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Die häusliche Altenpflege: „Das ist ein ganz anderes Arbeitsklima“

Auf den Fluren auch Hamelner Altenheime hastet das Personal von einem Zimmer ins nächste. Denn gerade in den Morgen- und Abendstunden wird es besonders schwer, den individuellen Bedürfnissen der Bewohnern gerecht zu werden. Die meisten Angehörigen und Besucher schätzen den freundlichen Umgang der Pflegekräfte mit den Bewohnern und können nur erahnen, was die Pflegekräfte leisten. 1996 hat Monika Wüstefeld der stationären Altenpflege den Rücken gekehrt und ist seitdem in der häuslichen Altenpflege tätig. „Ich möchte nie mehr in einer stationären Einrichtung arbeiten, denn die Bedingungen dort sind schlecht“, sagt die 52-Jährige. Sie berichtet von viel zu knapp bemessenen Zeitkontingenten, Mobbing, einem hohen Krankenstand und demotiviertem Pflegepersonal. „Einen alten Menschen zu pflegen, bedeutet nicht nur, ihn zu waschen, anzuziehen und dafür zu sorgen, dass er satt ist. Ich möchte ihm zuhören, wenn gewünscht die Hand halten, mit ihm lachen, mit ihm weinen, einfach bei ihm sein.“ Immer häufiger hört man aus Pflegekreisen: „Trocken, sauber, satt. Für mehr ist keine Zeit.“

veröffentlicht am 26.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

Matthias Rohde
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Norbert Raabe, Geschäftsführer der Paritäten, fordert: „Das Bild alter Menschen in unserer Gesellschaft muss sich dringend ändern. Wir haben hier über Jahre einer fatalen und falschen Entwicklung mehr oder weniger tatenlos zugesehen.“ Schweigend nehme es die große Mehrzahl der Bevölkerung hin, dass es alten Menschen an einer umfassenden Betreuung mangele. Wüstefeld: „Während meiner Ausbildung habe ich so viele Dinge gelernt, die einem Bewohner eines Altenheims zugutekommen könnten, aber das konnte ich alles vergessen. Schnell, schnell, hieß es immer, und bloß keine Zeit für Tätigkeiten aufwenden, die nicht bezahlt werden. Viele Kollegen verzichten auf ihre Pausen, machen Doppelschichten und reiben sich auf.“

Eine Zufriedenheit bei allen Beteiligten

In der häuslichen Pflege fühle sie sich wohl, sagt die examinierte Altenpflegerin. „Ich habe eine abgeschlossene Berufsausbildung als Rechtsanwalts- und Notargehilfin, in einer Kanzlei gearbeitet und später in der Verwaltung des Kernkraftwerkes Grohnde.“ Irgendwann habe sie aber gespürt, dass sie alten Menschen helfen wolle. Über Praktika und Anstellungen schnupperte sie in die Altenpflege hinein. Und Monika Wüstefeld kam sehr schnell zur Überzeugung: „Das ist genau mein Ding.“

Heute pflegt Wüstefeld alte Menschen in deren Umfeld, oftmals gemeinsam mit Angehörigen. „Das ist ein ganz anderes Arbeitsklima“, sagt sie. So entstehe sowohl bei den Senioren, bei deren Angehörigen als auch bei ihr selbst eine Zufriedenheit, die allen Beteiligten eine Pflege mit Würde ermögliche. „Da kommt es überhaupt nicht auf fünf oder zehn Minuten an.“ Ihrer Meinung nach, da ist Wüstefeld sich sicher, mangelt es vielen Berufseinsteigern an der inneren Haltung. „Ich bin mit Leib und Seele Altenpflegerin. Und ich denke, wenn die Bedingungen sich in den Heimen ändern, dann gäbe es viel mehr engagierte Pflegekräfte. Ich bekomme so viel von den alten Menschen zurück“, versichert die Altenpflegerin.



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