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Mehr Grippefälle in Hameln-Pyrmont – besonders unter Schülern / Keine „Influenza-Ferien“

„Die Kinder müssen jetzt geimpft werden“

Hameln. Eine Radiomeldung sorgte gestern für Verunsicherung an so manchem Frühstückstisch: Wegen der Schweinegrippe, meldete der NDR, seien Klassen oder sogar ganze Schulen geschlossen – in Braunschweig, Hannover, Aurich und auch in Hameln. Unverhoffte Grippeferien für den Nachwuchs also?

veröffentlicht am 02.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 02:21 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Die Stadt erstickte die hier und da bei (den noch gesunden) Schülern aufkeimende Hoffnung auf ein paar freie Tage extra sogleich: Keine einzige Klasse sei geschlossen, hieß es aus dem Rathaus, nachdem alle Schulen der Stadt abgefragt worden waren. Eine Falschmeldung also. Ganz aus der Luft gegriffen war sie trotzdem nicht.

Allein in der vergangenen Woche wurde die neue Influenza H1N1 bei 40 Personen nachgewiesen – überwiegend handelte es sich um Schüler und Kinder. Da auch andere Erkältungskrankheiten und Magen-Darm-Infekte Hochsaison haben, lichten sich in manchen Schulklassen die Reihen.

Im Schiller-Gymnasium war an zwei Tagen der vergangenen Woche in einer achten Klasse kein Unterricht mehr möglich. Als nur noch wenige gesunde Schüler übrig blieben, habe man den Klassenverband aufgelöst. „Unterricht in dieser Form machte keinen Sinn mehr“, erklärt Schulleiter Andreas Jungnitz, „also wurden die Schüler auf andere Klassen verteilt.“ Eine logistische Maßnahme – wegen Virengefahr geschlossen habe man die Klasse nicht, so Jungnitz, auch wenn das hier und da vielleicht anders angekommen sei.

Letztendlich verantwortlich für die Schließung von Klassen oder einer ganzen Schule ist die jeweilige Schule selbst, in Absprache mit dem Gesundheitsamt. Dort wiederum hält man nicht viel davon, Schulen oder Kindergärten dichtzumachen: Dazu gäbe es derzeit keinen Anlass, erklärt Amtsarzt Dr. Rolf Fleischer und verweist auf die bisher milden Verläufe – zudem sei der Effekt einer Klassenschließung begrenzt: „Die Kinder treffen sich dann an anderen Orten als in der Schule.“ Fleischer möchte gerne andere Prioritäten im Kampf gegen das Virus setzen: „Wir müssen zusehen, dass die Kinder geimpft werden.“

Die Massenimpfung ist gestern in Niedersachsen angelaufen. Nachdem auch in Hameln zunächst vieles auf eine große Impfskepsis bei Patienten und auch Ärzten hindeutete (wir berichteten), waren gestern erste Anzeichen einer Trendwende zu erkennen: „Die Anmeldelisten füllen sich“, berichtete Dr. Raffael Boragk aus der Klütpraxis. Ursache seien wohl die Meldungen über ernste Verläufe in Deutschland.

Wiebke Wünkhaus-Popp, Inhaberin der Basberg-Apotheke, bestätigt den Eindruck: „Von Freitag an hat sich das Blatt schlagartig gewendet.“ Nun hätten auch viele Ärzte, die vorher skeptisch waren, Impfstoff geordert. Die ersten 500 Dosen seien an die Praxen verteilt, Nachschub bereits bestellt. Die Brücken-Apotheke und die Alte Hof-Apotheke in Bad Pyrmont melden eine ähnlich große Nachfrage.

In manchen Fällen kommt jedoch der Impfstoff zu spät: Für Levent Karadeniz aus Bad Pyrmont begann eine wahre Apotheken-Odyssee, als bei seinem zehnjährigen Sohn Baran die neue Influenza diagnostiziert wurde. „Tamiflu Suspension“ stand auf seinem Rezept. Allein: Die wasserlösliche Pulvervariante des Grippemittels ist derzeit nicht mehr lieferbar. Nach stundenlanger vergeblicher Suche in Pyrmont, Lügde und Hameln wurde ihm schließlich im St.-Ansgar-Krankenhaus in Höxter weitergeholfen. „Das kann doch nicht sein, dass wir so schlecht auf die Grippe vorbereitet sind“, ist der Vater noch immer aufgebracht.

Dabei war, pharmazeutisch betrachtet, seine Irrfahrt völlig unnötig. „Für Kinder ab einem Gewicht von 15 Kilo gibt es Tamiflu-Kapseln“, erklärt die Hamelner Apotheken-Sprecherin Birgit Köpps-Padberg. Und diese Kapseln seien ausreichend vorhanden. Gesagt hat das dem besorgten Vater in der vergangenen Woche allerdings niemand.

Fest steht: Die Grippewelle hat die Region erreicht. „Wer im Moment heftige Grippesymptome wie hohes Fieber zeigt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schweinegrippe“, erklärt Boragk. Die saisonale Grippe sei derzeit noch nicht sonderlich aktiv. Wer es plötzlich mit Fieber, Schnupfen, Halsschmerz, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen zu tun bekommt, muss zum Arzt – das allerdings nur nach vorheriger Anmeldung. „Es sollte sich niemand ins Wartezimmer setzen und dort andere Menschen anstecken“, betont Boragk.

Hohes Fieber und Kopfweh – Symptome der Schweinegrippe. Foto: Bilderbox

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