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Ausstellung von Fotograf Rudi Günther

Die 70er Jahre in Hameln: Zwischen Protest und Idyll

HAMELN. Deutschland in den 70ern, das ist Revolution in Politik, Kultur und in den Betten. Selbst die Provinz bleibt nicht verschont, als in Hamelns Nachbarschaft 1977 das Atomkraftwerk Grohnde gebaut werden soll und alternative Kräfte sich formieren. Dem Plan, die historische Innenstadt einzureißen, folgt ebenfalls Protest. Aber auch das sind die 70er in Hameln: Kleinstadtidyll mit Gartenzwerg, Weihnachtsmarkt und vollem Schwimmbad.

veröffentlicht am 06.10.2018 um 08:24 Uhr

Dorothee Balzereit

Autor

Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite

Einer war dabei, der das bunte Jahrzehnt in Tausenden von Schwarz-Weiß-Bildern festgehalten hat: Rudi Günther. Der 2006 verstorbene Fotograf mit dem Kürzel „RG“ arbeitete von 1964 bis 1988 bei der Dewezet und hielt die Demonstrationen in Grohnde mit seiner Kamera ebenso fest, wie die Altstadtsanierung. Aber es sind nicht nur die „großen“ Ereignisse, die den Betrachter innehalten lassen. „Achs“ und „Hachs“ ruft fast jede Alltagsszene hervor. Momentaufnahmen, in denen Günther den Zeitgeist eingefangen hat. Rund 25 000 Negativstreifen hat der Fotograf dem Museum Hameln hinterlassen. Ende Oktober wird ein Teil seiner Bilder in einer Sonderausstellung zu sehen sein.

Wer der Mann hinter der Kamera war, bleibt dagegen unscharf. Weggefährten beschreiben übereinstimmend ihn als zurückhaltend, fast scheu. Dewezet-Fotograf Matthias Waldeck, der mit ihm Seite an Seite arbeitete, sagt: „Er hat mir beigebracht, so unauffällig wie möglich zu sein.“

„Er war ein großartiger Mensch, einer, auf den man sich hundertprozentig verlassen konnte“, erinnert sich Wilfried („Fiffi“) Voss, früher Prokurist und Dewezet-Druckereileiter und nebenbei plattdeutscher Geschichtenerzähler. Viel geredet habe er nicht, daran erinnert sich auch Voss. „Man musste ihm alles aus der Nase ziehen“, sagt der lebhafte 89-Jährige. Ein bisschen so war es wohl auch auf einer gemeinsamen Libyenreise. Anlass war ein Druckauftrag des damaligen Königs Idra für 30 000 Bildpostkarten. Für die Motive war Rudi Günther verantwortlich. Wie gut der sich in Nordafrika auskannte, erfuhr Voss erst während des Fluges, als er aus großer Höhe aufgeregt auf die afrikanische Küstenlinie zeigte. Rudi Günther habe nur kurz aufgeschaut und dann trocken erwidert, dass er dort schon mit Reiseschriftsteller Heinz Helfgen entlanggeradelt sei.

7 Bilder
Tanken auf Pump soll abgeschafft werden, so lautete das Thema zum Bericht in der Dewezet.

Die Sonderausstellung „Die 70er in Hameln, Momentaufnahmen von Rudi Günther“ wird am Montag, 22. Oktober, um 19 Uhr in der Marktkirche eröffnet.



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