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Europapolitiker Brok in Hameln

Die EU – „kein schlechtes Geschäft“

HAMELN-PYRMONT. Elmar Brok ist, wie er sagt, nach Hameln gekommen, „um zu lernen, wie man Rattenfänger daran hindert, alles durcheinanderzubringen und ins Chaos zu stürzen“. Doch der prominente CDU-Europaabgeordnete und Außenpolitiker liefert dann im Weserbergland-Zentrum vor 330 Zuhörern auf dem Herbstempfang des Arbeitgeberverbandes AdU selbst eine Lehrstunde gegen populistische Vereinfachungen und politische Dummheiten.

veröffentlicht am 09.11.2017 um 22:58 Uhr

EU-Parlamentarier Elmar Brok (M.) im Gespräch mit dem AdU-Vorsitzenden Jürgen Lohmann (re.) und Geschäftsführer Dieter Mefus. Brok war Festredner auf dem Herbstem pfang des Arbeitgeberverbandes. Foto: Dana
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Brok spricht an dem Jahrestag, der einerseits für das dunkle Kapitel der Gewaltherrschaft in Deutschland steht, aber auch für den Mauerfall und damit die deutsche und europäische Wiedervereinigung. „70 Jahre Frieden und Freiheit und ein hohes Maß an Wohlstand – meine Generation ist die glücklichste seit Hermann dem Cherusker“, stellt der 71-jährige Westfale fest. Mit der Idee der europäischen Einigung sei auf diesem Kontinent endlich die Balance zum friedlichen Zusammenleben gefunden worden. Hingegen würde eine neue Abschottung zum wirtschaftlichen Niedergang führen, warnt Brok. „Dann würden wieder Schuldige gesucht …“

Deutschland ziehe 45 Prozent seiner Wertschöpfung aus den Exporten, erinnert Brok, zwei Drittel dieser Ausfuhren erfolgten auf dem EU-Binnenmarkt, der gerade auch mittelständischen Unternehmen wie im Weserbergland einen einfachen und lohnenden Zugang ins Ausland gewähre. Dass Deutschland ein Fünftel des EU-Haushaltes finanziere, sei seiner Wirtschaftsleistung geschuldet; aber die 12 Milliarden Euro netto pro Jahr entsprächen weniger als einem Drittel der Kosten für die Bundeswehr. „Frieden und Wohlstand – das ist nicht als schlechtes Geschäft zu bezeichnen“, betont Brok.

Der Jurist und Politologe ist seit 1980 Mitglied des EU-Parlaments. Derzeit beschäftigt und fordert ihn besonders der Brexit, der Ausstieg der Briten aus der EU. Bekannt als Freund klarer Worte, ist Brok international ein gefragter Gesprächspartner. So gibt er von Hameln aus zwischendurch der Londoner BBC ein Liveinterview. Broks Tenor zum Brexit: „Der Schaden wird für Großbritannien viel höher sein als für uns.“ Der britische Export nach Nordrhein-Westfalen zum Beispiel sei doppelt so groß wie der nach Indien – „nur um mal die Dimension aufzuzeigen.“ Ein weiterer Vergleich: „44 Prozent der Ausfuhren von der Insel gehen in die EU, aber nur 6 Prozent des EU-Exports nach Großbritannien.“ Brok verlangt einen klaren Scheidungsvertrag mit London. Darin müssten die Rechte der 4,5 Millionen Menschen vom Kontinent, die auf der Insel leben, festgeschrieben werden, für die irische Grenzfrage sei eine praktikable Lösung erforderlich, und die Briten müssten ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen, zum Beispiel auch bei den Pensionskosten für die EU-Beamten. Kommt es zu keiner Einigung, gibt es in anderthalb Jahren eine ungeregelte und somit harte Trennung. Brok hofft auf eine Zwischenlösung – „eine Übergangsphase, in der die Briten bis 2021/22 voll im Binnenmarkt bleiben, mit allen Pflichten“. Klar müsse aber sein: „Ein Land, das die EU verlässt, kann nicht ähnliche Vorteile haben wie ein Land, das bleibt und die finanziellen Lasten trägt.“

Am Brexit, an der nationalistischen Politik von US-Präsident Donald Trump oder dessen russischem Kollegen Wladimir Putin findet Brok auch etwas Gutes: Alles habe dazu geführt, dass die Zustimmung der Bürger zur EU gestiegen sei. Brok freut es: „80 Prozent der Deutschen sind der Auffassung, nicht so dumm zu sein wie die Briten.“ Natürlich sei an Europa manches zu kritisieren, aber es gelte: „Es besser machen, es nicht kaputt machen“. Der Applaus der Gäste aus Wirtschaft und Politik hält lange an.

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