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Der neue Stadtmanager über Probleme und Potenziale der Rattenfängerstadt

„Die Hamelner sehnen sich nach einem großen Fest“

Hameln. Seit Monatsanfang ist er im Amt. Aus dem baden-württembergischen Backnang wechselte Dennis Andres an die Weser – als neuer Hamelner Stadtmanager. Ein „schwieriges“ Arbeitsfeld mit „verschiedenen Akteuren und Interessen“, weiß der 33-Jährige. Die Liste der Herausforderungen in seinem neuen Job ist lang: Im Dewezet-Interview spricht Andres über den Weihnachtsmarkt, das gescheiterte Projekt KIDZ Care – und ein Straßenfest in der Osterstraße.

veröffentlicht am 28.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 21:21 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Herr Andres, blicken wir in die Zukunft: Was ist Ihre Vision von Hameln im Jahr 2020?

Nach vier Wochen Arbeit die nächsten acht Jahre zu überschauen, ist sehr schwer, um nicht zu sagen: zu schwer. Ich möchte den Blick auch noch gar nicht so weit nach vorne richten, weil ich damit beschäftigt bin, die Situation jetzt zu erkennen und einzuschätzen, um da eine Linie zu finden. Auf lange Sicht ist zu erkennen, dass Hameln im Event-Bereich noch große Potenziale hat. Wir haben am Tag der Niedersachsen gesehen, was in der Stadt möglich ist. Ich glaube, die Bevölkerung sehnt sich nach solchen Großveranstaltungen. So ein Event mit überregionaler Bedeutung auf die Beine zu stellen, wäre eine schöne Herausforderung. Auch sollte die Weser ins Spiel kommen, weil wir als Stadt am Fluss wahrgenommen werden und werden wollen. Zudem haben wir noch viele Vorzüge, die bisher weniger bekannt sind – zum Beispiel, dass Hameln Hansestadt war. Das sind Dinge, die neben dem Markenkern Rattenfänger herausgearbeitet werden können.

Stichwort Großveranstaltung: Hameln hat mehrere kleine, aber kein großes Fest wie früher das Altstadtfest. Werden Sie das ändern?

Nach dem Altstadtfest werde ich häufig gefragt. Es ist natürlich schwierig für mich zu sagen: Wir machen einen verkaufsoffenen Sonntag weniger und lassen mal „Mystica Hamelon“ weg und dafür feiern wir das Altstadtfest. Da müssen viele Faktoren zusammenspielen. Zum einen braucht man die Unterstützung seitens der Stadt, zum anderen die Manpower und die Finanzen, so etwas umzusetzen. Deshalb ist für mich jetzt der erste Schritt, solche Kontakte aufzubauen. Ich kann Ihnen viele tolle Ideen aufzählen, aber das Ganze muss finanziert werden – und daran hapert es.

Ihre Hauptaufgabe liegt also nun im Finden von Geldgebern …

Es ist auch für das Stadtmarketing mit den häufigen Wechseln eine schwierige Situation gewesen. Teilweise steht auch Verärgerung im Raum, dass habe ich deutlich gespürt. Es gilt jetzt, wieder eine gemeinsame Basis zu finden und dafür zu sorgen, dass Veranstaltungen finanziell auf breiten Schultern getragen werden – sei es ein großes Stadtfest oder ein verkaufsoffener Sonntag mit Motto und entsprechendem Rahmenprogramm. Hier müssen wir wieder die Leute ins Boot holen. Ich habe in den ersten Wochen die Erfahrung gemacht, dass viele sich das wünschen und bereit sind, sich im Stadtmarketing zu engagieren. Zum Teil gibt es aber auch verhärtete Fronten.

Wie wollen Sie diesen Fronten begegnen?

Ich denke, es ist ein Vorteil, dass ich nicht aus Hameln bin. Dass ich keinem Lager zugeordnet werde und werden möchte. Wir müssen jetzt sehen, dass wir die Akteure – sei es Stadt, sei es Wirtschaft – wieder zusammenbringen, damit wirklich alle an einem Strang ziehen. In der Regel funktioniert das mit Gesprächen und einem guten Konzept.

Was sind die Projekte in der näheren Zukunft?

Wir sollten das Ende der Fußgängerzonensanierung mit einer schönen Veranstaltung feiern, die zeigt: Hameln ist jetzt baustellenfrei. Das kann abschnittsweise geschehen, aber auch ein großes Fest wäre eine schöne Sache – Finanzierung vorbehalten. In der Osterstraße sind bereits einige Gewerbetreibende auf mich zugekommen. Wir prüfen derzeit, ob sich ein Osterstraßenfest schon in ganz naher Zukunft auf die Beine stellen lässt.

