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Die einen profitieren, die anderen resignieren

HAMELN. Nicht nur Filialisten auch lokale Einzelhändler haben 2008 ein Geschäft in der Stadt-Galerie Hameln eröffnet – mit rückblickend unterschiedlichen Erfahrungen. So wollte Bettina Dreyer, Inhaberin der arko-Filiale, schon nach drei Jahren das Center wieder verlassen, kam aber aus dem Mietvertrag nicht raus.

veröffentlicht am 27.09.2018 um 18:10 Uhr

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„Es war nur noch ein Durchhalten“, sagt Dreyer, die ihr 50 Quadratmeter großes Geschäft im Center Ende Januar dieses Jahres endlich schließen konnte – „ohne Mitarbeiter zu entlassen“; die setzt die Geschäftsfrau nun in ihrer Filiale an der Bäckerstraße ein. „In der Stadt haben wir immer andere Umsätze als in der Stadt-Galerie gefahren“, sagt Dreyer rückblickend. Das habe auch ihr Franchise-Partner arko eingesehen. „Zwei Läden in Hameln sind zu viel“, betont sie und weiß, dass sie nie wieder in ein Center gehen würde. Dreyer habe sich dort immer eingeengt gefühlt („Ich brauche frische Luft“), hatte ständig trockene Augen, da die Klimaanlage permanent laufen musste. Zudem kritisiert sie die teils langen Öffnungszeiten; an den Adventssamstagen bis 24 Uhr. „Die Verkäuferinnen standen rum und mussten warten, bis es 24 Uhr ist“, so Dreyer.

In der ersten Zeit hatte das Center noch donnerstags bis samstags bis 21 Uhr geöffnet – und das jede Woche. Das sei heftig gewesen; so richtig selbstständig sei man in seinem Handeln in der Stadt-Galerie nicht gewesen. Den einzigen Vorteil sieht Dreyer darin, dass es zumindest für alle Geschäfte einheitliche Öffnungszeiten gebe – das sei in der Innenstadt schwierig zu realisieren. Auch die ständigen Wechsel in der Führung – in zehn Jahren gab es vier Center-Managerinnen – findet sie nicht gut.

Neben der arko-Filiale haben auch andere inhabergeführte Geschäfte mit der Zeit geschlossen: Yves Rocher, Media@home Gerth und die Fleischerei Ahrberg. Einer, der sich wohl im kommenden Jahr aus der Stadt-Galerie zurückziehen wird, ist Volker Parpatt. Der Inhaber der beiden Optikerfachgeschäfte an der Emmernstraße und in der Stadt-Galerie beabsichtigt, nur noch den Laden an der Emmernstraße weiterzuführen. Parpatt hat aber die „Entscheidung, ins Center zu gehen, nicht bereut“. Vor zehn Jahren wollte er die Chance nutzen, sich noch einmal anders zu präsentieren – mit Erfolg. „Es ist ein ganz anderes Publikum zu uns gekommen“, so Parpatt. Das offene Geschäft ohne Türen; der Laden als Schaufenster – „wir haben den Kunden die Schwellenangst genommen“, sagt der Geschäftsmann.

Es würde dem Center guttun, wenn noch etwas Größeres einzieht.

Wilhelm Bente, Inhaber Hajener Landbrot


Für Thomas König, geschäftsführender Gesellschafter des Modehauses Kolle, habe das Center „sicherlich Einfluss auf die Stadt und die Stadtentwicklung im positiven und negativen Sinn. Profitiert haben wir“, sagt er – und zwar durch seine beiden Geschäfte in der Stadtgalerie, die das Center mit dem Modehaus Kolle verbinden. Allein die Auswärtigen, die in die Stadt-Galerie gehen, kommen so ins Modehaus Kolle, ohne nach draußen gehen zu müssen. Ein entscheidender Vorteil, wie König findet. Einen Einblick, wie es allgemein im Center so läuft, hat der Geschäftsmann nicht. „Dass nicht alles funktioniert, sieht man daran, dass es immer ordentlich Wechsel gibt.

Es dauert, bis es läuft.“ Ob er selbst mal ein anderes Sortiment in seine beiden Center-Läden nimmt – momentan sind es Cecil und Herrenmode – werde man sehen. Die Geschäfte modernisiert und umgebaut, hat König jedenfalls schon. Wie Wilhelm Bente, Inhaber von Hajener Landbrot. Er betreibt eine 100 Quadratmeter große Bäckerei-Filiale mit 40 Sitzplätzen im Erdgeschoss, die er kürzlich renoviert hat – nachdem er den Mietvertrag um weitere zehn Jahre verlängert hatte. „Es ist mit eine der umsatzstärksten Filialen, hat ein positives Image“, berichtet Bente. „Ich kann aber nicht bewerten, ob meine Kunden auch jedes Mal ein Hemd kaufen“, sagt der Geschäftsmann im Hinblick auf weiteren Umsatz in der Stadt-Galerie. Bente habe, nachdem er vor zehn Jahren kostspielig in den Innenausbau der Filiale investiert hatte, „spätestens im zweiten, dritten Jahr gemerkt, dass es richtig war, in die Stadtgalerie zu gehen“. Auch die Kunden hätten die Entscheidung, die Bente vor zwölf Jahren getroffen hatte, als man seitens der ECE auf ihn zukam, positiv aufgenommen.

Was man ihm damals an Zahlen und Statistiken präsentiert habe, „hat gepasst“, sagt Bente heute. „Die hatten schon echt einen Plan.“ Trotzdem: „Die Mieten sind relativ hoch. Die lassen sich die gute Kundenfrequenz bezahlen“, findet er. Es sei im Center aber ein nettes Miteinander – gleichzeitig gebe es straffe Regeln, was Öffnungszeiten und Hygiene angehe. „Aber sonst lassen sie einen in Ruhe.“. Für die Zukunft wünscht sich Bente noch präsentere Ankermieter, zum Beispiel Media Markt. „Es würde dem Center guttun, wenn noch etwas Größeres einzieht.“



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