angeschafft. In zwei bis drei Jahren wird das Format nicht mehr gefragt sein“, ist Schmalisch überzeugt.

Die großen Bestände von teilweise mehr als 40 Jahre altem, historisch wertvollem 16-mm-Material jedoch harren bislang vergeblich einer Digitalisierung. „Viel zu aufwendig und teuer“, bedauert Schmalisch. Für Thomas Garzke, den Experten für historisches Filmmaterial am Niedersächsischen Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung (NILS) in Hildesheim, droht dadurch landesweit ein „kulturhistorischer Verlust“. Die Hamelner Bildstellen-Mitarbeiter müssen sich inhaltlich und technisch ständig auf den Laufendem halten.

Ganz gleich, ob Spiel- oder Unterrichtsfilm, Schüler-Eigenproduktion oder Mitschnitt aus dem Schulfernseh-Monitordienst der Bildstelle, das angesagte Speichermedium ist derzeit die DVD. Für rund die Hälfte des 50000 Euro-Jahresetats sind im vergangenen Jahr 136 neue DVD-Silberlinge beschafft worden.

Medienpädagoge

fehlt noch immer

Während sich Detlef Schmalisch um Schulungen an Geräten kümmert, Karolin Markmann die Ausleihe managt und Renate Morawsky sich um Neuanschaffungen Gedanken macht, liegt der Bereich der „Medienberatung und -pädagogik“ derzeit im Argen. Clemens Gebauer vom Fachdienst 37 (Schulen) bedauert, dass „sich das Land nicht in der Lage sieht, die Versorgung mit Medienpädagogen sicherzustellen“. Gebauer: „Zwar sucht das Land Lösungen, doch mehrfache Ausschreibungen blieben bisher fruchtlos.“ Eine Verzahnung mit dem Bereich Jugend- oder Jugendmedienschutz wäre für Gebauer eine überdenkenswerte Perspektive und für die Kreisbildstellen-Bediensteten eine wichtige Entlastung.

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