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Was einem passionierten Stubentiger-Fan bei der Ausstellung von Rassetieren durch den Kopf geht

Die eigene Katze ist immer anders als andere

Hameln. Ab und zu ist ein Miauen zu hören. Spielmäuse bekommen die scharfen Krallen von zärtlichen Tyrannen zu spüren. Dösend thronen sie in den gerade mal 70 x 70 Zentimeter großen Käfigen auf Kissen, Decken oder Bettchen. Ihre klangvolle Fantasienamen wie „Hausgemacht vom flachen Meer“, „Audrey Hepburn of Raintree“, „ Ringo Star of Chamberlain“ oder „California Dream vom Schmusepalast“ lassen erahnen, warum sie hier sind: Das Ringen um Schönheit, Rang und Popularität. In der Hamelner Rattenfängerhalle findet die internationale Katzenausstellung des „Hannoverschen Katzen-Clubs e.V.“ statt.

veröffentlicht am 07.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:03 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Für mich als Freund der eigenwilligen Haustiere eigentlich ein Termin der angenehmeren Art. Eigentlich! Doch seit drei Wochen stimmt mich jede Begegnung mit Katzen eher traurig. Da starb unser Kater Guildo auf einem OP-Tisch und mit seinen gerade mal 12 Jahren viel zu früh. Kein rot-weißer Stubentiger springt mehr miauend mit hochgestelltem Schwanz aus dem Busch und begrüßt mich, wenn ich nach Hause komme. Es gibt keinen Stupser mehr bei der morgendlichen Zeitungslektüre nach dem Motto „Hey, ich bin auch noch da“. Vor der Terrassentür sitzt keiner mehr, der mauzend um Ausgang bettelt und nur kurze Zeit später energisch an die Fensterscheibe vom Wohnzimmer trommelt, um wieder hereingelassen zu werden. Es ist ruhig geworden im Haus. Guildo hat bei uns weit mehr Spuren hinterlassen als nur die hellen Kratzer an der blauen Haustür. Jetzt bin ich bei 300 Main Coons, Britisch Kurzhaar, Norwegischen Waldkatzen, Birmas und Persern, die mit ihren Besitzern auf ihren Auftritt vor der Jury warten. Jeder gewonnene Punkt bringt das Tier näher an den nächsthöheren Titel und den Rassestandard heran. Wer schön sein will, muss leiden und wird hier wird für den Erfolg ordentlich durchgebürstet.

Reichlich Pluspunkte sammelte auch Guildo – bei uns. Allerdings eher durch seinen gutmütigen Charakter, seine Schmuseeinheiten oder wenn er stolz eine Maus vor der Tür ablegte. Punktabzüge gab’s hingegen, wenn Federn auf sein Jagdglück bei Vögeln hinwiesen. Gekämmt haben wir ihn ebenfalls, jedoch nur mit dem Flohkamm, um unseren dann dankbaren „Flohbus“ von den Parasiten zu befreien.

„Bandit vom Düth“! Der Name eines Lokalmatadors der Hamelner Ausstellung verspricht wahres Draufgängertum. Das muss doch ein Typ wie Guildos Vater sein. Ein stattlicher Fuhler Bolzkater, erprobt im täglichen Straßenkampf und mit etlichen „Zuchterfolgen“ der robusteren Art. Ob der schwarzweiße Britisch Kurzhaar auch so durch Rohrsen stromert? Weit gefehlt. „Die Katzen sind nur im Haus. Das kleine Außengehege wird nicht so angenommen. Mal ist es ihnen zu heiß, mal zu windig“, erzählt Besitzerin Sigrid Evert, die gut eine Stunde pro Tag als Spielkamerad für ihre Lieblinge herhält. Die Züchterin aus Rohrsen – ihr Kater Cailou ist Internationaler Champion – reist mit ihren Katzen zu Ausstellungen nach Bad Münder, Hannover, Wolfsburg und Bremen. Guildo reiste nur zweimal, Autofahren war nicht sein Ding.

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  • Gähnt: D’Artagana (Britisch Kurzhaar red). Fotos: fn
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  • Main Coone-Kater „Nell Jones of Chamberlain“ hat es sich in der Hängematte gemütlich gemacht. 300 Rassekatzen traten bei der Ausstellung in der Rattenfänger-Halle zum Schönheitswettbewerb an.
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Einige Käfige weiter weckt ein in einer Hängematte schlummerndes und rotweiß gemustertes Wollknäuel mit großen leuchtenden Katzenaugen Erinnerungen an den jungen Guildo. Die zwölf Wochen alte Maine Coon „Nell Jones of Chamberlain“ ist auf ihrer ersten Ausstellung und fast das Ebenbild unseres Europäisch Kurzhaar, wenn nur das Fell etwas kürzer wäre. Gut, dass meine Frau nicht mitgekommen ist. Der Anblick der Stubentiger in ihren Käfigen würde sie an den Abschied von Guildo erinnern, als er vor der OP erstmals in eine Box gesteckt wurde – mit fragenden Augen und kläglichem Miauen. Es würden wieder Tränen fließen.

Tränen von überzüchteten Persern sind auf der Katzenschau übrigens nicht zu sehen. Ole-Peter Bona und Marina Handke vom gastgebenden Hannoverschen Katzen-Club betonen, dass überzüchtete Tiere zur Schau nicht zugelassen werden. Einen Pokal wie die Sieger hier hat Guildo nie gewonnen, dafür einen Ehrenplatz in unseren Herzen. Und ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass er in seinen zwölf Jahren bei uns sein Katzenleben voll genießen konnte – mit Auslauf und etlichen Freiheiten.

Guildo hieß der gutmütige Kater, an den Frank Neitz ständig erinnert wird, als er die Rassekatzen-Ausstellung besucht.



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