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Hamelns Stadtchef wundert sich

Die Debatte am Basberg dreht sich im Kreis

HAMELN. Die Bewohner des Hamelner Basbergviertels waren von der Stadtspitze zu einem Bürgerforum eingeladen worden. Ein Thema beherrschte den Abend: die Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung.

veröffentlicht am 26.09.2018 um 14:53 Uhr
aktualisiert am 26.09.2018 um 18:00 Uhr

Oberbürgermeister Claudio Griese und die weitere Rathausspitze stellte sich den Fragen der Basberg-Bewohner. Vor allem der neue Minikreisel am Ahornweg beherrschte das Gespräch. Foto: mafi/Dana
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Als Hermann Aden an diesem Abend zum ersten Mal das Wort „Kreisverkehr“ ausspricht, schallt ihm aus dem Publikum sarkastisches Lachen entgegen. Zu diesem Zeitpunkt informiert der Stadtbaurat beim Bürgerforum in der Basbergschule eigentlich über die Planungen für das Linsingen-Gelände. Aber das Trio von der Stadtspitze – neben Aden auch Oberbürgermeister Claudio Griese und Stadträtin Martina Harms – weiß spätestens jetzt, dass es wohl eine weise Entscheidung der Regie war, den Punkt „Verkehrssituation am Basberg“ hinten auf die Tagesordnung zu setzen, sich langsam an das brisante Thema heranzupirschen, Zeit für andere das Viertel betreffende Punkte zu behalten. Seit der Einrichtung des Minikreisels auf dem Ahornweg und einer „verkehrsberuhigenden Maßnahme“ am Meyers Grund gehen die Emotionen in dem Quartier hoch, sehen sich die Verkehrsplaner im Rathaus heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Dem Stadtoberhaupt ist die Ratlosigkeit im und nach dem Bürgerforum anzumerken. Griese nennt es „eines der verwunderlichsten Themen am Basberg“ und stellt resigniert fest: „Alles, was wir tun, ist falsch.“

Wenn beim BHW Feierabend ist …

Das Stadtoberhaupt hält den rund 70 Teilnehmern des Treffens einen Aktenordner entgegen – gefüllt mit Eingaben von Bewohnern des Viertels, die verlangen, dass die Stadt das Gebiet endlich vom Durchgangsverkehr befreit. „Nehmt bauliche Veränderungen vor!“, laute die Forderung. Das Problem ist sehr alt, denn schon seit gut vier Jahrzehnten bietet sich werktags das gleiche Bild: Viele Mitarbeiter des nahen BHW steigen nachmittags quasi gleichzeitig in die Autos. Die einen pflegen dann die Betriebsgemeinschaft in den sich bildenden Staus, die anderen biegen in den Spatzen- oder Ahornweg ab, fahren über Drosselweg oder Zeisigbusch, Meyers Grund oder Großes Osterfeld, Lindenweg oder Vogelbeerweg zum Hammelstein und zur Basbergstraße.

„Schleichverkehr“ wird das genannt – doch geschlichen wird nach Beobachtung der Anrainer ganz und gar nicht. Ausgerechnet die Leute von der Bausparkasse, deren Marketingkollegen so gerne das Bild vom glücklichen Wohnen zeichnen, sorgen für Ängste und Unzufriedenheit in dem Viertel. Die Stadt definiert die Anordnung des versetzten Parkens auf dem Meyers Grund und den Bau des Ahornweg-Minikreisels als Versuch, das Hindurchfahren unattraktiver werden zu lassen. Während des Bürgerforums beklagt jedoch ein Anwohner: „Wo vorher vernünftig geparkt werden konnte, ist der Verkehr gefährlicher geworden. Es gibt ein Stopp and Go.“ Beifall brandet auf. Ein anderer hat beobachtet, dass der Linienbus im Kreisel mit der Front über den Bürgersteig schwenkt. „Der Kreisel schafft Gefahren.“ Griese unterstreicht, dass die Drosselung des Tempos das Ziel sei. Und Aden stellt fest, dass „die Busfahrer den Kreisel offenbar nicht verstanden haben“. Der Mittelbereich bleibe befahrbar. Moderator Thomas Wahmes spricht von „üblichen Eingewöhnungsproblemen“.

