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Deshalb ziehen Hamelner Buchhändler um, fusionieren mit Cafés und setzen auf Veranstaltungen

Die Konkurrenz schläft nicht

Hameln. Der Buchmarkt ist hart umkämpft. Rund 6000 Händler gibt es bundesweit noch – Tendenz sinkend. Größter Feind der traditionellen inhabergeführten Buchhandlung ist der Internethandel, allen voran Amazon. Das ist auch in Hameln nicht anders. Um den Anschluss nicht zu verlieren, werden Händler vor Ort kreativer. Sie ziehen in bessere Verkaufslagen, locken mit außergewöhnlichen Aktionen und fusionieren sogar mit Gastronomen.

veröffentlicht am 31.03.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Für ein Literaturcafé will sich jetzt Cornelie von Blum, Inhaberin der Buchhandlung von Wedemeyer, auf unbekanntes Terrain wagen und Kunden doppelten Service bieten: Zur Lektüre soll es bald Heißes und Süßes geben. Das Konzept schließt den Relax Coffeeshop – derzeit noch am Pferdemarkt gegenüber der Marktkirche beheimatet – als eigenen Betreiber in den Buchladen mit ein. Der Kunde soll nicht nur kaufen, sondern sitzen, plaudern und sich bei Kaffee über Bücher austauschen. „So ist der Plan, mal schauen, wie die Hamelner es annehmen werden“, sagt von Blum. Der Neustart ist für den 2. Juni geplant, dann zieht die Buchhandlung aus der Baustraße in die Emmernstraße 20.

Einen Umzug hat Peter Peschke von der Buchhandlung Seifert bereits hinter sich. Vor fast genau einem Jahr zog er von der Deister- in die Osterstraße, weil er sich von der zentraleren Lage mehr Umsatz versprach. „Wir sind noch in der Findungsphase“ lautet das Fazit heute. Vergleichszahlen seien schwierig, weil er sich völlig neu aufgestellt hat und nun Schulbücher, Antiquariat und Bücher unter einem Dach anbiete, statt wie vorher in zwei unterschiedlichen Läden. Fakt sei, dass mehr Laufkundschaft vorbeikomme.

Je zentraler, desto besser das Geschäft – ein Effekt, den sich Cornelie von Blum auch vom Wechsel in die Emmernstraße erhofft, denn bis dorthin führt immerhin der Rattenfänger die Touristen.

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  • Cornelie von Blum bietet bald auch Kaffee an. Wal
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  • Die Buchhandlung Matthias bietet im Sommer Lesungen. Doro
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  • Die Konkurrenz schläft nicht

Das Geschäft mit den Auswärtigen ist ein wichtiger Faktor. Mitbringsel wie witzige Frühstücksbrettchen, Hamelner Glückswichtel oder das Buch aus dem Antiquariat als kreative Aufhängestation für Jacke oder Schlüssel laufen in der Bücherstube Seifert gut.

In Hameln sinken die Verkaufszahlen nach Aussage der Buchhändler insgesamt nur leicht oder stagnieren – immerhin. Bundesweit ist der Umsatz im letzten Jahr um rund zwei Prozent gesunken. Aber: Der stationäre Buchhandel verlor nur 1,2 Prozent und konnte dadurch seinen Umsatzanteil um etwa ein Prozent steigern. „Der Nutzen des Buchhandels vor Ort überwiegt gegenüber dem reinen Online-Händler – das erkennen die Kunden an“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Die Buchhandlung Matthias verzeichnete im Bereich Belletristik sogar ein Plus. Schlechter liefen dagegen Nachschlagewerke, teils auch Sachbücher, sagt Inhaber Peter Matthias.

Doch auch wenn die Buchhandlungen Boden gutgemacht haben: Auf Kunden warten und beraten reicht nicht mehr. Eine Website mit Infos und Angeboten hat die Buchhandlung Matthias schon gut seit zehn Jahren. Auch bei Wedemeyer kann man online bestellen.

Darüber hinaus wird immer mehr gewichtet, was der Online-Handel nicht kann: direkter Kontakt und Service. Zum Beispiel bei Buchbesprechungen, beim Krimifestival in Kooperation mit der Sumpfblume oder bei musikalischen Lesungen in der Wedemeyerschen Buchhandlung. „Wir sind inzwischen aktiver Kulturträger “, sagt Claudia Möhlmann, Buchhändlerin bei Matthias. Wenn im Sommer Hanns-Josef Ortheil („Die große Liebe“) und Schwester Jordana in der Buchhandlung lesen, sei das schon ein ganz besonderer Besuch.

Besonders war übrigens auch das: Einschluss nach Ladenschluss in der Buchhandlung Matthias. Den ganzen Abend schmökern, Krimis checken, mit Reiseführern in die Ferne schweifen oder einfach Buchrücken streicheln. Diesen Wunsch erfüllte ein Mann seiner lesebegeisterten Verlobten in der Traditions-Buchhandlung. Kein Scherz. Im Gegenteil, es gab sogar noch ein Picknick dazu. Was für eine schöne Idee – zumindest für sie.

Der Abend ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Art von Aktionen, mit denen Buchhändler vor Ort heute punkten können – und müssen.



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