weather-image

Dewezet-Nachtausgabe: Silver Beatles singen im vollen „Lalu“ das Gestern ins Heute

Die BHs fliegen nicht mehr

Hameln. Was tun Fans einer halb ausgestorbenen Band, wenn sie sich für zwei Stunden erinnern, sich noch einmal der Illusion von „Yesterday“ hingeben wollen? Sie gehen zu einer der vielen Beatles-Revival-Bands, von der sie kompakt das ganze Spektrum des grandiosen musikalischen Schaffens der Pilzköpfe präsentiert bekommen. Und genau darum geht es. Der Schein ist auf den ersten Blick fast perfekt. „John, Paul, George und Ringo“ bringen die Songs von „Hard Day’s Night bis „Back in the U.S.S.R.“ perfekt auf die Bühne. Die Stimmen erinnern stark an die Originale, die Riffs und Soli ebenfalls. Paul wackelt engagiert mit dem Kopf wie der echte, und Ringo schüttelt sich ständig den Pony aus den Augen. Auch die zweimal wechselnde Kostümierung passt. Mit „A hard day’s night“ und „Day tripper“ geht es von Anfang and gleich in die Vollen.

veröffentlicht am 20.11.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 16:21 Uhr

270_008_6744286_hm207_2011.jpg

Autor:

Stefan Gliwitzki
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Auf den zweiten Blick allerdings stimmt vieles nicht am Bild. „John“ beklagt, dass heute keine BHs fliegen, stattdessen sitzen sich die Fans den Schlüpfer platt. Stehplätze hat nur die Band, das Rudel sitzt und singt – früher undenkbar. Es kreischt auch keine vor Ekstase, die Fans rasten nicht kollektiv aus, müssen von „John“ beharrlich zum Mitklatschen und „Stumpfen mit die Fuße“ ermahnt werden. Daher gibt es Aufforderungen – vom Zettel abgelesen – man möge doch mitsingen („yeah, yeah, yeah“), mitklatschen „und das gehe so...“ Scheiße, alles muss man Euch sagen“, schimpft Lennon. Die optische Ähnlichkeit der vier Herren mit den Originalen hat ebenfalls ihre Grenzen, plastische Chirurgie war sicher nicht im Bandetat. Aber das wäre auch zu viel verlangt. Die Fans sehen schließlich auch nicht mehr aus wie früher.

Nach der Pause kommt die Band mit neuer Garderobe zurück und zeigt die mehr psychedelische Ära der Beatles. Allerdings bekommt der angeklebte Bart nicht jedem Musiker. „Ringo“ sieht nun aus wie Peter Sellers im Pink Panther als Inspektor Clouseau. „Paul“ verpatzt das eine oder andere Mal die Songanfänge, und „Lennons“ schöner britischer Akzent weicht mit der Zeit einem doch eher sehr deutschen Einschlag. Beim Kommentar über seine schlecht zu stimmende Gitarre – „it was made in shit“, ist er noch recht englisch. Als später „Paul“ seine Gitarre mit lautem Gepolter umwirft, ist es der Kommentar „macht nix, das ist ein Scheißteil“ dann schon nicht mehr. Der einzige echte Bühnenbrite ist ohnehin „George“.

Musikalisch überzeugt die Band, besonders in der zweiten Hälfte des Konzerts, die mit „Strawberry Fields“ beginnt und in der die Songs rockiger, komplexer und damit heutiger werden. Das scheint den Musikern besser zu liegen. In „While my guitar gently weeps“ betritt auch Eric Clapton für sein legendäres Solo die Bühne. Der Beat wird schwerer, wie in „Get Back“, und die Zugaben bringen die Zuhörer nach „Johns“ Aufforderung dann doch auf die Tanzbeine. Sie twisten und shouten, rollen über Beethoven. „Das ist ja fast wie ein richtiges Konzert“, frotzelt „Lennon“. Besonders der Beatles-Fanclub aus Hannover kann die Füße nicht stillhalten und geht vom ersten Song an mit.

Was macht so ein Fanclub? „Wir treffen uns einmal im Monat, reden über die Beatles, halten kleine Vorträge, spielen die Songs, veranstalten mal ein Quiz, so was“, erklärt Alfred Ebeling. Sein Urteil über die Silver Beatles: „ Das ist eine der besseren Beatles Revival Bands.“ Die Beatlemania hält an, und die Band zieht weiter, möchte gern wieder ins Lalu kommen. Die Fans stehen drauf und vielleicht dann am Ende auch wieder auf.

Musikalisch überzeugen die Silver Beatles im Lalu, auch wenn die optische Ähnlichkeit manchmal zu wünschen übrig lässt. gli



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt