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Konzert: Rimmer – Belli – Fischer

„Dewezet Classics“: Trio tobt durch die Genres

HAMELN. „Fresh Air!“, so nennen Pianist Nicholas Rimmer, Frederic Belli an der Posaune und Johannes Fischer hinter dem Schlagwerk ihr einzigartiges Konzeptkonzert, das sie Dienstagabend im Rahmen der Konzertreihe „Dewezet Classics“ im Hamelner Theater vorstellten.

veröffentlicht am 02.11.2021 um 22:41 Uhr
aktualisiert am 03.11.2021 um 18:10 Uhr

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HAMELN. Theaterdirektor Wolfgang Haendeler war so beeindruckt von den drei Herren, die gestern Abend die Hörgewohnheiten seines Hamelner Publikums gehörig auf den Kopf stellten, dass er sie schon für April 2018 gebucht hatte. Ein Handbruch kam dazwischen, und ein Lockdown, und so traten die drei Solisten erst gestern im Ensemble auf.

Das erste Stück ist von Schlagwerker Fischer. Spielereien an der Posaune, Pause, längere Pause, lange Pause: „Einige Versuche, Dinge in Gang zu setzen“, nimmt das Trio wörtlich. Die Saiten des Flügels werden – Blasphemie – mit der Hand gezupft, eine Fahrradklingel kommt zum Einsatz, auch einem kleinen grünen Plüschdrachen kann man Töne entlocken. Die sehr aufmerksamen und wohlwollenden Besucher reagieren unterschiedlich darauf, aber am Ende gibt es viel erleichterten Applaus. Es folgen fünf kleine Stücke von Debussy, aber „freuen Sie sich nicht zu früh“, kokettiert Belli, während Fischer mit seinen unterschiedlichen perkussiven Instrumenten ein wahres Klanggewitter einleitet. Das letzte Debussy-Perlchen wird zu einem Dialog zwischen Klavier und Posaune; Frederic Belli hält die Schlusspause fast quälend lang.

Ein Allegro von Bach, ursprünglich für Flöte, Geige und Bass geschrieben, wird erst zu einem spanischen, dann zu einem chinesischen Feuerwerk – die Posaune möchte gern ein Kontrabass sein. Es seien damals eben keine Stücke für Posaune und Klavier geschrieben worden, erklärt Belli, „Bach, Mozart, Strawinsky, Bartok und Schumann hatten die Kombination einfach noch nicht entdeckt“. Die Instrumentierung wirkt erstaunlich vertraut, der Bach wird zum virtuosesten Werk des Abends.

Zum Spannendsten vor der Pause wird ein Stück von Daniel Schnyder: Der „Blues für Schubert“ tost nur so durch die Ohren; er verbindet verschiedene Jazzelemente. Scheinbar spielt jeder Solist für sich allein, bis sie letztlich wieder zusammen finden.

Danach nimmt sich das Trio den Amerikaner Tom Waits vor. Ein Bossa Nova dient Belli als Plattform, und sein Instrument ähnelt sehr der knarzigen Stimme des Sängers. Zu guter Letzt der amerikanischste deutsche Komponist: Kurt Weills Salonmelodien, ursprünglich für einen Text von Erich Kästner, bedürfen keiner Stimme, man sieht die Damen mitsamt ihrer Hütchen und Handtäschchen in einer verrauchten Bar übers Parkett gleiten; das Trio trifft genau den Ton der damaligen Zeit.

Neue Musik, moderner Jazz, Dissonanzen und Barock treffen auf Kinderlieder, Latinjazz und Moritaten: Selten war ein Trio so breit aufgestellt wie heute. Viel, viel Beifall.



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