Die Verkehrsplaner im Rathaus haben derweil einen weiteren Juckepunkt im Visier. Viele Eltern trauen sich nicht, ihre Kinder zu Fuß zur Basbergschule gehen zu lassen – wegen der chaotischen Verkehrsverhältnisse im Umfeld am Morgen und Mittag. Aber jeder, der seinen Steppke deshalb ebenfalls chauffiert, verstärkt das Problem. Die Schule versucht gegenzusteuern. In einem Projekt werden Zufußgehende derzeit per Stempel im Heftchen belohnt – und da wolle mancher „Fahrschüler“ nicht zurückstehen, hat Rektorin Hariet Oetke-Böhm bemerkt. Tatsächlich habe der Verkehr vor der Schule etwas abgenommen. Teile der Elternschaft sehen ungeachtet dessen einen dringenden Handlungsbedarf am Hammelstein. „Es wird zu schnell gefahren. Täglich sind kritische Situationen zu beobachten“, sagt ein Vater und appelliert an das Gewissen der Stadtoberen. Für die sichere Überquerung sei ein Zebrastreifen erforderlich, von der Stadt aber mehrfach abgelehnt worden.

Eine Mutter plädiert für eine Fußgängerampel. Stadträtin Harms gibt zu bedenken, dass beides in Tempo-30-Zonen „eigentlich nicht sein soll“; ein Zebrastreifen böte an dieser Stelle nur eine „Scheinsicherheit“. Die Fachleute wollen stattdessen die Kreuzung von Hammelstein, Stifter- und Paul-Gerhardt-Weg so einengen, „dass die Querung insbesondere für Kinder erleichtert wird“. Die Betroffenen scheinen weiter zu (ver)zweifeln, als eine Teilnehmerin aufsteht: „Es ist ein Glück, dass hier noch kein Kind totgefahren worden ist“, bestätigt sie – und wendet sich dann direkt an ihre Quartiersmitbewohner: „Sie fahren alle zu schnell! Auch heute Abend sind viele von Ihnen mit dem Auto gekommen – trotz des kurzen Weges. Die Eltern verursachen das Verkehrschaos. In den Ferien ist hier Ruhe.“ Und sie betont: „Die Verwaltung ist mutig, diese Maßnahmen umzusetzen.“ Überraschte Gesichter, Bravorufe und viel Beifall sind die Reaktion.

Es wird deutlich, dass die Zuhörer zwar die Sehnsucht nach Sicherheit und Ruhe eint – es werden Forderungen laut, die Verkehrssituation in weiteren Straßen zu verändern –, doch ein Konsens über das Wie scheint weit. Was OB Griese sagen lässt: „Wir machen uns ernsthaft Gedanken, ein Anwohnerforum zu organisieren, auf dem dann abgestimmt wird.“ Denn wer habe Recht? Er sei da leidenschaftslos: „Meinetwegen könnten wir die Schilder und den Kreisel auch wieder wegnehmen.“ Einige klatschen, viele nicht.

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Was am Basberg außerdem interessiert

Das Bürgerforum Basberg umfasste auch folgende Themen:

  • Linsingen-Gelände: Stadtbaurat Hermann Aden kündigte umfangreiche Abrissarbeiten an. Der Abtransport von Tausenden Tonnen Material ab der zweiten Jahreshälfte 2019 werde nicht ohne Beeinträchtigung für die Menschen auch am Basberg gehen. Fachleute werden sich mit der Schadstoff-Problematik befassen. Aden: „Es gibt keinen Grund für übertriebene Sorge.“ An der Basbergstraße werde ein Busbahnhof entstehen; es werde außerdem auf eine fahrradfreundliche Erreichbarkeit des künftigen Bildungscampus geachtet – alles mit dem Ziel, die zusätzliche Verkehrsbelastung für die Anrainer möglichst gering zu halten.
  • Kunstrasenplatz Süntelstraße: Falls die Übernahme aus dem Bundesbesitz für die Stadt zu einem annehmbaren Preis möglich ist, könnte der Kauf 2019 erfolgen und die Wiederherstellung zum Sportgelände 2020 vollzogen werden.
  • Paul-Gerhardt-Kita: Sozialdezernentin Martina Harms berichtet von einem Boom an Kindern durch Geburten und Zuzüge. Für die Paul-Gerhardt-Kita gebe es eventuell einen Anbau, außerdem sei die Idee aufgebracht worden, dort eine Halbtags-Waldgruppe für 15 Kinder einzurichten.
  • Basbergschule: Die 50 Jahre alten Gebäude sollen ab 2019 kernsaniert werden – für anderthalb bis zwei Jahre und unter Beibehaltung des Betriebs. Für die Zeit der „Operation am offenen Herzen“ (Aden) sollen Klassenraumcontainer aufgestellt werden.
  • Baugebiete: Für den Bereich Riesackweg in Verlängerung des Vogelbeerweges gibt es laut Aden von privater Seite Bemühungen, ein Baugebiet für rund 12 Einfamilienhäuser zu entwickeln. Außerdem für „deutlich unter 20“ Gebäude am Einsiedlerbach.


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