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Vor allem viele ältere Leute bleiben vorsichtshalber zu Hause / Der Winterblues nimmt kein Ende

Die Eiszeit lässt das Leben in Hameln gefrieren

Hameln (ku). Seitdem der Frost Hameln fest im Griff hat, kommt Anna Svec kaum noch aus ihrer Wohnung. „Ich habe Angst vor der Glätte“, sagte die 82-jährige Hamelnerin. Sie und ihr Ehemann sind froh, täglich „Essen auf Rädern“ zu bekommen. Und dass sie einen weiteren Service der Paritäten nutzen können: einen Fahrdienst und die Hilfe beim Einkaufen. „Man versucht, die Besorgungen auf besseres Wetter zu verschieben“, erklärt Anna Svec, „doch einiges lässt sich eben nicht aufschieben.“ Ältere Leute sind bei dem winterlichen Wetter noch mehr als sonst auf die Hilfe der Familie und von sozialen Einrichtungen angewiesen. Anna Svec erklärt, dass sie mit ihrem Rollator bei Eis und Schnee nicht durchkomme. Da nütze es auch nichts, wenn sie sich vom Taxi in der Innenstadt absetzen lasse.

veröffentlicht am 15.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 10.11.2016 um 18:21 Uhr

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Weil es offensichtlich vielen Bewohnern so geht wie Anna Svec, wirkt die Hamelner Innenstadt seit Wochen deutlich leerer als üblich. Stefan Schlichte vom Stadtmarketing bestätigt, dass die Kundenfrequenz aufgrund von Eis und Schnee zurückgegangen sei. Dies lässt sich auch in den Parkhäusern ablesen: Bereits im Januar seien zehn Prozent weniger Autos in den Garagen der Stadtwerke abgestellt worden, sagt Unternehmenssprecherin Beate Mehren. Am vergangenen Samstag war das Parkhaus am Rathausplatz, das sonst während der Marktzeit am Vormittag oft voll belegt ist, nach Beobachtung von Benutzern lange Zeit nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. Kirsten Jackenkroll, Center-Managerin der Stadtgalerie, berichtet ebenfalls: „Wir merken, dass die Kundenfrequenz bei schlechter Wetterprognose zurückgeht.“

Auf den Fremdenverkehr wirkt sich das aktuelle Frostwetter anscheinend kaum zusätzlich negativ aus – ist der Februar bei Hameln-Touristen doch ohnehin schwach. Frank Lücke von der Hamelner Marketing und Tourismus GmbH stellt fest: „Man neigt dazu, weite Fahrten wegen der Witterung zu unterlassen.“ Die angemeldeten Busgruppen seien aber trotz des Eises gekommen, wenn auch oft verspätet, schildert Lücke.

Unter der Tendenz vieler Leute, jetzt lieber zu Hause zu bleiben, leiden auch die Gastronomen. Schließlich könnten die Straßen ja nach dem Gaststättenbesuch vereist oder verschneit sein – da verschiebt offenbar mancher sein Diner. Gabriele Güse, Vorsitzende des heimischen Hotel- und Gaststättenverbandes, sagt: „Es ist deutlich zu spüren, dass die Gastronomie aufgrund der Witterung nicht so gut besucht wird wie in den Vorjahren.“

Freitagnachmittag in Hameln: Die Fußgängerzone und die sonst mei
  • Freitagnachmittag in Hameln: Die Fußgängerzone und die sonst meist stark frequentierte Tiefgarage am Rathausplatz sind weitgehend leer. Foto: Wal

Viele Menschen sind nach dem wochenlangen Frost, Schneefall, Glatteis und wenig Sonnenschein schlecht drauf – das hat York Scheller, Diplompsychologe der Techniker Krankenkasse, beobachtet. Im Februar könne dabei der Kontrast zwischen Biorhythmus und Wetter eine Rolle spielen, ergänzt der Biopsychologe Peter Walschburger. „Durch die längeren Tage kommen wir in vitalere Stimmung, doch die Kälte zwingt uns fröstelnd in die Häuser zurück. Das gibt Frust.“ Ein „Winterblues“ könne sich durch Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit oder auch durch große Stimmungsschwankungen bemerkbar machen. Oft lasse die Konzentrationsfähigkeit nach und das Schlafbedürfnis erhöhe sich. Auch Heißhungerattacken seien möglich. Walschburger warnt aber davor, miese Stimmung allein auf den Winter zu schieben; der Winterblues könne auch eine Vorstufe zu depressiven Verstimmungen sein. Ausgelöst wird er hauptsächlich durch den Lichtmangel in der kalten Jahreszeit. Im Februar sollten sich langsam die Frühlingsgefühle durchsetzen – dieses Jahr funktioniert das bei eisigen Temperaturen wohl nicht. Im Unterschied zu depressiven Verstimmungen ist ein Winterblues aber oft mit einfachen Hausmitteln zu kurieren. Normalerweise rät Scheller zu einem 15-minütigen Spaziergang an der frischen Luft. „Das kann ich bei dieser Glätte aber niemandem guten Gewissens empfehlen“, räumt er ein. So empfiehlt er, tagsüber in der Wohnung viele Lampen anzumachen und öfter gut durchzulüften. „Statt über das Wetter zu lamentieren, sollten wir uns lieber etwas Schönes gönnen“, rät Walschburger. Manchmal helfe schon Schokolade.



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