Das Schlagwort „Stadt am Fluss“ ist schon gefallen. Macht Hameln genug aus der Weser?

Hameln hat baulich eine relativ schwierige Situation. Zum Schutz vor Hochwasser wurde der Fluss baulich quasi aus der Stadt ausgeschlossen. Aber es gibt noch schöne Plätze am Fluss, die nicht bespielt sind. Gastronomie entsteht gerade, aber da ist noch mehr Potenzial. Der Fluss wird sicherlich noch nicht so genutzt, wie er genutzt werden könnte. Nach einem Fluss wie der Weser würden sich viele Städte die Finger lecken.

Ein Streitthema, mit dem Sie sich auseinandersetzen müssen, ist der Weihnachtsmarkt. Wie wollen Sie ihm aus der Krise helfen?

Ich habe noch keinen Weihnachtsmarkt in Hameln erlebt, und die Fakten werden da sehr unterschiedlich präsentiert. Die einen sagen: Der Weihnachtsmarkt steckt in der Krise. Andere sagen: Es wird eigentlich immer besser, die Probleme sind behoben. Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen. Ich denke, dass auch in diesem Fall Standbeschicker, Verwaltung und HMT an einem Strang ziehen sollten. Als HMT haben wir aber nur bedingt Einfluss. Wir kümmern uns um Marketingmaßnahmen, um die Bespielung des Lütjen Marktes und sind bei der Dekoration aktiv. Ich muss mir den Weihnachtsmarkt anschauen und überlegen, wie man das Ganze verbessern könnte. Ich hoffe, dass ich mit meinen Vorschlägen dann auf offene Ohren stoße.

Ein anderes Problem ist der Leerstand vieler Ladenlokale – wie wollen Sie dem begegnen?

So viele Läden sind es eigentlich gar nicht. Wenn man die Leerstandsquote mit denen anderer Mittelzentren vergleicht, ist das in vielen anderen Städten ein größeres Problem. Zumal nicht alle leeren Ladenlokale, die man in Hameln sieht, klassische Leerstände sind. Weil entweder jemand gar nicht vermieten will oder weil jemand ausgezogen ist – beispielsweise in die Stadt-Galerie –, der Mietvertrag aber noch läuft. Für viele Läden ist durchaus Interesse da, aber es hapert dann an anderer Stelle – auch bei den Preisen. Auch durch die Stadt-Galerie hat sich der Markt verändert. Die 1-a-Lage von vor zehn Jahren ist es vielleicht heute nicht mehr. Wenn der Anpassungsprozess in die richtige Richtung geht, wird dieses Problem in einigen Jahren behoben sein.

Ein Erbstück von Ihrem Vorgänger ist das Kinderbetreuungs-Projekt KIDZ Care. Wie geht es damit weiter?

Das Projekt wird nicht so angenommen, wie wir uns das erhofft haben. Deshalb wird es nun bis auf weiteres eingestellt. Grundsätzlich ist ein Angebot zur Kinderbetreuung eine gute Sache, davon sind wir weiterhin überzeugt. Ich denke, mit ein paar Veränderungen wäre so ein Konzept in Zukunft auch wieder tragfähig. Die Kosten sind überschaubar, aber man braucht eine breite Zustimmung im Handel. Die haben wir jetzt nicht gefunden. Das Thema ist aber nicht generell verbrannt. Vielleicht lag es an der Kommunikation, vielleicht an den Öffnungszeiten. Da werden wir überlegen müssen.

Die Amtszeit Ihres Vorgängers als Stadtmanager war kurz: Wie wollen Sie seine Fehler vermeiden?

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich unvoreingenommen an die Sache gehe. Ich kenne die Version meines Vorgängers ja auch gar nicht. Ich kann also nur sagen, wie ich die Sache angehen will. Eins habe ich bei meinen Gesprächen herausgehört, und das ist das Thema Kommunikation. Das ist der Schwerpunkt, den ich setzen möchte. So müssen andere Probleme gar nicht erst entstehen – weil man einfach mit den Leuten spricht.

Das Kinderbetreuungsprojekt KIDZ Care wird vorerst eingestellt. Für immer beerdigt ist es damit jedoch noch nicht, versichert Stadtmanager Dennis Andres.

Fotos: Dana



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