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Die Jungen treten gegen Politikfrust an

Seit Jahren ist das allgemeine Interesse an der Kommunalpolitik rückläufig. Gerade bei den jüngeren Generationen scheint es kaum noch vorhanden zu sein: Immer weniger junge Menschen engagieren sich in einer Partei oder sind anderweitig politisch aktiv. So verwundert es nicht, dass auch der Landkreis Hameln-Pyrmont von dieser Tendenz betroffen ist. Von 371 Kandidaten, die sich um ein Kreistagsmandat bewerben, sind lediglich 32 Personen unter 35 Jahre alt. Das sind gerade einmal neun Prozent. Demgegenüber stehen die über 60-Jährigen: Sie machen rund ein Drittel der Anwärter auf ein politisches Amt im Landkreis aus.

veröffentlicht am 07.09.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Jennifer Bremer
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Doch Fakt ist: Es gibt sie – die neun Prozent. Junge engagierte Menschen, die Lust haben, etwas zu verändern und sich dafür auf politischer Ebene mächtig ins Zeug zu legen. Die persönlichen Beweggründe, sich zu engagieren, sind bei Torben Pfeufer (SPD) Ursula Freiin von Mengersen (CDU), aber auch bei Christian Fiebrandt (FDP) und Julia Maulhardt (Bündnis 90/Die Grünen) ganz unterscheidlicher Art, wie sich in Gesprächen herauskristallisiert.

Der 25-jährige Christian Fiebrandt hat schon früh mit der Politik begonnen. Bereits mit 14 Jahren engagierte er sich bei den Jungen Liberalen. Zwei Jahre später trat er den Jungen Europäischen Föderalisten bei. Zugunsten seines Studiums der Staatswissenschaften in Thüringen pausierte er dann einige Zeit. Doch jetzt ist er zurück und abermals in Sachen Politik unterwegs.

In diesem Jahr hat er sich als Kandidat für den Stadtrat aufstellen lassen und hilft bei der wöchentlichen Fraktionsarbeit seiner Partei. Die Motivation, sich in seiner Freizeit für Parteipolitik einzusetzen, erklärt er folgendermaßen: „Ich war einfach unzufrieden mit vielem. Mir sind immer mehr Dinge aufgefallen, die mich gestört haben. Gerade auf längere Sicht gedacht, muss etwas passieren. Aber dafür sind junge Leute nötig. Daher wollte ich einfach wieder aktiv werden.“

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Julia Maulhardt (32), Kreistagskandidatin für die Grünen, kann nicht auf eine so lange politische Karriere zurückblicken. Sie kam sprichwörtlich zur Politik wie die Jungfrau zum Kind – nämlich ganz zufällig und unverhofft. Sie erzählt: „Eigentlich wollte ich damals, das heißt im Sommer 2008, mit einer Freundin ins Kino gehen. Diese sagte mir jedoch ab, weil sie sich einen Vortrag über den Bürgerentscheid zur Sanierung der Fußgängerzone in Hameln anhören wollte. Da bin ich einfach mitgegangen und war fasziniert.“ Dass sie allem dort Gesagten aus vollem Herzen zustimmen konnte, nahm sie zum Anlass, selbst aktiv zu werden und etwas bewegen zu wollen.

„Man kann sich nicht immer nur über Missstände beschweren, sondern muss selbst etwas tun, damit sich etwas verändern kann“, so Maulhardt weiter. Aus diesem Grund nahm sie im Jahr 2009 am Mentorenprogramm des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration teil. Jetzt hat sie sich aufstellen lassen und ist voller Elan dabei, sich für ihre Ziele und Ideale starkzumachen.

Die Zeit, die für die politische Arbeit und die Kandidatur aufgewendet werden muss, erklärt, warum auch für die jüngere Generation so ein Engagement nicht selbstverständlich ist. Denn: Das politische Amt, das immerhin ein Ehrenamt ist, muss neben Beruf, Studium, Familie, Freunden, Hobbys und anderen Tätigkeiten bewältigt werden.

