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Martina Pages Leidenschaft ist das Heimwerken – und sie will auch andere Frauen dafür begeistern

Die Bohrmaschine ist ihr Lieblingswerkzeug

Hameln. Martina Page liebt den englischen Landhausstil. Das Wohnzimmer der 47-jährigen Hamelnerin ist mit einer dunkelgrünen Chesterfield-Sofagarnitur und schweren Chippendale-Möbeln ausgestattet. Zwischen weißen Kissen sitzt Martina Page entspannt in roter Fleecejacke und Jeans. Mit dem kleinen Finger pickt sie einen schwarzen Fussel auf, der sich auf ihr Parkett verirrt hat. „Ich bin pingelig“, sagt sie. Den Parkettboden in ihrem Wohnzimmer hat sie selbst verlegt. Darauf ist sie stolz. Auch Teppich, Fliesen oder Laminat verlegt sie gerne – Martina Page ist Heimwerkerin aus Leidenschaft.

veröffentlicht am 21.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Katrin Beißner
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Ihr liebstes Werkzeug ist die Bohrmaschine. „Die ist am vielseitigsten“, sagt sie nach kurzem Überlegen. Als Kind durfte sie ihrem Vater beim Heimwerken nur zusehen. Später in der Schule konnte sie während eines Kurses mit Werkzeugen arbeiten. Es machte ihr Spaß. Neben dem Heimwerken zählen Gartenbau und Botanik zu ihren Hobbys. Leider klappte es mit der Lehrstelle zur Floristin nicht. Martina Page arbeitet auch gern mit Menschen, also wurde sie Textilwarenverkäuferin. Diesem Beruf ging sie über 15 Jahre nach. Als ihr Vater starb, half sie der Mutter bei Arbeiten im Haus und bekam so mehr Routine beim Heimwerken.

„Ich bin nicht der Mensch, der einfach dasitzen kann“, sagt Martina Page entschlossen, und ihre braunen Augen blitzen. „Wenn es keine Arbeit gibt, dann mache ich mir welche.“ Das hat die vormals Arbeitslose, der im Dezember 2010 gekündigt wurde, mit ihrer Firmengründung nun getan. Freunde und Bekannte hätten ihr schon öfter gesagt, dass sie sich mit ihrem Talent und Fachwissen selbstständig machen sollte. Nur getraut habe sie sich vorher nie, sagt sie. Bis dann vor einigen Wochen die Entscheidung fiel. Seit Oktober ist sie Inhaberin der Firma „Frauen Könn’s!“. Die Resonanz auf ihre Heimwerkerkurse für Frauen sei gut, sagt sie. Von Männer würde sie dagegen eher beschmunzelt..

Zu ihren Werkzeugen hat sie noch einige dazugekauft. So braucht keine Teilnehmerin zu warten, während andere schrauben oder bohren. Die Investitionen halten sich im Rahmen. Statt sich einen Kursraum zu mieten, hat sie eine Garage ausgeräumt und mit Tisch, Stühlen und eigens gebauten Stellwänden ausgestattet. Aber auch Hausbesuche sind geplant. Etwa, wenn eine Kundin beim Streichen in den eigenen vier Wänden nicht weiter weiß, Hilfe beim Laminatverlegen benötigt oder jemanden braucht, der mit ihr in den Baumarkt fährt. In ihren Kursen lehrt sie die Grundlagen des Heimwerkens. Und vor allem Sicherheitsregeln. „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt“, sagt Martina Page und verzieht das Gesicht, als erinnere sie sich ganz genau an ihre eigenen Erfahrungen. Stromschläge waren das mitunter. Und gerade weil sie die Gefahren kennt, weist sie ihre Teilnehmerinnen besonders auf die eigene Sicherheit hin. „Männer sagen oft, dass Frauen zu doof zum Heimwerken sind“, sagt sie. „Dadurch trauen Frauen sich selbst nichts zu.“ Martina Page weiß, dass viele Frauen alleinerziehend oder geschieden sind. Da ist oft kein Geld für einen Fachmann übrig. Mit ihren Kursen möchte sie alle Frauen dabei unterstützen, sich im Haushalt mehr Selbstbewusstsein und Fachwissen anzueignen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist ein Motto von ihr, „Learning by Doing“ ein anderes.

Ihrer Nachbarin Kyra Heisler hat Martina Page mit ihren Tipps schon große Hilfen erwiesen. „Martina ist meine Frau für alle Fälle“, sagt Kyra Heisler und erzählt, was sie alles schon mit Martinas Hilfe geschafft hat. Ob Fliesen hinter dem Kamin verlegen oder Gardinenstangen aufhängen, wenn Kyra mal nicht weiter weiß, fragt sie Martina.

Martina Pages Handy klingel. Ihre Tochter ist dran. Außer der 24-jährigen Jennifer hat Martina noch zwei weitere Kinder. Sean Connor ist 14 und Kimberley 9 Jahre alt. Ihre Kinder haben englische Namen, weil Martina findet, dass Vor- und Nachname zusammen harmonisch klingen sollten. Ihren Nachnamen hat sie von ihrem schottischen Ex-Mann übernommen. Page wird englisch ausgesprochen.

Ihr nächstes Projekt hat sie im Geiste schon verwirklicht. Martina Page möchte neben den Heimwerkerkursen eine Plattform im Internet eröffnen, auf der sich Frauen untereinander beim Heimwerken helfen können. „Das fördert die Gemeinschaft, und es entstehen Freundschaften“, sagt sie begeistert und ist zuversichtlich, dass ihre Idee viele ansprechen wird. Dazu plant sie ein Online-Bewertungssystem, in dem sich Handwerksbetriebe anmelden können. Diese werden dann nach verschiedenen Kriterien wie Freundlichkeit, Preis und der Qualität ihrer Arbeit aufgeführt und bewertet. „Das gibt es bisher noch nicht“, sagt sie. Ihr größter Traum wäre es, ein eigenes Fach-werkhaus für ihre Firma umzubauen. Ein „Frauen-Könn’s!“-Haus, in dem jeder Raum sein eigenes Thema hat. Holz, Fliesen, Farben und vieles mehr. Mit weit ausholender Geste sagt sie strahlend: „Und am schönsten wäre es, wenn der Aufbau des Hauses Schritt für Schritt im Fernsehen dokumentiert werden würde.“ Doch eines nach dem anderen. Jetzt, mit 47, wolle sie endlich durchstarten, sagt Martina Page.

Martina Page im Heimwerker-Einsatz. „Natürlich kommt öfter mal ein Spruch von den Männern“, sagt sie, „aber damit hab ich kein Problem.“

Foto: Wal



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