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Belcanto im Weserbergland-Zentrum

Die 5 Tenöre: Rosine um Rosine gepickt

HAMELN. Liebenswert selbstironisch, wie sie da die Bühne entern und mehr oder weniger dezent Bäumchen wechsle dich spielen, bis jeder an seinem Platz steht – und fünf Tenöre endlich gelassen aufs Publikum im Weserbergland-Zentrum blicken.

veröffentlicht am 13.01.2019 um 18:28 Uhr

Liebenswert-selbstironische Stimmband-Akrobaten: Die „5 Tenöre“ im Weserbergland-Zentrum. Foto: geb Liebenswert-selbstironische Stimmband-Akrobaten: Die „5 Tenöre“ im Weserbergland-Zentrum. Foto: geb
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Richard Peter Reporter
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Und das Publikum: erwartungsvoll vor den gehätschelten Belcanto-Stars. Ausnahmekünstler, empfindlich, immer auch gefährdet, was die Stimme betrifft – und gerne nachgesagt: auch eitel. Die Helden vom „Hohen C“ längst unter Kulturschutz. Die berühmten drei Tenöre, mit denen alles anfing – Pavarotti, Domingo und Carreras – Legenden wie ihre unvergessenen Auftritte in Roms Caracalla-Thermen oder in Paris unterm Eiffelturm. Ein Millionen-Publikum, tränenfeuchte Gesichter, wenn „Big P.“ sein „vincenar“ aus Puccinis „Turandot“ so unvergleichlich in die Menge strahlte.

Am Freitagabend hieß es im Weserbergland-Zentrum „Die Nacht der 5 Tenöre“ – und weil Andrea Hörkens den Abend moderiert und zudem Sopranistin ist, bereicherte sie ihn mit zwei der schönsten Arien aus „Tosca“ und der „Bohéme“. Dazu kamen noch die Plovdiver Symphoniker unter Nayden Todorov. Schade, dass sich das Orchester auf plattem Bühnenboden beschränken musste und so die Klang-Balance nicht ganz so ideal über die Rampe kam.

Aber es ging ja um fünf Tenöre, die ganz selbstverständlich im Mittelpunkt standen und mit „Questa o quella“ aus Verdis „Rigoletto“ standesgemäß einstiegen. Zusammen mit ersten Soli – und immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich ein- und dieselbe Stimmlage klingen kann. Sotto voce oder eher kratzbürstig, sich verströmend oder mühsam hochgestütz. Eines gilt aber für alle: Sie sind blendende Techniker, beherrschen ihr Metier.

Stimmband-Akrobaten wie Daniel Damyanov mit der Parade-Arie des Cavaradossi aus „Tosca“, der sein finales „vita“ geradezu triumphierend schmettert. Mihail Mihaylov – die vielleicht schönste Stimme des Abends, ein Strom an Wohlklang und wunderbar leicht strahlenden Höhen – mit Lehàrs „Dein ist mein ganzes Herz“. Luigi Fattola und Orfeo Zanetti mit zwei ehrgeizigen Arien aus Verdis „Macbeth“ und „I Lombardi“, dazu Vincenzo Sanso, vermutlich der älteste des Quintetts und ewig flirtender Sonnyboy mit Puccinis Glanzarie aus der Oper „Das Mädchen aus dem goldenen Westen“. Zu Hochform läuft Sanso dann allerdings mit den Canzonen, neapolitanischen Liedern auf.

Neben den Orchester-Soli mit Mascagnis „Intermezzo sinfonico“ aus der „Cavalleria rusticana“ und im weiten Teil der „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauss und Sanso im Orchester mit Knalleffekten – sowie der Radetzky-Marsch vom selben Komponisten, für den Todorov allerdings ein Tempo wählte, das aus dem Marsch ein Gerenne machte.

Bei Andrea Hörkens mit ihren beiden Puccini-Arien wurde ich das Gefühl nicht los, dass sie vergessen hatte, die Handbremse zu lösen. Irrtierend, wie sie auf den einzelnen Silben verharrte – aber dann im zweiten „Mimi“-Teil wie losgelöst mit wunderbar strömenden Bögen eins mit der Musik wurde und endlich zu erleben, wie schön diese Stimme klingen kann.

Ein bisschen schade, dass sich für den tenoralen Einschub während der Arie bei fünf Möglichkeiten kein Rodolfo fand, hier einzuspringen. Und Rosinen um Rosinen gepickt – auch bei den Zugaben. Klar doch: „O sole mio“ und Puccinis „Nessun dorma“ aus der „Turandot“.

Nach dem fünffach geschmetterten „vincenar“ hielt es kaum noch jemand auf den Sitzen.



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