„Ich habe mir für die heiße Phase des Wahlkampfes extra drei Wochen Urlaub genommen, sodass ich mich ausgiebig vorbereiten und alle meine Termine wahrnehmen kann. Ich will, dass die Leute mich kennen und wissen, wer sich hinter meinem Namen verbirgt“, sagt Torben Pfeufer (28), Kreistagskandidat der SPD. Seine persönlichen Beweggründe, in die Politik zu gehen, sind ähnlich wie die Julia Maulhardts. „Meine Eltern haben immer nur an allem herumkritisiert, sind aber selber nie aktiv geworden, um eine Veränderung herbeizuführen. Das hat mich genervt. Ich selbst will aber etwas bewegen und nicht immer nur herumnörgeln, wie schlecht alles ist. Aus diesem Grund bin ich gern bereit, meine Freizeit dafür zu geben.“ So viel Engagement zahlt sich aus.

Pfeufer ist für den Kreistag auf Listenplatz eins der SPD gesetzt worden. Und noch etwas ist ihm wichtig: „Es wäre schön, wenn sich endlich wieder mehr junge Leute in der Politik engagieren würden. Deswegen gehe ich mit gutem Beispiel voran. Das ist alles, was ich machen kann“, so Pfeufer weiter.

Mehr Begeisterung von Jugendlichen an politischen Themen wünscht sich auch die 24-jährige Ursula Freiin von Mengersen. Deswegen hat auch sie sich für die Kommunalwahl am 11. September bereit erklärt, einen Listenplatz für ihre Partei, die Christdemokraten, zu übernehmen. Bei den diesjährigen Kommunalwahlen rechnet sie sich allerdings wenig Chancen aus: „Ich stehe nur auf Platz sechs und bin von daher wohl nicht mit dabei. Allerdings wollte ich mich gerne aufstellen lassen, weil ich nach meinem Studium unseren Hof übernehmen werde und dann an meine politischen Aktivitäten als Jugendliche anknüpfen möchte. Da ich zurzeit in der Nähe von Kiel studiere, hätte ich leider nur in den Semesterferien Zeit, meinen politischen Standpunkt in Hameln zu vertreten. Aber ich möchte, auch solange ich weg bin, nicht in Vergessenheit geraten und zeigen, dass sich die Leute auf mich verlassen können.“

Ursula Freiin von Mengersen hat sich bereits als Teenager in der Jungen Union betätigt und bei zahlreichen Veranstaltungen geholfen. Auch anderweitig ist sie ehrenamtlich aktiv. So war sie Rettungsschwimmerin bei der DLRG in Hameln und hat im vergangenen Jahr die Betreuung behinderter Jugendlicher bei einer Freizeit übernommen. Seit 2007 ist sie im Vorstand der CDU Haverbeck und für die Schriftführung zuständig. Das politische Engagement junger Leute lässt hoffen: Denn auch auf kommunaler Ebene weiß man längst, dass junger Nachwuchs zwingend nötig ist, um frischen Wind in die recht angejahrte Parteienlandschaft zu bringen. So verzichtete beispielsweise der 71-jährige Herbert Rode (SPD) auf den Listen-Spitzenplatz, um dem jungen Torben Pfeufer eine Chance zu geben. Aus den Kommentaren der Neulinge lässt sich eins mit Gewissheit sagen: Sie sind mit Herzblut dabei und wollen ihre Sache gut machen. Wie gut, muss sich zeigen, wenn sie am 11. September gewählt werden.

Die negative Grundeinstellung vieler zur Politik äußert sich nicht nur in einer geringen Wahlbeteiligung wie zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern. Auch die Parteien haben es immer schwerer, Nachwuchs zu finden. Doch es gibt auch andere Beispiele: Wir stellen vier junge heimische Kandidaten und ihre Motivation, sich zu engagieren, vor.

Engagieren sich in der Politik (v.li.): Ursula Freiin von Mengersen, Torben Pfeufer, Julia Maulhardt und Christian Fiebrandt.



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