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Ermittlungen nach blutiger Fehde dauern an / Mardelli-Familien sind eng miteinander verwandt und verschwägert

"Die ganze Sache ist total aus dem Ruder gelaufen"

veröffentlicht am 19.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

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Hameln (ube). Auch neun Tage nach der Massenschlägerei an der Deisterallee, bei der am Nachmittag des 10. August sieben Menschen teils schwer verletzt wurden (wir berichteten), dauern die Ermittlungen des für Mord, Totschlag und Körperverletzungsdelikte zuständigen 1. Fachkommissariats an.

Mehr als 20 Vernehmungen wurden bislang durchgeführt. Drei Männer – ein Vater (52) und seine Söhne (22, 32) – stehen im Verdacht, ein versuchtes Tötungsdelikt begangen zu haben. Sie sollen mit Latten und Knüppeln gezielt auf den Kopf ihres Opfers geschlagen haben. „Wir gehen davon aus, dass sie den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen haben“, sagt der 1. Kriminalhauptkommissar Axel Brünger, Leiter des 1. Fachkommissariats. Die Familienfehde hatte nach Erkenntnissen der Polizei „etwas mit verletzter Ehre“ zu tun. Am Tatort stellten Kriminalisten Messer, Baseballschläger, Latten und eine Gaspistole sicher. Die Hamelner Polizei (05151/933-222) sucht Augenzeugen, die den Anfang der heftigen Auseinandersetzung beobachtet haben.

Die türkischen Muslime, die sich bei der Dewezet gemeldet haben, verurteilen den Gewaltexzess. Ein Mann sagt: „So etwas zu machen – und dann auch noch im heiligen Monat Ramadan – ist inakzeptabel.“ Ein anderer meint: „Wir leben in Deutschland, wir müssen die Gesetze dieses Landes achten, wir können das Recht nicht einfach selbst in die Hand nehmen.“ Ein junger Deutscher mit türkischen Wurzeln sagt: „Was die Leute da angestellt haben, ist schlecht für uns alle. Jetzt denkt doch jeder: Diese Muslime leben noch im Mittelalter. Wer ihre Ehre verletzt, wird verprügelt. Aber so wie die sind nicht alle drauf.“

Die Dewezet erfuhr bei ihren Recherchen: Die beiden Familien, die aneinandergeraten sind, sollen eng miteinander verwandt und verschwägert sein. Die einzelnen Mitglieder haben sich bei der Polizei mit türkischen, libanesischen und deutschen Pässen ausgewiesen. Bei einigen ist die Staatsbürgerschaft ungeklärt. Sowohl die eine als auch die andere Familie stammt ursprünglich aus dem Libanon. Sie sehen sich weder als Kurden noch als Türken. „Es sind Araber vom Stamm der Mardelli, die auch Mhallami genannt werden“, so eine zuverlässige Quelle. Mardelli ist von der Herkunftsgegend Mardin abgeleitet. Im Beirut (Libanon) werden die Mardelli als Kurden bezeichnet. Die Kurden aber sagen, die Mardelli seien keine Kurden. Und die Türken nennen sie „die Araber“. „Wir sind ein eigenes Volk, sprechen Arabisch und haben unsere Wurzeln in der Osttürkei“, sagt ein Stammesmitglied. Die meisten Mardelli kamen während des Bürgerkrieges im Libanon nach Deutschland.

In Hameln war es offenbar so, dass sich ein Mann von seiner Frau getrennt hat. Die beiden Familien sollen zunächst damit einverstanden gewesen sein, dem Paar, das Kinder hat, die Gelegenheit zu geben, eine Ehepause einzulegen. Man hatte die Hoffnung, dass die Eheleute wieder zusammenfinden werden. Was später die Massenschlägerei an der Deisterallee ausgelöst hat, ist noch unklar. Womöglich haben auch Beleidigungen eine Rolle gespielt. Man habe sich nicht extra bewaffnet, um die anderen zu verprügeln oder totzuhauen, heißt es. Warum aber hatten die Angreifer dann Waffen dabei? „Bei manchen von uns ist das leider normal. Die Sachen liegen bei denen wie Warndreieck und Verbandskasten im Kofferraum“, versucht jemand eine Erklärung. „Die ganze Sache ist bedauerlicherweise eskaliert und total aus dem Ruder gelaufen.“

In ein, zwei Wochen kämen die beiden Hamelner Mardelli-Familien zusammen, um sich zu versöhnen. „Die beiden Familien bedauern sehr, was passiert ist“, heißt es.



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