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Viele Flüchtlinge nutzen Angebot

Deutlich mehr Kundschaft für die Tafel

veröffentlicht am 13.09.2016 um 18:40 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:45 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Anderthalb Tonnen Muffins! Mit Transportschaden, ja, aber das ist völlig egal. Die Hamelner Tafel hat sich stellvertretend für ihre Kunden über diese Naschereien gefreut. Solche Mengen sind natürlich selten und werden dann auch großzügig mit anderen Tafeln aus der Umgebung geteilt, erzählt der Vorsitzende in Hameln, Bernd Timm. Das Ziel der Tafel ist nach wie vor, den Überfluss zu verteilen, der vorhanden ist. Doch in den vergangenen Monaten hat sich einiges geändert. Auch, aber nicht nur, weil inzwischen so viele Flüchtlinge zu den Kunden zählen, die jede Woche in die Ruthenstraße zur Ausgabestelle kommen.

Um 30 Prozent habe die Anzahl der Kunden im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, sagt Timm. Um die 1100 Männer und Frauen erhalten jetzt wöchentlich über die Tafel Lebensmittel – auf diesem hohen Niveau habe sich die Anzahl der Abnehmer jetzt stabilisiert. Über 50 Prozent seien Menschen mit Migrationshintergrund. Mit Händen und Füßen klappe die Verständigung, inzwischen könnten aber auch einige aus der Kundschaft beim Übersetzen helfen, zumindest auf Englisch.

Manchmal, erzählt Timm, könnte der eine oder andere, mit dem, was gerade aus den Regalen angeboten wird, nichts anfangen. Doch das sei nicht nur einem anderen kulturellen Hintergrund geschuldet – „auch junge deutsche Frauen können mit dem Gemüse oft nichts anfangen“, sagt Timm und nennt als Beispiel Fenchel. „Und wir haben immer gedacht, dass primär Fleisch das Problem wäre …“, fügt er lachend hinzu. Anspruchsdenken seitens der Kunden sei allerdings eher selten – wenngleich ein großes Missverständnis immer wieder ausgeräumt werden müsse.

„Viele denken, das hier sei eine staatliche Einrichtung“, erzählt Timm, und dass sie ein Recht auf eine bestimmte Versorgung hätten. Dann müsse irgendwie aufgeklärt werden, dass das nicht der Fall ist. Hintergrund dieser irrigen Annahme sei, dass Flüchtlinge bei der Ausländerbehörde direkt auf die Tafel hingewiesen würden – das schürt den Eindruck des „Staatlichen“.

Dabei „darf man nicht vergessen, dass wir Tafeln eine Ehrenamtsorganisation sind, die eine freiwillige Leistung anbietet“, erklärt die Pressesprecherin des Bundesverbands der Tafeln, Stefanie Bresgott. „Wir versorgen niemanden, aber wir unterstützen viele. Die Versorgung – egal ob Flüchtling oder nicht – ist einzig Sache des Staates.“ Bundesweit ist die Anzahl der Tafel-Kunden nach Bresgotts Angaben seit August 2015 um gut 200 000 Geflüchtete gestiegen.

„Wir haben zum Glück ausreichend Lebensmittel“, sagt Timm über die Situation in Hameln. Trotzdem muss sich die Tafel gerade einer neuen Herausforderung stellen: Die Abgabe der Lebensmittel durch die Supermärkte und Discounter konzentrierten sich inzwischen auf montags und dienstags. Vor allem, weil viele für das Wochenende eine „höhere Warenverfügbarkeit“ vorsehen, wie Penny bestätigt. Die Montage und Dienstage dagegen seien eher umsatzschwächer. Auf der Seite der Tafel führt das dazu – gerade, wenn leicht verderbliche Ware dabei ist –, dass zu Beginn der Woche Überfluss herrscht, zum Ende jedoch einiges an Obst und Gemüse nicht mehr zu haben sei. Die Lösung ist jedoch gefunden: Eine zweite Kühlkammer muss geschaffen und dafür Wände gerissen werden, damit der Platz reicht. Ohne diese bestehe ein Problem, das den Grundsätzen der Tafel zuwiderläuft: Es müssen Lebensmittel weggeschmissen werden, wenn sie nicht schnell genug an den Mann gebracht werden können und verderben. Erst führe der Weg jedoch zu Landwirten, die es verfüttern oder für Biogasanlagen nutzen können. Die Mülltonne sei der letzte Ausweg.

An einem allerdings mangele es immer: an frischen Molkereiprodukten. Milch, Joghurt – selten können die Ehrenamtlichen der Tafel das mal anbieten. Und dann auch nur einigen, weil die bereitgestellte Menge nicht ausreicht. Über die Aktion „Ein Produkt mehr“ in den Supermärkten, in denen die Kunden einfach ein Produkt für die Tafel kaufen, versuchen die Ehrenamtlichen hin und wieder, bestimmte Bedarfe abzudecken. Dann gibt’s auch H-Milch.



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